Panorama

Falsche Listen erschweren Suche Erneut Corona-Ausbruch in Berliner Kneipe

Tresen.jpg

Innerhalb weniger Tage wurden in Berlin zwei Gaststätten zu Corona-Hotspots.

(Foto: imago images/Seeliger)

Mindestens 18 Menschen stecken sich in einer Gaststätte in Berlin-Neukölln mit Covid-19 an, mehr als 70 stehen bereits unter Quarantäne. Es könnte noch wesentlich mehr Infizierte geben, das Gesundheitsamt sucht 41 Gäste der Kneipe. Wegen falscher Personalangaben sind sie aber nicht zu finden.

Nur wenige Tage nachdem sich in einem überfüllten Großraum-Restaurant in Berlin-Mitte mindestens 13 Gäste mit Covid-19 infiziert haben, meldet die Hauptstadt den nächsten Corona-Ausbruch in einer Gaststätte, diesmal im Bezirk Neukölln. Und auch in diesem Fall haben sich offenbar weder Betreiber noch Besucher an die geltenden Regeln gehalten.

Schlampige Listen, falsche Angaben

Der Pressemitteilung des Bezirksamts zufolge haben sich im "Brauhaus Neulich" zwischen dem 16. und 18. Juli mindestens 18 Gäste mit dem Coronavirus angesteckt. 68 Besucher und sieben Beschäftigte der Kneipe stehen inzwischen unter Quarantäne, aber es müssten noch deutlich mehr sein. Denn das Gesundheitsamt kann 41 Gäste nicht ausfindig machen, die sich am 16. Juli im "Brauhaus Neulich" aufhielten, weil sie in den Anwesenheitslisten falsche oder unvollständige Angaben gemacht haben.

Zudem gäbe es Anhaltspunkte dafür, dass in der Gaststätte die verpflichtende Anwesenheitsdokumentation nicht zu jedem Zeitpunkt ordentlich geführt worden sei, schreibt das Bezirksamt. "Es muss daher davon ausgegangen werden, dass weitere Gäste bisher unerkannt geblieben sind. Das Bezirksamt Neukölln prüft in diesem Zusammenhang die Einleitung eines Ordnungswidrigkeitsverfahrens."

Berlin hat ein Problem

Überraschend ist der zweite Corona-Hotspot in einer Berliner Gaststätte innerhalb weniger Tage nicht, denn wahrscheinlich halten sich viele Bars und Restaurants der Hauptstadt nicht an die Regeln, zahlreiche Gäste betrachten die Anwesenheitslisten als lästig oder lehnen sie aus vermeintlichen Datenschutzgründen ab. So haben TV-Bilder vom Nachtleben ohne Rücksicht auf Abstands- und Hygieneregeln in Berlin-Mitte wohl nur die Spitze des Eisbergs gezeigt. Und die illegale Party mit rund 3000 Teilnehmern in der Neuköllner Hasenheide war auch nicht der erste Exzess in diesem oder einem anderen Berliner Park.

Politik appelliert an Verantwortungsbewusstsein

Ausbaden müssen dies am Ende nicht nur Gastronomen, die sich an die Regeln halten, oder überlastete Gesundheitsämter. "Eine Kontaktverfolgung infizierter Personen und damit die weitere verlässliche Eindämmung der Pandemie in unserer Stadt ist nur mit einer vollständigen und wahrheitsgemäßen Anwesenheitsdokumentation möglich. Jeder Gastwirt aber auch jeder Gast trägt dafür eine Verantwortung", sagt der Berliner Gesundheitsstadtrat Falko Liecke. "Wer diese Verantwortung nicht ernst nimmt, trägt eine Mitschuld an der weiteren Verbreitung der Infektion, an möglicherweise schweren Krankheitsverläufen und an möglicherweise erneuten tiefen Einschnitten in unser aller Freiheit durch neue harte Eindämmungsmaßnahmen."

Quelle: ntv.de, kwe