Politik

Der Kriegstag im Überblick Ukraine gibt Lyssytschansk auf - Türkei setzt russischen Getreidefrachter fest

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Ein ukrainischer Soldat spricht mit im Keller verschanzten Frauen in Lyssytschansk. Am Abend verkündet Kiew den Rückzug aus der Stadt.

(Foto: picture alliance/dpa/AP)

Die Großstadt Lyssytschansk ist gefallen, die ukrainischen Soldaten ziehen ab. Beide Kriegsparteien melden, dass ukrainisches Militär Stellungen in der besetzte Stadt Melitopol bombardiert. Während ein russischer Frachter mit womöglich gestohlenem Getreide in der Türkei festsitzt, wirft der Kreml dem Westen Kriegstreiberei vor. Der 129. Kriegstag im Überblick.

Kiew meldet Abzug aus Lyssytschansk

Die ukrainischen Streitkräfte mussten nach eigenen Angaben aus der Stadt Lyssytschansk abziehen. Eine weitere Verteidigung der Stadt hätte fatale Konsequenzen gehabt, teilte die Militärführung der Ukraine mit. Um das Leben der ukrainischen Soldaten zu retten, sei die Entscheidung zum Abzug getroffen worden. Lyssytschansk war die letzte ukrainische Festung in der Provinz Luhansk. Der Generalstab verwies in seiner Erklärung auf die zahlenmäßige und materielle Überlegenheit der russischen Armee. Das russische Verteidigungsministerium hatte zuvor erklärt, mit der Einnahme der strategisch wichtigen Stadt sei die gesamte Donbass-Region Luhansk "befreit" worden. Die ukrainische Armee hatte dies zunächst dementiert.

Ukraine greift russische Stellungen in Melitopol an

Aus der russisch-besetzten Stadt Melitopol im Süden der Ukraine wurden ukrainische Angriffe gemeldet. Der im Exil lebende Bürgermeister, Iwan Fjodorow, teilte in einer auf seinem Telegram-Kanal verbreiteten Videoansprache mit, ukrainische Truppen hätten einen russischen Stützpunkt in der Stadt mehr als 30 Mal getroffen. Die russische Militärverwaltung der Stadt bestätigte den Angriff auf Melitopol. Ihren Angaben nach wurden mehrere Wohnhäuser durch den Beschuss mit Raketenwerfern beschädigt. Zudem sei ein Zug beschossen worden, der Lebensmittel von der Krim in die Stadt gebracht habe.

Türkei setzt russischen Getreidefrachter fest

Die Türkei setzte nach Angaben der Ukraine ein unter russischer Flagge fahrendes Schiff mit ukrainischem Getreide fest. Die türkischen Behörden kooperierten umfassend mit der ukrainischen Seite, teilte der ukrainische Botschafter in der Türkei, Wassyl Bodnar, auf Twitter mit. Reuters-Reporter sahen, wie der Frachter "Zhibek Zholy" rund einen Kilometer vor dem türkischen Hafen von Karasu vor Anker ging.

Bodnar schrieb, die Behörden wollen am Montag über ihr Vorgehen entscheiden. Stellungnahmen von türkischer und russischer Seite lagen zunächst nicht vor. Die Ukraine vermutet den illegalen Export von russischen Besatzern gestohlenen Getreides und hatte deshalb von türkischen Behörden die Untersuchung des Frachters verlangt.

Moskau: Ukraine beschießt russisches Grenzgebiet

Die Regierung in Moskau beschuldigte die Ukraine, die russische Grenzstadt Belgorod mit Raketen angegriffen zu haben. Die russische Raketenabwehr habe "drei von ukrainischen Nationalisten auf Belgorod abgefeuerte Raketen" abgefangen, erklärt ein Sprecher des Verteidigungsministeriums in Moskau. "Nach der Zerstörung der ukrainischen Raketen fielen Trümmer von einer von ihnen auf ein Haus." Die Zahl der Todesopfer soll unterdessen auf vier gestiegen sein, meldete der Gouverneur der Region. Vier weitere Menschen seien verletzt worden.

70 Diplomaten müssen Bulgarien verlassen

Unterdessen verließen 70 ausgewiesene russische Diplomaten zusammen mit ihren Familien in zwei Sonderflugzeugen die bulgarische Hauptstadt Sofia. Sie waren vom bulgarischen Außenministerium zu "unerwünschten Personen" erklärt worden. Russland drohte deshalb damit, seine Botschaft in Sofia komplett zu schließen, was innerhalb der Europäischen Union einmalig wäre.

Peskow: Westen verhindert Friedensverhandlungen

Der Kreml warf dem Westen vor, Friedensverhandlungen mit der Ukraine zu verhindern und den Krieg damit in die Länge zu ziehen. "Jetzt ist der Moment, wo die westlichen Länder alles auf eine Fortsetzung des Kriegs setzen", sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow im Staatsfernsehen. Unter Führung der USA erlaube der Westen den Ukrainern "weder an Frieden zu denken noch darüber zu reden oder ihn zu besprechen". Damit reagiert Peskow auf Äußerungen westlicher Politiker, die Ukraine nicht zu Verhandlungen drängen zu wollen. Derzeit gebe es offenbar keinen Bedarf an einer Befriedung der Lage, mutmaßte der Sprecher von Präsident Wladimir Putin.

Steinmeier: Kein Zwang auf die Ukraine

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sprach sich dagegen aus, die Ukraine zu Verhandlungen über ein Ende des russischen Angriffskrieges zu drängen. Steinmeier sagt im ZDF: "Die Ukraine muss ihre Souveränität, muss ihre territoriale Integrität, muss ihre Unabhängigkeit wiedergewinnen." Offen sei die Frage, wie dieser Krieg und das Blutvergießen beendet werden können. Derzeit sehe es so aus, dass die Entscheidung auf dem Schlachtfeld gesucht werde. Die Erfahrung zeige aber, dass jeder Krieg am Ende am Verhandlungstisch beendet werde. Die Schlussfolgerung daraus sei: "Wir müssen die Ukraine in eine Lage versetzen, in der sie etwas zu verhandeln hat, indem wir sie stark machen, bevor Verhandlungen beginnen."

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Quelle: ntv.de, mau/dpa/rts

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