Politik

Kiew bestreitet Berichte Schoigu vermeldet völlige Kontrolle über Luhansk

Seit Tagen ist Lyssytschansk heftig umkämpft. Nun meldet Moskau: Man habe die Stadt eingenommen - und kontrolliere das ganze Gebiet Luhansk. Die Ukraine widerspricht prompt. Lyssytschansk sei nicht komplett von Russen kontrolliert und der Donbass nicht verloren. Aber die Lage sei "sehr intensiv".

Russland hat nach Angaben von Verteidigungsminister Sergei Schoigu die Stadt Lyssytschansk im Osten der Ukraine eingenommen. Damit habe man auch die völlige Kontrolle über das Gebiet Luhansk, meldete Schoigu nach einem Bericht der Agentur Interfax an Präsident Wladimir Putin. Luhansk bildet zusammen mit der Region Donezk den Donbass. Die russische Offensive konzentrierte sich in den vergangenen Wochen vor allem darauf, den Donbass komplett unter russische Kontrolle zu bringen.

Die Ukraine widersprach allerdings den russischen Angaben, wonach Lyssytschansk von Russland erobert worden sei. Die Stadt stehe nicht unter vollständiger russischer Kontrolle, sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums in Kiew dem britischen Sender BBC. Die Situation sei seit einiger Zeit jedoch "sehr intensiv", russische Truppen griffen die Stadt permanent an. "Für Ukrainer hat der Wert menschlichen Lebens oberste Priorität", sagte der Sprecher weiter. "Deshalb könnten wir uns manchmal aus gewissen Gebieten zurückziehen, um sie in der Zukunft zurückzuerobern."

Der ukrainische Ministeriumssprecher sagte zudem, der Donbass sei nicht verloren, selbst wenn Russland ganz Luhansk erobere. Es gebe dort weitere große Städte, vor allem im Gebiet Donezk, die unter ukrainischer Kontrolle seien. "Diese Städte waren in den vergangenen Tagen Ziel schwerer Raketenangriffe und von Artilleriebeschuss. Aber der Kampf um den Donbass ist noch nicht vorbei." In Lyssytschansk lebten vor Beginn des Kriegs mehr als 100.000 Menschen. Die Nachbarstadt Sjewjerodonezk hatte Russland zuvor schon erobert.

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Laut dem ukrainischen Generalstabsbericht gab es zudem russische Angriffe in Richtung Charkiw und Slowjansk. In beide Richtungen seien die russischen Attacken zurückgeschlagen worden. In Richtung Bachmut, einem wichtigen Verkehrsknotenpunkt im Gebiet Donezk, halten die Kämpfe hingegen an. Gleiches gilt für Spartak, eine Vorortsiedlung von Donezk, die die russischen Truppen zu stürmen versuchen. Im Süden der Ukraine sei die Siedlung Iwaniwka, die die ukrainischen Truppen am Vortag im Gebiet Cherson erobert hätten, schweren russischen Luftangriffen ausgesetzt. Zudem würde das Gebiet Mykolajiw von Raketen beschossen. Die Berichte aus dem Kriegsgebiet lassen sich unabhängig derzeit kaum überprüfen.

Dutzende Explosionen von Melitopol

Außerdem wurde die von russischen Truppen besetzte Großstadt Melitopol im Süden der Ukraine in der Nacht von Dutzenden Explosionen erschüttert. Mehr als 30 Geschosse seien auf einen der vier russischen Militärstützpunkte in der Stadt abgefeuert worden, teilte der ukrainische Bürgermeister von Melitopol, Iwan Fjodorow, auf seinem Telegram-Kanal mit. Der Stützpunkt sei damit außer Gefecht gesetzt worden.

Laut Fjodorow wurden Militärgerät und mehrere Treibstofflager getroffen. Daher hielten die Explosionen auch Stunden nach den Angriffen noch an. In den sozialen Netzwerken tauchten Bilder und Videos auf, die Rauchwolken über der Stadt zeigen. Zugleich wurde bekannt, dass die Ein- und Ausfahrten aus der Stadt gesperrt wurden. Nach Aussagen Fjodorows wurde zudem ein russischer Zug zum Entgleisen gebracht. Dieser habe Nachschub für die russischen Besatzer in die Stadt bringen sollen.

Die russische Militärverwaltung der Stadt bestätigte am Morgen den Angriff auf Melitopol. Ihren Angaben nach wurden mehrere Wohnhäuser durch den Beschuss mit Raketenwerfern beschädigt. Zudem sei ein Zug beschossen worden, der Lebensmittel von der Krim in die Stadt gebracht habe.

(Dieser Artikel wurde am Sonntag, 03. Juli 2022 erstmals veröffentlicht.)

Quelle: ntv.de, ghö/dpa

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