Musik

Kings of Leon wieder da Könige ohne Königreich

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Die Kings of Leon sind wieder da, wenn auch anders als von vielen erhofft.

(Foto: Sony Music)

Nach knapp fünf Jahren Pause lassen es die Kings Of Leon auf ihrem Comeback-Album "When You See Yourself" endlich wieder krachen! So oder so ähnlich sollte es dieser Tage überall zu lesen sein. Doch die Realität sieht leider anders aus.

Auf der Suche nach neuen Rock-Dinosauriern zieht Kiss-Legende Gene Simmons ein ernüchterndes Resümee: "Rock is dead!", poltert der Bassist mit der langen Zunge. Und ja, mag sein, dass rebellierende Nachfolgecombos von Bands wie AC/DC, U2, Kiss und Co. nicht gerade wie Pilze aus dem Boden schießen. Aber ganz so düster sind die Branchenprognosen nun auch wieder nicht.

Anhänger von energiegeladenem 70s-Rock der Marke Led Zeppelin dürfen sich in Kürze über das zweite Album der Schlaghosenhoffnung Greta van Fleet freuen. Freunde des breitbeinigen Stadionrocks feiern seit vier Wochen das neue Foo-Fighters-Meisterwerk "Medicine At Midnight". Und für all die Leute, die nicht ganz so viel Distortion vertragen, aber trotzdem gerne mit Löchern in den Jeans zur Arbeit pilgern, liegt jetzt das neue Studiowerk der Kings Of Leon auf dem Tisch.

Enttäuschte Frühjubler

Die Arenakönige aus Nashville haben sich für ihren "Walls"-Nachfolger knapp fünf Jahre Zeit gelassen. Eingefleischte und ungeduldig hin und her hüpfende Fans sollten aber nicht zu früh jubeln. Mit gespitzten Ohren auf neuerliche Über-Hits à la "Use Somebody" und "Sex On Fire" hoffend, zuckt der Fan der ersten Stunde eher etwas enttäuscht mit den Schultern.

Die neuen Tracks der Followill-Bruderschaft fallen nicht mit der Tür ins Haus. Schon die vorab veröffentlichten Appetizer-Singles "The Bandit", "100.000 People" und "Echoing" tun sich beim Überwinden der Hit-Hürde hörbar schwer.

Nun muss nicht jeder Song aus dem Hause Kings Of Leon zwingend ein Ohrwurm sein. Songs wie die bereits erwähnten "Use Somebody" und "Sex On Fire" schreibt man nicht am Fließband. Und dennoch ist da immer eine ganz besondere Erwartungshaltung präsent, wenn ein neues Schaffen aus dem Hause Kings Of Leon vorliegt.

Zu schwere Erwartungslast

Leider kann auch der Rest des Albums, das den vermeintlich reflektierenden Titel "When You See Yourself" trägt, die schwere Erwartungslast nicht stemmen. Zwar erinnern fundamentale Strukturen und immer wiederkehrende Songwriting-Kniffe an all das, was die Band im Spätsommer 2008 erfolgstechnisch geradezu explodieren ließ. Aber so richtig markante Vierminüter, die sich vom Einheitsbrei der derzeitigen Rocklandschaft abheben, sucht man auf Studioalbum Nummer acht vergebens.

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Noch am ehesten an alte Glanzzeiten erinnern das basslastige "Stormy Weathers", der in Richtung Bono und The Edge schielende Opener "When You See Yourself, Are You Far Away" und der auf warmen Soundwellen reitende Roadtrip-Begleiter "Golden Restless Age". Davor, dazwischen und danach irrt das sich produktionstechnisch an alte U2-Werke orientierende Familienunternehmen durch ein musikalisch eher unaufgeregtes Klanglabyrinth - stets auf der Suche nach der erlösenden Hook und dem alles durchbrechenden Chorus.

Dann eben Dave und Greta

Das Tor ins Freie bleibt leider verschlossen. Während sich draußen in den großen Arenen mehr und mehr Jünger von ihren einstigen Heroen abwenden, sitzt irgendwo in den Hügeln von Beverly Hills ein faltiger Urzeit-Rock'n'Roller grinsend am Pool und spricht aus, was kein Freund von handgemachter Musik hören will: "Rock is dead!", schallt über Dächer, Wälder und Wiesen. Ach komm, Gene. Freu dich auf die neue Scheibe von Greta Van Fleet und triff dich auf einen Kaffee mit Dave Grohl. Von wegen tot …

"When You See Yourself" ist ab dem 5. März verfügbar.

Quelle: ntv.de

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