Kino

Zähne, Zigarren, Zuckungen Rick Kavanian, der wilde Dreizehnte

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Zwei Lokomotivführer haben Frau Malzahn besiegt - das kann ein Pirat, oder 12, nicht auf sich sitzen lasen.

(Foto: Warner Bros. )

Er wollte Kinderarzt werden - auch schön, aber wir sind froh, dass er den Weg zum Film gefunden hat. Denn so verdanken wir ihm viele lustige Stunden in Film, Funk und auf der Bühne und können uns aktuell in "Jim Knopf und die Wilde 13" auf Rick Kavanian freuen. Mit sehr viel Fantasie hat Michael Ende in den 1960er Jahren seine Bücher geschrieben, und mit sehr viel Fantasie entstiegen die Figuren um Jim Knopf, Lukas dem Lokomotivführer, Frau Waas und Herrn Ärmel der "Augsburger Puppenkiste" im Fernsehen. Mit wiederum neuer Fantasie, sehr viel Technik, aber auch sehr viel Liebe und Empathie kommt nun der zweite Teil des Kinder- und Abenteuerbuchs in die Kinos. Regisseur Dennis Gansel hat wieder ein paar der Besten - wie Annette Frier, Christoph Maria Herbst, Uwe Ochsenknecht, Henning Baum und Solomon Gordon als Jim Knopf - um sich versammelt, um Kinder und Eltern im Kino zu unterhalten. Mit einem, dem eine einzige Rolle bei weitem nicht reicht, hat ntv.de gesprochen: Rick Kavanian, bekannt aus der "Bullyparade" oder dem "(T)Raumschiff Surprise".

ntv.de: Wie geht's weiter im zweiten Teil von Jim Knopf?

Rick Kavanian: Wir haben versucht, es im zweiten Teil noch spannender, noch abenteuerlicher zu gestalten. Die wichtigste Zutat für einen Film, der Kinder und Erwachsene ansprechen soll, ist jedoch der Humor, denke ich. Da gibt es Figuren, die man im ersten Teil vielleicht schon lieb gewonnen hat, und dann kommen dieses Mal eben eine Menge Piraten dazu (lacht).

Was ist die Herausforderung daran, mehrfach dieselbe Person zu spielen?

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12 Piraten? 13 Piraten? Wer weiß das schon, ist das denn wichtig?

(Foto: Warner Bros. )

Die Wilde 13 - die ja in Wirklichkeit nur 12 sind, waren natürlich eine Herausforderung insofern, als man diesen eineiigen Zwölflingen jeweils schon ein paar Eigenheiten verpasst, die jeden dieser Piraten einzigartig machen. Kleine Modifikationen wie Augenklappe rechts, Augenklappe links, aber auch Halstücher, Schwerter, Kleinigkeiten. Mit Regisseur Dennis Gansel habe ich zusammen überlegt, welcher von denen am ehesten der Kapitän sein könnte, und so weiter. Es gibt den Kampfeslustigen, den Zweifler, den Komischen und den Ängstlichen, aber zum Glück für mich haben alle Vollbärte (seinen eigenen, Anm.d. Red.), nur die Zähne musste ich ab und zu wechseln (lispelt), das war dann immer ganz lustig von einer Figur zu anderen zu springen. Man muss extrem genau spielen, aber vor allem ist es technisch eine große Herausforderung.

Und wenn Sie nach Hause kommen, dann sind Sie welcher?

Das Schöne ist, dass ich alle Rollen ablegen kann, sobald ich nach Hause komme. Dann bin ich nicht mehr der, der ich eben noch war oder der öffentlich wahrgenommen wird, sondern dort heißt es einfach: "Schatz, gut dass du da bist, könntest du bitte den Müll rausbringen." (lacht) Und zack bin ich wieder Rick Richard Horatio, der da gemeint und gefordert ist.

Ist es nicht schwer, aus einer Rolle, die man mag, wieder herauszuschlüpfen?

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Schlüpft von einer Rolle in die andere und ist zu Hause einfach nur der Rick.

(Foto: Nicole Giesa )

Mir fällt es leicht, aus einer Rolle wieder herauszukommen, was sicherlich an meinem stabilen Umfeld liegt. Ich habe Frau, Familie, Freunde, die mich als Menschen einfach sehen und schätzen, und die mich vor allem nie vom Teppich abheben lassen würden. Ich darf ja tatsächlich so viele Rollen spielen, nicht nur bei Jim Knopf. Das ist das, was den Beruf des Schauspielers so unglaublich reizvoll macht - dass man sich ausprobieren kann und man im Idealfall nicht in eine Schublade gesteckt wird.

Wir kennen Sie als äußerst vielseitigen Schauspieler ...

Ich habe das Glück, im Radio, im Fernsehen, live auf der Bühne, im Synchronstudio und für die große Kinoleinwand arbeiten zu dürfen. Damit komme ich meiner Wunschvorstellung im Hinblick auf Vielseitigkeit schon sehr nahe. Ich lasse mich aber immer gerne von Rollen herausfordern, die neu für mich sind.

