Ratgeber

Prüfung der Kreditwürdigkeit Mehr Rechte beim Scoring

Verbraucher sollen mehr Rechte bei der Beurteilung ihrer Kreditwürdigkeit mittels anonymer Datenabgleiche bekommen. Das Bundeskabinett brachte am Mittwoch einen Gesetzentwurf auf den Weg, um für mehr Transparenz beim Einsatz des sogenannten Scoring-Verfahrens zu sorgen. Damit trage die Regierung der Tatsache Rechnung, dass Kreditgeschäfte immer anonymer abgewickelt würden, sagte Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble in Berlin. Verbraucher bekämen häufig mit Verweis auf statistische Berechnungen kein Darlehen und könnten die Hintergründe nicht nachvollziehen. Dies solle sich ändern. Opposition und Datenschützern geht die Novelle nicht weit genug.

Grundlage des Scorings sind Datensammlungen von Auskunfteien über Privatpersonen und Firmen. Informationen wie Wohnort, Beruf oder Autobesitz werden statistisch hochgerechnet, um das Ausfallrisiko eines Kredites zu bestimmen. Vor allem Banken, Telefonanbieter und Versandhändler bedienen sich zunehmend dieser Methode, um die Bonität neuer Kunden zu überprüfen.

Kabinett will Transparenz

Damit die Verbraucher dem Scoring-Verfahren nicht hilflos ausgeliefert sind, will das Kabinett ihre Auskunftsrechte stärken. Kunden sollen Anspruch auf eine Erklärung darüber bekommen, mit welchen Daten eine Einstufung zustande gekommen ist. So sollen sie die Möglichkeit erhalten, Fehler zu korrigieren und Missverständnisse aufzuklären. Außerdem muss für Beschwerden ein Ansprechpartner zur Verfügung stehen, der Verbraucher darf nicht mit einer reinen Computerprüfung abgefertigt werden. Voraussetzung ist auch, dass das Scoring nach anerkannten wissenschaftlichen Standards betrieben wird.

Der Entwurf legt fest, welche Daten an Auskunfteien übermittelt werden dürfen. Banken etwa sollen Informationen über kreditbezogene Geschäfte ihrer Kunden künftig grundsätzlich weitergeben dürfen. Abhängig von der Zustimmung des Bundestages könnte das Gesetz zum Januar 2010 in Kraft treten.

Kunden ohne Chance

Deutschlands oberster Datenschützer Peter Schaar forderte eine weitergehende Regelung, um Missbrauch zu verhindern. Ein negativer Eintrag bei einer Auskunftei könne dazu führen, dass jemand keine Wohnung finde oder keine Versicherung erhalte. Die Bonität eines Kunden werde ohne Informationen über Zahlungsverhalten sowie Vermögensverhältnisse bewertet. Der Betroffene habe keine Chance, die Beurteilung durch sein eigenes Verhalten zu beeinflussen.

Scharfe Kritik kam auch aus der Opposition. "Nach dem Willen der großen Koalition bestimmt künftig der Stadtteil, in dem ich wohne, darüber, ob und zu welchen Konditionen ich Verträge abschließen kann", rügte die Grünen-Innenexpertin Silke Stokar. Wer in einer "Risiko-Zone" mit Armen und Migranten wohne, müsse höhere Zinsen bezahlen oder werde vom Kauf gegen Rechnung ausgeschlossen. Die FDP sprach von einer verschenkten Chance für einen modernen Datenschutz.

Quelle: n-tv.de

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