Politik

"Symbole der Hamas" im Visier Israel weitet Gaza-Angriffe aus

Als Reaktion auf den Dauerbeschuss aus Gaza hat Israel bereits ein Hochhaus zerstört, das von militanten Palästinensern genutzt wurde. Nun wird weitere Infrastruktur der Hamas angegriffen. Derweil senden die USA ihren Nahost-Spitzendiplomaten, um zu vermitteln.

Nach massiven Raketenangriffen militanter Palästinenser im Gazastreifen hat Israels Sicherheitskabinett eine Ausweitung des Militäreinsatzes gegen die dort herrschende Hamas beschlossen. Die Armee solle gezielt "Symbole der Hamas-Herrschaft" in dem Palästinensergebiet angreifen, berichtete der Sender Kanal 12 am Mittwochabend. Medienberichten zufolge wurden das Finanzministerium im Herzen der Stadt Gaza sowie eine Bank der Hamas zerstört.

Das Militär teilte mit, Kampfflugzeuge hätten eine Reihe strategisch wichtiger Gebäude sowie ein Marinekommando der Hamas angegriffen. Die Angriffe auf Terrorziele würden fortgesetzt. Kurz darauf wurde in Tel Aviv am frühen Donnerstagmorgen erneut Raketenalarm ausgelöst. Es war mindestens eine Explosion zu hören. Auch im Norden des Landes soll es Raketenalarm gegeben haben.

Schon am Mittwochabend hatten militante Palästinenser Dutzende Raketen auf israelische Städte geschossen, darunter Aschdod und Aschkelon an der Mittelmeerküste. Auch im Großraum Tel Aviv heulten Warnsirenen. In der Grenzstadt Sderot wurde ein Fünfjähriger beim Einschlag einer Rakete tödlich verletzt.

Sechs Tote in Israel, 65 Tote in Gaza

Seit Montagabend beschießen militante Palästinenser Israel massiv mit Raketen, es sind bereits weit über tausend Geschosse abgefeuert worden. Dabei sind bislang sechs Menschen getötet und mehr als 200 weitere verletzt worden. Israels Armee reagiert darauf nach eigenen Angaben mit dem umfangreichsten Bombardement seit dem Gaza-Krieg von 2014. Das Gesundheitsministerium in Gaza bezifferte die Zahl der Toten auf 65, mehrere Hundert Menschen wurden verletzt.

Am Mittwoch zerstörten israelische Kampfflugzeuge ein weiteres Hochhaus in Gaza. In dem 14-stöckigen Gebäude hatten nach israelischen Angaben sowohl die islamistische Hamas als auch der militante Islamische Dschihad Büros. Allerdings gab es auch Cafés und Geschäfte in dem Haus. Videos zeigten, wie es nach dem Angriff einstürzte.

Die Hamas feuerte nach eigenen Angaben als Reaktion 130 Raketen auf die israelischen Orte Aschkelon, Sderot und Netivot. Israels Luftwaffe hatte zuvor auch das Haus eines ranghohen Mitglieds der islamistischen Hamas zerstört. Das Gebäude diente demnach als Waffenlager. Außerdem tötete Israel bei Angriffen mehrere hochrangige Vertreter der Hamas. "Das ist erst der Anfang - Wir werden ihnen Schläge versetzen, die sie sich niemals erträumt haben", sagte Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu dazu am Mittwoch in einem Krankenhaus in Cholon.

Verteidigungsminister rechnet mit längerem Militäreinsatz

Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu lehnt eine Waffenruhe zu diesem Zeitpunkt ab. Inzwischen hat US-Präsident Joe Biden mit Netanjahu telefoniert. Der US-Präsident habe seine unerschütterliche Unterstützung für Israels Sicherheit und für Israels legitimes Recht, sich selbst und sein Volk zu verteidigen", zum Ausdruck gebracht, hieß es vom Weißen Haus. Biden äußerte die Hoffnung, dass die Gewalt bald gestoppt werden könne.

Netanjahus Büro erklärte, der Premierminister habe Biden in dem Gespräch für die amerikanische Unterstützung des israelischen Rechts auf Selbstverteidigung gedankt. Netanjahu habe auch angekündigt, "dass Israel weiterhin Maßnahmen ergreifen werde, um die militärischen Fähigkeiten der Hamas und der anderen im Gazastreifen operierenden Terrororganisationen anzugreifen". Auf Twitter schrieb er: "Wir werden keine Anarchie akzeptieren." Es müsse die Sicherheit und Ruhe wiederhergestellt werden, "die wir alle verdienen".

Zuvor hatte auch US-Außenminister Antony Blinken die Raketenangriffe der "Terrororganisation Hamas" aus dem Gazastreifen auf israelische Zivilisten auf das Schärfste verurteilt. "Die Palästinenser haben ein Recht darauf, in Sicherheit zu leben. Und das Wichtigste ist jetzt, die Gewalt einzudämmen", sagte Blinken. Der Außenminister hat inzwischen den zuständigen Spitzendiplomaten Hady Amr gebeten, umgehend in die Region zu reisen und sich mit Vertretern beider Seiten zu treffen. Amr werde auch in Bidens Namen auf eine Deeskalation drängen. Auch Unterhändler Ägyptens, Katars und der Vereinten Nationen bemühen sich nach Medienberichten um eine Beruhigung. Blinken fügte hinzu, die USA seien weiterhin einer Zweistaatenlösung verpflichtet. "Diese Gewalt bringt uns weiter weg von diesem Ziel."

Vereinte Nationen warnen vor großem Krieg

International wächst die Besorgnis über die Eskalation des Konflikts. Verteidigungsminister Benny Gantz stimmte die Bürger auf einen längeren Militäreinsatz ein. Die Vereinten Nationen warnten den UN-Sicherheitsrat laut Diplomaten vor einem großen Krieg. Die USA haben eine gemeinsame Stellungnahme des mächtigsten UN-Gremiums am Mittwoch zunächst blockiert.

Dafür forderten europäische Länder des UN-Sicherheitsrats ein Ende der Gewalt. "Wir fordern alle Akteure dringend auf, Spannungen abzubauen, Gewalt zu beenden und äußerste Zurückhaltung zu zeigen", sagte der estnische UN-Botschafter Sven Jürgenson in einer Stellungnahme Estlands, Frankreichs, Irlands und Norwegens am Mittwoch nach der Dringlichkeitssitzung des mächtigsten UN-Gremiums in New York.

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Bundesaußenminister Heiko Maas warnte vor einer Ausweitung des Konflikts auf weitere Teile der Region. Er bezeichnete den Abschuss von mehr als 1000 Raketen aus dem Gazastreifen auf Israel am Mittwochabend in einem ZDF-"Spezial" als absolut inakzeptabel und als Grundlage dafür, dass Israel von seinem Recht auf Selbstverteidigung Gebrauch mache.

Die Gewalt zwischen Israel und den Palästinensern schwappt derweil immer mehr auch auf arabische Ortschaften im israelischen Kernland über. Zwischen jüdischen und arabischen Israelis kam es am Mittwoch in den Städten Lod, Akko, Bat Jam, Haifa und Tiberias zu außergewöhnlich schweren Konfrontationen. Präsident Reuven Rivlin warnte im israelischen Fernsehen vor einem "Bürgerkrieg" und rief beide Seiten eindringlich zur Mäßigung auf.

Quelle: ntv.de, ino/dpa

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