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Sportmomente noch einmal erleben So begeisterten Ali, Becker, Bolt & Co.

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Boris Becker darf sich nach zehn langen Sätzen am Ende eines historischen Wochenendes feiern lassen.

(Foto: imago sportfotodienst)

Der Livesport steht still, die Coronavirus-Krise stoppt die Ligen, Wettkämpfe sind abgesagt. Auf Sport aus dem TV muss trotzdem niemand verzichten, schließlich gibt es Aufzeichnungen von historischen Ereignissen. Wir schreiben die schönsten, traurigsten, eindrücklichsten Momente auf und erleben sie noch einmal.

Kinshasa 1974: Wie Ali im "Rumble in the Jungle" aufersteht

Am 30. Oktober 1974 versammelten sich 100.000 Menschen im Stade du 20 Mai in Kinshasa. Alle waren gekommen, um den Kampf des Jahres, oder wie knapp 45 Jahre später klar ist, den Kampf des Jahrhunderts zu sehen. Der amtierende 25-jährige Weltmeister in Topform, George Foreman, zu dem Zeitpunkt seit 40 Kämpfen ungeschlagen, gegen den sieben Jahre älteren Ex-Weltmeister und Box-Ikone Muhammad Ali, "The Greatest of All Time", den berühmtesten Sportler des Jahrhunderts. Das Duell der Generationen also, bei dem der Ausgang klar schien, bei dem jedoch das Ende zu einer Legende wurde ...

Hartford 1987: Als Boris Becker den Krieg gewann

"The day is over!" Am Ende des größten und längsten Tages in der deutschen Davis-Cup-Geschichte steht ein eher profaner Rückhand-Volley, den Boris Becker morgens gegen halb sechs Uhr deutscher Zeit unerreichbar für seinen Gegner John McEnroe in die gewaltige Arena von Hartford platziert. "Der Tag ist rum", entfährt es den Kommentatoren schlicht, die eines der ganz großen Dramen des Tennis erklären mussten. Es war der 24. Juli 1987, Deutschland war im Abstiegsspiel aus der Davis-Cup-Weltgruppe nach zehn Sätzen mit 2:0-Siegen in Führung gegangen ...

Barcelona 1992: Tränen sind erlaubt, aufgeben nicht

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Endlich im Ziel: Derek und Jim Redmond.

"So schön das auch ist, am liebsten würde ich das alles hinter mir lassen und nicht nur dafür in Erinnerung bleiben." Das sagt Derek Redmond im Februar 1993. Knapp sechs Monate, nachdem er in Barcelona für einen der denkwürdigsten Momente in der Geschichte der Olympischen Spiele gesorgt hat. Und bis heute ist der britische Leichtathlet vor allem deshalb in Erinnerung geblieben, weil er sein 400-Meter-Rennen unter Tränen beendet. Und unter stehenden Ovationen des Publikums, die er selbst aber gar nicht mitbekommt: "Ich hatte keine Ahnung, bis ich das Video gesehen habe" ...

Andorra-Arcalis 1997: Ein Lügner fliegt in Deutschlands Herzen

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Jan Ullrich fährt 1997 in das Geschichtsbuch eines Sports, der damals schon kurz vor dem Abgrund steht.

Ein Nicken genügt, um Jan Ullrich in die Geschichtsbücher des Radsports zu schicken. Viele sengend heiße Stunden hatte sich das Feld am 15. Juli 1997 schon durch die Pyrenäen gekämpft, ein paar versprengte Ausreißer hielten sich noch vor der großen Gruppe der Favoriten mit dem Vorjahressieger Bjarne Riis vom Team Telekom, dem Franzosen Richard Virenque und Marco Pantani. Angeführt werden sie von Jan Ullrich, der in diesem Jahr noch seinem alternden Teamkollegen Riis zur Seite stehen soll, aber doch so offensichtlich stärker ist. Immer und immer wieder blickt sich Ullrich zu seinem leidenden Kapitän um ...

Barcelona 1999: Als der Bayern-Traum im Trauma endet

Dieser Schmerz vergeht wohl nie. Für Oliver Kahn ist diese eine Pleite sogar die "Mutter aller Niederlagen". Am 26. Mai 1999 verliert der FC Bayern München im Champions-League-Finale gegen Manchester United 1:2. Nicht irgendwie, sondern so dramatisch wie nur irgend möglich. Selbst das verlorene "Finale Dahoam" von 2012 kommt nicht dagegen an - und das war schon grausam. Sogar die Siegertrophäe ist schon in bayrischen Farben vorbereitet, so dominiert das Team des damaligen Bayern-Trainers Ottmar Hitzfeld die ersatzgeschwächten Engländer. Bis zur Nachspielzeit führen die Münchner mit 1:0 dank eines Freistoßtreffers von Mario Basler. Doch dann: "Das darf nicht wahr sein", ruft RTL-Kommentator Marcel Reif ...

