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Sportvideos für die Quarantäne Wie Ali im "Rumble in the Jungle" aufersteht

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Der Treffer von Muhammad Ali saß.

(Foto: imago/UPI Photo)

Der Live-Sport steht still, die Coronavirus-Krise stoppt die Ligen, Wettkämpfe sind abgesagt. Auf Sport aus dem TV muss trotzdem niemand verzichten, es gibt ja Aufzeichnungen von historischen Ereignissen. Heute: Wie Muhammad Ali im wohl größten Boxkampf aller Zeiten seinen Gegner auf die Matte schickte.

Am 30. Oktober 1974 versammelten sich 100.000 Menschen im Stade du 20 Mai in Kinshasa, damals Zaire. Während es draußen bei 30 Grad und 90 Prozent Luftfeuchtigkeit kaum auszuhalten war, heizte sich auch die Stimmung drinnen immer weiter auf. Alle waren gekommen, um den Kampf des Jahres, oder wie knapp 45 Jahre später klar ist, den Kampf des Jahrhunderts zu sehen. Der amtierende 25-jährige Weltmeister in Topform, George Foreman, der Mann aus dem Ghetto, zu dem Zeitpunkt seit 40 Kämpfen ungeschlagen, gegen den sieben Jahre älteren Ex-Weltmeister und Box-Ikone Muhammad Ali, "The Greatest of All Time", den berühmtesten Sportler des Jahrhunderts; aber einer, der den Höhepunkt seiner Karriere damals bereits überschritten hatte. Das Duell der Generationen also, bei dem der Ausgang klar schien, bei dem jedoch das Ende zu einer Legende wurde.

"Ali, boma ye!" war von den Tribünen zu hören, das Publikum flippte förmlich aus. "Ali, töte ihn!" Füße trampelten auf den Stadionboden, die Menschen brüllten Alis Namen immer und immer wieder, als könnten sie mit ihren Stimmen selbst den jungen Gegner ihres Idols zu Boden bringen. Doch der Kampf entwickelte sich in eine andere Richtung: Foreman wurde seiner Favoritenrolle mehr als gerecht, prügelte minutenlang auf Ali ein, schickte ihn immer wieder in die Ringseile. Er landete einen Treffer nach dem nächsten, Runde für Runde. Von der berühmten Leichtigkeit Alis war nichts zu sehen. Er wand sich, wich schon fast gar nicht mehr aus. Der Kampf schien außer Kontrolle geraten zu sein, war schnell keine Begegnung auf Augenhöhe. Foreman sollte sterben, das schrien die Anhänger von Ali von den Rängen, doch dem Ende näher war er selbst.

Ali wollte fliegen wie ein Schmetterling

Der Kampf wurde von den Menschen, die ein Ticket ergattert hatten, genauso wie von Millionen Zuschauern vor den Fernsehbildschirmen auf der ganzen Welt sehnsüchtig erwartet. Zehn Millionen Dollar Preisgeld hatte Zaires Diktator Mobutu Sese Seko ausgerufen, die Euphorie war groß. Kein Wort wurde darüber verloren, dass der Gewaltherrscher in den Katakomben des Stadions seine politischen Gegner foltern ließ.

3:1 für Foreman lautete die Wettquote im Vorfeld des Kampfes. Alle rechneten mit einem schnellen K.-o. des haushohen Favoriten. Ali selbst gab sich gewohnt kämpferisch: "Ich werde fliegen wie ein Schmetterling und zustechen wie eine Biene", kündigte der extrovertierte und selten um Worte verlegene Boxer an. Muhammad Ali nutzte die Zeit vor dem Kampf, um sich volksnah zu zeigen und sein Image weiter aufzupolieren, sich gegen die weiße Elite der USA aufzulehnen. Mit dieser Strategie zog er schon zu den Hochzeiten seiner Box-Karriere die Herzen der Unterdrückten und Armen auf seine Seite. Und so kam es, dass auch die Mehrheit der 100.000 gekommenen Zuschauer Ali die Daumen drückte und den Weltmeister Foreman scheitern sehen wollte.

Doch im Kampf schien Ali zunächst chancenlos. Von den tänzelnden Bewegungen, die Ali so berühmt und erfolgreich gemacht hatten, war nichts zu sehen. "Das sind ja nur Tupfer", schrie Ali trotzdem seinem dominanten Gegner entgegen, nachdem er erneut einen heftigen Schlag eingesteckt hatte. Doch die Zuschauer spürten, dass Ali aus diesem "Rumble in the Jungle" vielleicht nicht als strahlender Sieger hervorgehen würde. Derweil provozierte Ali weiter: "Ist das alles, was du draufhast?", stichelte er in Richtung seines Kontrahenten.

Die entscheidende achte Runde

Der Kampf ging in die achte Runde. Und veränderte sich. Ali schaffte es zunehmend, die harten Schläge von Foreman verpuffen zu lassen, indem er sich in die Seile warf. Foreman selbst wurde müde, seine Treffer seltener. Plötzlich wachte der schon fast abgeschriebene Muhammad Ali auf und verpasste dem Weltmeister eine schnelle Links-Rechts-Kombination. Die Treffer saßen. Das Publikum war wieder da und schrie und trampelte und klatschte. Ein paar Schläge später wankte Foreman, taumelte nur noch. Ali setzte zu einem letzten Schlag an, hielt dann aber mitten in der Bewegung inne: Foreman sackte zusammen, ein weiterer Treffer war nicht nötig. Der haushohe Favorit lag geschlagen im Ring, mitten in der Nacht in Kinshasa. Um vier Uhr Ortszeit hatte der Kampf begonnen, damit die US-Zuschauer ihn zur besten Sendezeit empfolgen konnten.

"Ich wende mich heute an alle meine Kritiker und rufe ihnen entgegen: 'Ich bin immer noch der Größte aller Zeiten'", spuckte Ali im Interview später große Töne. Foreman liebäugelte noch Jahre später mit einer Wiederauflage des Fights, doch beide standen sich im Ring nie wieder gegenüber. Die Niederlage trieb Foreman in schwere Depressionen, habe ihm sein Selbstwertgefühl und seinen Stolz geraubt, erzählte er Jahre später in einem Interview. "Von Ali besiegt zu werden, war die größte Demütigung meines Lebens", erinnerte er sich. Trotzdem sind beide nach dem Kampf Freunde geworden. Und so schwärmte Foreman nach Alis Tod im Jahr 2016: "Ali war der spannendste, interessanteste Mensch, den ich kennengelernt habe. Ich hatte immer gedacht, er würde uns alle überleben. Schließlich ist er 'The Greatest'."

Quelle: ntv.de