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Ärger mit den Nachbarn Wie laut darf es werden?

Ist der Lärm aus der Nachbarwohnung nur noch mit Kopfhörern zu ertragen, sollten sich Mieter an ihren Vermieter wenden. Foto: Kai Remmers

Ist der Lärm aus der Nachbarwohnung nur noch mit Kopfhörern zu ertragen, sollten sich Mieter an ihren Vermieter wenden. Foto: Kai Remmers

Nächtliches Duschen, tobende Kinder, bellende Hunde oder gründliches Staubsaugen - was für den einen ganz selbstverständlich ist, empfindet der andere als empfindliche Ruhestörung. Doch welcher Lärm ist eigentlich vertretbar in einem Mehrfamilienhaus?

Alles Gute kommt von oben, sagt ein Sprichwort. Wer in einem Mehrfamilienhaus wohnt, dürfte das allerdings anders sehen. Zumindest, wenn er laute Nachbarn hat. Dabei müssen die noch nicht einmal herumschreien, Geige üben oder die Bohrmaschine anwerfen. Um anderen Mietern auf die Nerven zu gehen, kann es schon reichen, sich ganz normal in der Wohnung zu bewegen. Wer Stühle über den Holzfußboden rückt oder auf Straßenschuhen herumläuft, der muss damit rechnen, dass das in der Wohnung darunter zu hören ist. Doch kann man überhaupt verlangen, dass sich die Nachbarn geräuschlos verhalten?

Das kommt auf die Tageszeit an, sagt Rechtsanwalt Alexander Bredereck. Oft sind die Ruhezeiten im Mietvertrag oder der Hausordnung geregelt, ansonsten greifen die Immissionsschutzgesetze der Bundesländer. Allen gemeinsam: An Sonn- und Feiertagen darf es nicht zu laut werden und generell herrscht ab 22 Uhr Nachtruhe, entweder bis 6 oder bis 7 Uhr früh. In Mietverträgen ist zusätzlich oft noch eine Mittagsruhe zwischen 12 und 14 Uhr vorgeschrieben. "Innerhalb dieser Ruhezeiten muss man sich in der Wohnung so verhalten, dass keine Geräusche zum Nachbarn dringen", so Bredereck. Ansonsten darf es in der Wohnung auch lauter werden, solange sich die Geräusche in "normalem" Rahmen bewegen.

Viele Richter, viele Meinungen

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Wann und wie lange ein Hund bellen darf, darüber herrscht bei den Gerichten keine Einigkeit.

(Foto: picture alliance / dpa)

Die Krux dabei: Was "normal" ist, regelt kein Gesetz. Orientierung bieten allenfalls Gerichtsentscheidungen - doch die gelten in aller Reg el nur für den jeweiligen Fall. "Die meisten Nachbarschaftsstreitigkeiten werden vor Amtsgerichten ausgetragen, Grundsatzentscheidungen sind deshalb die Ausnahme", weiß der Fachanwalt. Eine solche Grundsatzentscheidung hat der Bundesgerichtshof für Singen und Musizieren getroffen. Das ist außerhalb der Ruhezeiten grundsätzlich in Ordnung. Zwei Stunden am Tag werden in der Regel akzeptiert. Muss jedoch ein Pianist acht Stunden täglich üben, so sucht er sich dafür besser andere Räume.  

Doch nicht immer ist die Rechtslage so eindeutig. Hat beispielsweise ein Gericht in Nordrhein-Westfalen entschieden, dass ein Grillfreund vier Mal im Jahr zum Barbecue bitten darf, so sieht man das in Bayern oder Sachsen vielleicht ganz anders. Noch vertrackter ist die Sache mit der Tierhaltung. Hier gehen die Urteile stark auseinander: Was der eine Richter für vertretbar hält, ist für den anderen völlig inakzeptabel. Sicher ist nur: Wer in ein Haus zieht, in dem Hunde gehalten werden, der muss auch damit rechnen, dass diese bellen.

Wer sich von Kinderlärm gestört fühlt, der kann ohnehin wenig ausrichten. Egal, ob weinende Babys oder tobende Kleinkinder: "Wer dagegen juristisch vorgehen will, wird von Anwälten normalerweise wieder weggeschickt - die Erfolgsaussichten sind zu gering", berichtet Bredereck aus der Praxis. Im Fall von gewerblicher Kinderbetreuung - etwa durch eine Tagesmutter - können aber Grenzen gesetzt werden, wie der BGH im letzten Jahr klargestellt hat.

Nachts muss Ruhe sein

Auch während der Nachtruhe muss man gegenüber Nachbarn mit Kindern etwas toleranter sein. Ansonsten sind die Regeln für die Zeit ab 22 Uhr aber streng: Alles, was außerhalb der eigenen vier Wände zu hören ist, ist zu unterlassen. Zumindest dann, wenn der Lärm vermeidbar ist. Man wird dem Nachbarn also nicht verbieten können, nachts die Klospülung zu betätigen oder zu duschen, wenn er von der Spätschicht kommt. Staubsaugen oder die Waschmaschine anwerfen ist aber nicht drin - auch nicht, wenn man viel arbeitet und sonst keine Zeit hat. Solche Tätigkeiten kann man dann vielleicht auf den Sonntag legen, sie zählen zu den normalen Wohngeräuschen und sind daher nicht verboten. Hier sollte man einfach die Vernunft walten lassen, rät Bredereck: "Wer Sonntags saugen will, kann das tun, sollte das aber nicht unbedingt früh um 7 erledigen."

Innerhalb der Ruhezeiten muss der Mieter hingegen alles unternehmen, um Lärm zu vermeiden. Wer in einem hellhörigen Haus lebt, darf dann beispielsweise nicht mehr mit Straßenschuhen über den Holzfußboden stampfen. Auch kann von Mietern verlangt werden, Stuhlbeine mit Filzgleitern auszustatten, damit Nachbarn nicht gestört werden.

Allerdings kann niemand von seinen Nachbarn erwarten, dass diese durch die Wohnung schweben. Wer in eine Altbauwohnung mit Dielenböden zieht, muss damit rechnen, dass der obere Mieter auch welche hat und beim Herumlaufen zu hören ist. Bei Neubauten oder kernsanierten Altbauten gelten aber deutlich strengere Anforderungen, was die Trittschalldämmung angeht. Dringen trotzdem zu viele Geräusche durch, kann man dafür auch den Vermieter zur Verantwortung ziehen. Das gilt auch für den Ruhestörer, der seine Wohnung nicht in normalem Maß nutzen kann, ohne die Nachbarn zu belästigen. Hier können beide Parteien unter Umständen die Miete mindern. Anders liegt der Fall, wenn man die Verschlechterung selbst herbeigeführt hat. Wurde die Wohnung beispielsweise mit Teppichboden vermietet und der Mieter legt stattdessen Laminat, dann muss er auch dafür sorgen, dass es leise bleibt.

Quelle: n-tv.de

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