Waren Sie schon als Kind so witzig?

Als Schüler war ich noch nicht mal der Klassenclown - eher im Gegenteil, ich wollte Kinderarzt werden.

Was ist das Wichtigste für Sie beim Drehen?

Vertrauen. Für mich hat die Arbeit an einem Film viel mit Vertrauen zu tun. Meinen Maskenbildner Georg Korpas beispielsweise kenne ich seit 24 Jahren, den Produzenten Christian Becker erlebe ich zum vierten Mal in dieser Funktion, Dennis Gansel - darüber brauche ich eigentlich nichts zu sagen, es ist einfach toll, mit ihm zu arbeiten. Es sieht am Ende ja lustig aus - hoffentlich - in so einem Film, und leicht, aber es ist manchmal gar nicht so einfach, das so aussehen zu lassen. Und da hilft es natürlich, ein Top-Team um sich herum zu haben, die alle den einen Wunsch haben: Kinder und Kino-Publikum zu unterhalten. Dafür häng' ich mich rein und freu' mich sehr, wenn es aufgeht. Das ist das, was mich antreibt.

Ein Abend mit Rick Kavanian sieht wie aus?

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Kavanian, Herbig und Christian Tramitz - irgendwie Familie.

(Foto: Warner Bros. Ent. / herbX film)

Ich brauche den Ausgleich zwischen Beruf und privat - ich liebe es, gefordert zu werden, aber zu Hause brauche ich meine Ruhe. Rotwein. Ab und an eine Zigarre, aber selten. Ich bin auch sehr gerne im Wald. (spricht wie Pavel Pipowitsch und Bronko Kulitschka aus der "Bully-Parade") Ich schätze Gemütlitschkeit, Herzlitschkeit und Vertraulitschkeit.

Und ein idealer Nachmittag?

Da mach' ich Yoga. Dieses Runteratmen brauche ich als Ausgleich zu "Dimitri", "Pavel", der Wilden 13, das bringt mich absolut auf den Teppich, erdet mich. Im Wald und beim Yoga kann ich mich auf mich konzentrieren, Augen zu, Augen auf, Atmung, herrlich. Meine Lieblingsstellung ist übrigens immer die am Schluss, die Leichenhaltung, wenn man nichts mehr machen muss, nichts mehr zuckt, einfach nur da liegt und mit sich im Flow ist.

Apropos im Flow - wie war der Dreh? Man hörte ja nur Gutes.

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Jim, Frau Waas, der Scheinriese Tur Tur (Milan Peschel), der König und Herr Ärmel - eine liebenswerte Truppe.

(Foto: Warner Bros.)

Der Dreh in Kapstadt war natürlich ein Traum. Alles vor Corona, und alles so bunt und vielfältig. Das geht bei den so unterschiedlichen Menschen los, über die vielen Sprachen, und endet bei der Umgebung, in der wir waren. Ich liebe diese internationale Vielfalt und Kreativität, und das Gefühl, am Ende etwas gemeinsam hinbekommen zu haben, das ist wirklich großartig.

Ein paar Worte zum Schriftsteller Michael Ende, dem Schöpfer von Figuren mit so wunderbaren Namen wie "König Alfons der Viertel-vor-Zwölfte", "Oberbonze Pi Pa Po" oder auch "Sursulapitschi" ...

Der Film ist deswegen natürlich so gut, weil der Buch-Autor Michael Ende ein Visionär war! Er hatte eine unvergleichliche Fantasie. Dass er schon vor so langen Jahren über Figuren geschrieben hat, die unterschiedliche Hautfarben haben, alle auf Augenhöhe sind, sympathisch rüberkommen, das ist einmalig. Ich meine, der Drache ist letztendlich nett, der Riese nicht riesig, der König kann kochen - das ist alles so lieb, so warm, das ist ehrlich gesagt groundbreaking! Wir brauchen solche Figuren! Vor allem in der jetzigen Zeit brauchen wir etwas, das solch eine Wärme ausstrahlt.

Sie in der Vielfach-Rolle der Piraten, Ihr Freund Michael Bully Herbig verleiht dem Drachen Nepomuk seine unverwechselbare Stimme. Sie arbeiten gerne zusammen, oder?

Ja, schon immer. Aber das Tolle an Bully und mir ist, dass wir uns auch richtig die Meinung sagen können. Wir sind so eng, und bringen dennoch nie Freundschaft und Arbeit durcheinander. Wir haben ein tief fundiertes Verhältnis, wir sind Familie.

Rick Kavanian ist demnächst auch mit "Drachenreiter" und "Boandlkramer" im Kino zu sehen, ab dem 1. Oktober ist er in "Jim Knopf und die Wilde 13" zu sehen.

Mit Rick Kavanian sprach Sabine Oelmann

Quelle: ntv.de