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"Tatort - Wo ist Mike?" Wo die Liebe hinfällt

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Kein leichter Fall für Felix Voss (Fabian Hinrichs) und Paula Ringelhahn (Dagmar Manzel).

(Foto: BR/Claussen+Putz Filmproduktion GmbH/Marc Reimann)

Ein verschwundenes Kind, ein verstörter Teenager, zerstrittene Eltern, eine Freundin, die es gar nicht gibt - und eine Kommissarin, die sich unglücklich verliebt. In diesem "Tatort" ist ein Happy End ausgeschlossen. Dennoch läuft in Franken einiges besser als anderswo.

Vor fast genau sechs Jahren nahmen Paula Ringelhahn (Dagmar Manzel) und Felix Voss (Fabian Hinrichs) ihren Dienst im Frankenland auf. Schon der erste Fall, "Der Himmel ist ein Platz auf Erden", kündete von der kurzen Distanz zwischen Liebe und Verrat, zwischen Nähe und Abkehr. Ein Universitätsprofessor war in seinem Auto erschossen worden, beim Liebesspiel, wie es so schön heißt, in einem Waldstück bei Nürnberg. Zuletzt hatte es Babs Sprenger, eine erfolgreiche Geschäftsfrau, erwischt. "Die Nacht gehört dir", der Titel des Falls, spielte in der Welt der Datingportale, auch hier keine Garantie auf ein romantisches Happy End, ganz im Gegenteil.

Im Fall um den kleinen Mike, der unbemerkt verschwindet, steht nun Paula Ringelhahn selbst im Bannkreis Amors und bekommt die volle Breitseite. Eben noch ist der Lehrer Rolf Glawogger (Sylvester Groth) ihr Lover, der nach einer augenscheinlich leidenschaftlichen Nacht bestens gelaunt das gemeinsame Frühstück zubereitet. Kurze Zeit später findet Ringelhahn den toten Jungen im Keller von Glawogger, zudem stellt sich heraus, dass ihn zwei Schüler wegen sexueller Belästigung angezeigt haben.

Was im Kontext anderer "Tatort"-Teams jedoch schnell zur plakativ ausgespielten Tragödie werden könnte, ist bei den Franken-Kommissaren ganz anders verortet. Während zwischen Köln und Berlin, München, Münster und Kiel der Flachs blüht, der Ton oftmals über Gebühr rau ist, herrscht beim Team mit Ringelhahn und Voss, Goldwasser und Fleischer ein empathischer Grundton, der fast unüblich scheint.

Kein Platz für Egoismus und Neurosen

"Egoismus und Neurosen haben in diesem Team keinen Platz. Wenn Paula Ringelhahn in "Wo ist Mike?" ein ums andere Mal als liebender Mensch komplett zusammenbricht, ist Wanda da, die sie hält, ganz selbstverständlich zwischen zwei Frauen und ohne viele Worte, ebenso wie Felix, der Paula bedingungslos vertraut.", erläutert BR-Tatort Redaktionsleiterin Stephanie Heckner diesen ganz bewusst entwickelten Vibe. "Es gibt hier keinen Bruch zwischen privat und beruflich. Der gemeinsame Fall treibt das Handeln aller voran, und bei aller Schwärze und Härte dessen, was darin passiert, dominiert doch ihre Menschenfreundlichkeit, in der Art, wie sie den Fall lösen und wie sie als Team füreinander einstehen."

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Drehbuchautor Thomas Wendrich ergänzt: "Dabei müssen die Ermittler schmerzlich begreifen, dass vieles nicht ist, wie es scheint, dass aber im Erkennen des Scheins die Lösung des Problems liegen kann. Sowohl Paula als auch Felix entdecken dabei Seiten an sich, die ihnen noch nicht bewusst waren. Beide schöpfen daraus Kraft und Erkenntnis für die Lösung des Falls und für ihr Leben. Dabei reicht es am Ende nicht, die Wahrheit zu kennen. Sie muss auch stimmen."

Eine Wahrheit, die in diesem Fall stimmt: Mit "Wo ist Mike?" begibt sich der "Tatort" wieder einmal in alle erdenklichen zwischenmenschlichen Abgründe. Wo die Liebe hinfällt, da bleibt sie auch hier meistens erschöpft liegen. Im Gegensatz zum dicken Pinsel, mit dem andernorts jedoch der dunkle Farbton des menschlichen Miteinanders aufgetragen wird, gibt es im Frankenland immer noch Hoffnung. Wie Voss am Ende zum jungen Titus hinaufschaut, der an einem der Fenster der Klinik steht, oder auch Ringelhahns stiller Versuch, doch noch einmal mit Glawogger ins Gespräch zu kommen - das atmet unverstellten Optimismus und Empathie. Alles andere als ein Happy End im klassischen Sinne, aber eben auch kein alles verschlingender letzter Vorhang.

Quelle: ntv.de

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