Musik

Je oller, je doller Bryan Adams schwingt die Rock-Keule

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Bryan Adams beim "Kaaboo Cayman Festival" am 15. Februar 2019 auf den Cayman-Inseln.

(Foto: imago/ZUMA Press)

Bryan Adams feiert in diesem Jahr seinen 60. Geburtstag. Hört man ihm das an? Nicht wirklich. Auf seinem neuen Album "Shine A Light" rockt und rollt der Kanadier wie in den guten alten Zeiten.

Bryan Adams hat in vier Jahrzehnten mehr als 100 Millionen Tonträger unters Volk gebracht, jede Arena dieser Welt mindestens einmal ausverkauft und mit Leuten zusammengearbeitet, die die meisten Hier-und-jetzt-Popstars nur aus Geschichtsbuch-Erzählungen kennen (Tina Turner, Barbra Streisand, Kiss, Sting, Rod Stewart).

Der Schmuse-Rocker mit dem röhrenden Timbre muss eigentlich keinem mehr etwas beweisen. Und doch juckt es ihn immer wieder in den Fingern, zuletzt im Spätherbst 2017, als er nochmal alle seine Klassiker in einen Topf warf und mit den beiden neuen Tracks "Ultimate Love" und "Please Stay" allen Grummlern zeigte, dass er es immer noch draufhat.

Ein kantiger Rock’n’Roll-Bausatz

Knapp zwei Jahre später geht die musikalische Reise von Bryan Adams weiter. Diesmal mit im Gepäck: Zwei grenzwertige Tralala-Nummern ("That's How Strong Our Love Is", "Shine A Light") mit prominenter Beteiligung (Jennifer Lopez, Ed Sheeran) und ein kantiger Rock'n'Roll-Bausatz, der zusammengesetzt und aufgepumpt Erinnerungen an Zeiten weckt, in denen Bryan Adams noch "Reckless" unterwegs war und im zerrissenen Jeans-Outfit vom "Summer of 69" träumte.

Irgendwo zwischen "Zurück in die Zukunft"-Gedenk-Vibes und energiegeladenem "Highway To Hell"-Groove hin und her pendelnd, markiert der 59-jährige Kanadier ein paar satte Genre-Ausrufezeichen, die man ihm gar nicht mehr zugetraut hätte.

Grüße in Richtung Francis Rossi und Angus Young

Eine rotzige Springsteen-meets-The-Gaslight-Anthem-Hommage ("Part Friday Night Part Sunday Morning"), Grüße in Richtung Francis Rossi ("Driving Under The Influence Of Love") und Angus Young ("All Or Nothing") sowie lebensbejahender Trucker-Bluesrock ("No Time For Love"): Bryan Adams hat im Mittelteil seines neuen Albums so ziemlich alles am Start, was ihn Mitte der Achtziger aufs AOR-Podest (Adult Orientated Rock) katapultierte.

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Bei so viel Feuer in der Buxe verzeiht man auch das eine oder andere trantütige Folk-Pop-Fettnäpfchen ("The Last Night On Earth", "Nobody's Girl") und austauschbare Ich-kann-auch-zeitgemäß-poppen-Kollaborationen mit Vorzeige-Alleinunterhalter Ed Sheeran und Latino-Queen Jennifer Lopez.

"Shine A Light" ist vielleicht nicht das beste Album von Bryan Adams. Die alten Kanten wie "Cuts Like A Knife" und "Reckless" haben da doch noch ein bisschen mehr zu bieten. Aber vergleicht man das neue Album mit den doch eher belanglosen Outputs der letzten 20 Jahre, klatscht der Freund handgemachter Klänge nach diesen 35 Minuten hier definitiv lautstark in die Hände. Well done, alter Mann!

Quelle: n-tv.de

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