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"Tatort" mit Jan Josef Liefers Boerne again

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Prof. Karl-Friedrich Boerne (Jan Josef Liefers) kniet nieder vor seiner Assistentin Silke Haller (ChrisTine Urspruch). Ob er sie für #allesdichtmachen um Verzeihung bittet?

(Foto: WDR/Martin Valentin Menke)

"Rhythm and Love" gab sich am Sonntagabend alle Mühe, den kontroversen Corona-Alltag vergessen zu lassen. Ein Gedanke, den wohl so einige Fernsehzuschauer am Ende der Liefers-Festspielwoche gehabt haben dürften: Endlich hat der Mann wieder ein Drehbuch!

In puncto Timing kann man den Senderverantwortlichen nun wirklich keinen Vorwurf machen: Vor zehn Tagen rauschte die Aktion #allesdichtmachen in hiesige Diskussionsschleifen. Im Minutentakt wurde im Anschluss angeprangert, angemahnt, angeklagt, reagiert, ramponiert, revidiert. Während Kollegen wie Meret Becker ihre Videos zurückzogen, einer wie Ulrich Tukur dagegen im klassischen "Don't explain. Don't excuse"-Modus verharrte, zog es Jan Josef Liefers unter der Woche in die von ihm noch mit massig Tongue in Cheek als gleichgeschaltet verballhornten Medien. Selbsterklärung und Motivationsäußerung waren das Ziel des Schauspielers und Sängers.

Wie abhängig man als Mime auch vom Cast und vom Script, von der Besetzung und vom Drehbuch ist, konnte man noch am Donnerstagabend bei Maybrit Illner erleben. Mit Tschentscher, Palmer, Kubicki und Liefers auf der einen, Mai Thi Nguyen-Kim auf der anderen Seite ein Ensemble, wie von zynischen Schimpansen zusammengewürfelt, der Erhellungsfaktor jenseits der chronisch wohltuend aufgeräumten Nguyen-Kim bei einstelligen Lux-Werten.

Drei Tage nach der Causa Illner nun also back to Kerngeschäft, vom Homevideo-Setting zurück auf die öffentlich-rechtliche Krimi-Bühne, "Rhythm and Love" statt "Zeter und Zoff". Und es traf sich ausnehmend gut, dass der von Autorin Elke Schuch ersonnene Fall sich fernab vom Alltag bewegte und nicht etwa, wie so oft in den letzten Monaten, ein gesellschaftlich aktuell angelehnter Fall auf dem Tapet lag. Nicht auszudenken, wenn Boerne/Liefers nun auch noch in der tatörtlichen Parallelwelt vermeintlich realpolitische Schlaumeieren zum Besten hätte geben müssen.

Stattdessen durfte sich sein Alter Ego, fast programmatisch eigentlich, in der Hippie-Kommune Erlenhof, dem Schauplatz des Geschehens, den ganzen Alltagsfrust von der Seele trommeln. Tantra-Tam-Tam, freie Liebe und ordentlich Haschduft in der Luft - 'alle dicht', statt 'alles dicht machen', die Devise auf Liefers' angestammten Hometurf, dem "Tatort"-Set.

Wobei, einmal ruckelte die Matrix dann doch, kamen sich Fakt und Fiktion zumindest drei, vier Rotweinschoppen-Längen nahe. Im Film ist es ein anstehender Plagiatsprozess, der Boerne in Existenzängste bringt, das nahende Karriere-Ende vor Augen. Im wirklichen Leben hatte Rundfunkrat Garrelt Duin in einem fiebrigen Twitter-Tremor die Verbannung der allesdichtmachenden "Tatort"-Schauspielerinnen und Schauspieler gefordert, war später jedoch zurückgerudert.

So endet die Liefers-Woche im Fadenkreuz des "Tatort". Liefers ist erst einmal wieder Boerne. Nach Super League und #allesdichtmachen schon jetzt die hoch spannende Frage, welche medial geschmückte Sau als Nächstes durchs Dorf gejagt wird. Kollegin Meret Becker hat noch ein wenig länger Zeit, sie sehen wir erst in einem Monat wieder. In "Tatort - Die dritte Haut" geht es am 6. Juni um Berliner Mietenwahnsinn, am kommenden Wochenende sind Fellner und Eisner erst einmal in Wien im Einsatz.

Quelle: ntv.de

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