Politik

Corona-Rückkehr "mit Macht" Söder will Flug-, Bahn- und Autoreisende testen

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Ankommen, testen, weiterreisen: So stellt sich Söder den Flugverkehr in Corona-Zeiten vor.

(Foto: picture alliance/dpa)

Bayerns Ministerpräsident befürchtet einen Corona-Anstieg durch Auslandsreisende. Er will deshalb eine Testpflicht an deutschen Flughäfen und freiwillige Teststationen nahe Pkw-Grenzübergängen und Bahnhöfen einrichten. Nach dem Ausbruch in Mamming sollen auch alle Erntehelfer getestet werden

Die ersten Urlauber sind schon zurück aus der Ferienzeit, in Bayern haben die Schulferien gerade begonnen. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder erwartet deshalb eine zunehmende Einschleppung des Corona-Virus aus Risikogebieten im Ausland. Das Virus kehre "schleichend zurück, aber mit aller Macht", sagte der CSU-Chef. Rückkehrer sollen deshalb systematisch getestet werden, freiwillig und zum Teil auch verpflichtend, fordert er.

"Wir brauchen verpflichtende Tests an Flughäfen unbedingt - verpflichtend aber auch kostenlos", sagte Söder. Zusätzlich zu den noch freiwilligen Teststationen an Flughäfen soll es weitere für Pkw- und Bahn-Reisende geben, die aus dem Ausland kommen: an den Autobahnen im Bereich Walserberg, Pocking und Kiefersfelden - alles Grenzübergänge zu Österreich - sowie an den Hauptbahnhöfen in München und Nürnberg. Die Teststationen stünden auch Menschen offen, die nicht in Bayern wohnen. Sein Land wolle "Amtshilfe leisten" für den Rest der Republik, sagte Söder.

"Sorgen" über Freizeitverhalten

Söder appellierte an den Bund, über das Infektionsschutzgesetz die Rechtsgrundlage für verpflichtende Coronatests zu geben. Sobald das rechtliche Okay komme, werde Bayern an den Flughäfen Rückkehrer aus Risikogebieten verpflichtend testen. Diese Pflicht müsse "so schnell wie möglich" kommen, forderte Söder. Bayern werde nun alles organisatorisch vorbereiten, um bei einer entsprechenden Regelung des Bundes direkt mit Pflichttests anfangen zu können.

Söder sagte, er mache sich "große Sorgen" wegen der Rückkehrer aus dem Urlaub. Die Menschen zeigten derzeit gerade im privaten Rahmen eine große Sorglosigkeit. Während in Alten- und Pflegeheimen, dem öffentlichen Personennahverkehr und dem Einzelhandel die Situation unter Kontrolle sei, werde etwa bei privaten Feiern jede Vorsicht vergessen.

"In Geschäften und im ÖPNV klappt alles, da droht ehrlich gesagt kein Lockdown", sagte Söder und appellierte ausdrücklich an jüngere Menschen: "Natürlich sind Party und Freizeitaktivitäten wichtig, aber wir bitten ausdrücklich um Vernunft.

Alle Erntehelfer durchtesten

Auch aus dem Corona-Ausbruch unter Erntehelfern in Mamming will Söder Konsequenzen ziehen: "Alle Saisonarbeiter werden durchgetestet", sagte Söder. Landwirtschaftsbetriebe würden künftig in kürzeren Intervallen und unangekündigt überprüft von Teams aus den Gesundheitsämtern, Landwirtschaftsämtern und dem Arbeitsschutz. Der Strafrahmen für Verstöße gegen Hygienevorschriften werde auf 25.000 Euro verfünffacht.

Sollte der Ausbruch im Betrieb in Mamming begrenzt bleiben, werde die Quarantäne-Pflicht und der Lockdown auf den Betrieb begrenzt bleiben, sagte Söder. Auf dem großen Gemüsebauernhof im Landkreis Dingolfing-Landau sind mehr als 170 Erntehelfer bei einer Reihenuntersuchung positiv auf das Coronavirus Sars-CoV-2 getestet worden. Fast 500 Menschen stehen dort nun unter Quarantäne und dürfen den Betrieb nicht mehr verlassen.

Quelle: ntv.de, shu/dpa/AFP