Panorama

Betrüger nutzen Knappheit aus Vorsicht beim Selbsttest-Kauf im Internet!

Corona Selbsttest.jpg

Für Selbsttests genügt ein Abstrich im vorderen Nasenbereich.

(Foto: picture alliance / dpa-tmn)

Weil es in Geschäften noch so gut wie keine Corona-Selbsttests zu kaufen gibt, versuchen viele Menschen, sie online zu besorgen. Doch auch hier können Händler nicht zaubern. Und hinter verlockenden Angeboten stecken oft Betrüger, die nur kassieren, aber nicht liefern.

Viele haben sich lange vor Ladenöffnung schon früh morgens angestellt, aber nur wenige haben die ersten Corona-Selbsttests ergattern können, die Aldi am Samstag im Angebot hatte. Auch sonst haben Kunden derzeit schlechte Karten, wenn sie im Einzelhandel danach suchen. Andere Discounter und Supermärkte haben bisher nur für die kommenden Tage und Wochen angekündigt, demnächst Laien-Schnelltests ins Sortiment aufzunehmen. Ähnlich sieht es bei Drogeriemärkten aus, Apotheken führen sie auch noch nicht. Ungeduldige versuchen deshalb, Selbsttests im Internet zu kaufen. Das kann allerdings ins Auge gehen, denn Betrüger versuchen mit der Knappheit schnelles Geld zu verdienen.

Dass es zugelassenen Schnelltests online zu kaufen gibt, die im Einzelhandel praktisch noch gar nicht zu haben sind, ist schon verdächtig. Denn die Knappheit besteht ja nicht, weil die Läden unfähig wären, für Nachschub zu sorgen. Die Hersteller können einfach noch nicht so viel liefern, wie nachgefragt wird. Wenn also ein Online-Shop angibt, einen der begehrten Laien-Schnelltests verfügbar zu haben, sollte man sehr vorsichtig sein.

Schwierige Unterscheidung

Das heißt aber nicht unbedingt, dass die angebotenen Tests nichts taugen oder Fakes sind. Denn man findet in Online-Shops relativ häufig Antigen-Schnelltests, die nur für den professionellen Einsatz vorgesehen sind, aber jeder kaufen kann. Und was die Sache besonders verwirrend macht: Sie unterscheiden sich nicht unbedingt von den zugelassenen Selbsttests, sondern sind im Prinzip das gleiche Produkt.

Der Unterschied zwischen Profi- und Laien-Test besteht oft nur in der speziellen Gebrauchsanweisung, die besonders verständlich ist und Normal-Nutzer umfassend aufklärt - und die findet man gelegentlich im Internet. Insofern könnte man sagen, es ist kein Problem, normale Schnelltests zu kaufen, wenn man dazu die Anleitung für den Heimgebrauch herunterlädt. Man kann sich aber nie sicher sein, ob nicht doch entscheidende Komponenten unterschiedlich sind.

Noch wenige zugelassene Selbsttests

Bisher hat das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) sieben Schnelltests zur Eigenanwendung durch Laien eine Sonderzulassung erteilt:

- CLINITEST Rapid COVID-19 Self-Test von Healgen Scientific LLC
- Rapid SARS-CoV-2 Antigen Test Card von Xiamen Boson Biotech Co., Ltd
- LYHER Covid-19 Antigen Schnelltest (Nasal) von Hangzhou Laihe Biotech Ltd., Co.
- SARS-CoV-2 Rapid Antigen Test von SD BIOSENSOR, INC.
- AMP Rapid Test SARS-CoV-2 Ag von AMEDA Labordiagnostik GmbH
- Coronavirus (2019-nCoV)-Antigentest von Beijing Hotgen Biotech Co., Ltd
- AESKU.RAPID SARS-CoV-2 von Aesku.Diagnostics GmbH & Co. KG

Egal, ob ein echter Selbsttest oder ein Profi-Test als Laien-Heimtest angeboten wird, muss man derzeit sehr misstrauisch sein. Denn die Gefahr, auf ein Fake-Angebot hereinzufallen, ist groß. Eine beliebte Vorgehensweise von Kriminellen sei dabei, Sicherheitslücken in Webseiten von Unternehmen, Vereinen oder Privatpersonen zu nutzen, indem sie dort eine Weiterleitung zu ihrem Fake-Shop hinterlegten, sagt Peter Mayer vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Die Betreiber bekämen davon meist nichts mit, da die Betrüger lediglich den Namen und damit die Sichtbarkeit der Webseite in Suchmaschinen nutzten.

Shop ganz genau prüfen

Aber auch wenn man ganz normal im Browser nach Antigen-Schnelltests sucht, findet man zahlreiche Angebote, die auf den ersten Blick seriös wirken. Deshalb sei es besonders wichtig, den Shop gründlich unter die Lupe zu nehmen, so Weber. Er nennt vier Merkmale, bei denen die Alarmglocken schrillen sollten:

  • Der Anbieter hat keine weiteren ähnlichen Produkte im Angebot und Corona-Tests heben sich völlig vom übrigen Sortiment ab.

  • Der Shop bietet als Zahlungsmittel ausschließlich Vorauskasse oder Zahlung per Kreditkarte an.

  • Bei einem Anbieter sind Schnelltests wesentlich günstiger als bei allen anderen.

  • Der Shop gibt kein Impressum an oder die angegebenen Kontaktdaten sind nicht erreichbar.

Mehr zum Thema

Ein Indiz dafür, dass ein Shop vertrauenswürdig ist, könnten Gütesiegel wie das Trusted Shops-Label oder das s@fer-shopping-Siegel des TÜV SÜD sein, sagt Weber. Die Initiative D21 nennt als weitere vertrauenswürdige Siegel-Anbieter die Trusted Shops GmbH, die Datenschutz Cert GmbH (internet privacy standard) und Eurolabel Deutschland (EHI Geprüfter Online-Shop).

"Aber auch hier ist Vorsicht geboten", warnt Mayer. "Betrüger können die Siegel einfach kopieren oder eigene Siegel erfinden, um Seriosität vorzutäuschen." Um sich zu vergewissern, dass ein Siegel gültig ist, empfiehlt D21, das hinterlegte Zertifikat zu überprüfen. Dazu klickt man auf das Siegels selbst oder ein spezieller Link führt dorthin. Ist kein Zertifikat hinterlegt, sei Vorsicht geboten, schreibt D21. "Hier sollte umgehend der Siegelanbieter informiert werden."

Quelle: ntv.de, kwe

ntv.de Dienste
Software
ntv Tipp
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.