Göteborg 2006: "Das ist ja wie Dieter Baumann!"

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Völlig entfesselt zieht Jan Fitschen der Konkurrenz auf der Zielgeraden davon.

(Foto: imago/Belga)

"Jan Fitschen gewinnt Gold!" Ein Satz, den selbst der Protagonist nicht bei einer Europameisterschaft erwartet hätte. Drei Titel hatte der Läufer im Jahr 2006 schon gewonnen - bei Deutschen Meisterschaften. Bei der Leichtathletik-EM in Göteburg hat ihn über 10.000 Meter niemand auf der Favoritenliste. Doch der damals 29-Jährige liefert am 8. August 2006 das Rennen seines Lebens. Dabei sieht es zunächst gar nicht danach aus. Die ARD-Kommentatoren Ralf Scholt und Willi Hark unterstellen ihm für einen kurzen Moment sogar ein kleines Tief. Fitschen aber hält wie der zweite deutsche Teilnehmer, André Pollmächer, immer den Anschluss an die Spitzengruppe. Und dann: "600 Meter vor Schluss war ich plötzlich Vierter, da habe ich gedacht: 'Das ist ein doofer Platz' ...

Peking 2008: Christopher Zeller trifft die goldene Ecke

"Wahnsinn, die Spanier hatten überhaupt keine Chance", sagte Torwart Max Weinhold und schrie: "Das ist total verrückt." Als der Schlusspfiff ertönte, flogen viele Schläger durch die Gegend, die Deutschen lagen sich in den Armen. Die Hockey-Auswahl von Bundestrainer Markus Weise hatte gerade olympisches Gold gewonnen. "Man muss Olympiasieger werden, damit sich die Leute in 20 Jahren noch an einen erinnern", meinte der Nürnberger Max Müller: "Genau das hatten wir uns heute vorgenommen" ...

Berlin 2009: Als Usain Bolt in die Ewigkeit läuft

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Eine Zeit wie aus einem Videospiel.

(Foto: imago sportfotodienst)

41 Schritte, mehr braucht Usain Bolt nicht. Zumindest nicht an diesem Sonntagabend, dem 16. August 2009. Im 100-Meter-Finale der Leichtathletik-Weltmeisterschaften fliegt der Jamaikaner zur Goldmedaille. Zwar stehen neben ihm noch sieben andere Athleten in diesem Endlauf, doch die große Bühne gehört alleine dem 1,95 Meter großen Ausnahme-Sprinter, der schon als 15-Jähriger U18-Weltmeister geworden war. Auf der vermeintlich langsamen blauen Bahn des Berliner Olympiastadions läuft Bolt in 9,58 Sekunden die 100 Meter so schnell wie noch niemand zuvor ...

Abu Dhabi 2010: Sebastian Vettel glaubt nicht, was er geschafft hat

"Okay Sebastian, gute Arbeit. Ich muss warten, bis alle über die Linie sind. Aber es sieht gut aus." Als Sebastian Vettel am 14. November 2010 beim Großen Preis von Abu Dhabi als Erster die Zielflagge sieht, fängt im Boxenfunk seines Red-Bull-Teams das große Zählen an. "Hamilton auf Position zwei, Button ist Dritter. Da kommen zwei weitere Autos. Rosberg ist Vierter, Kubica Fünfter." Und dann wird es laut: "DU BIST WELTMEISTER!" Die Antwort des neuen Formel-1-Weltmeisters fällt deutlich leiser aus ...

Miami 2011: Dirk Nowitzki weint lieber alleine

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Gut, dass sich Dirk Nowitzki doch wieder nach draußen gewagt hat. Sonst hätte er die Ehrung als wertvollster Spieler der NBA Finals verpasst.

(Foto: REUTERS)

"Eigentlich wollte ich für die Trophäe gar nicht wieder rauskommen, aber die Jungs haben mich überredet." Dirk Nowitzki hatte gerade den größten Triumph seiner Karriere errungen. Doch anstatt seinen Mitspielern um den Hals zu fallen, ergriff er am 12. Juni 2011 die Flucht. Während die letzten Sekunden der NBA Finals herunterlaufen und die anderen Dallas Mavericks ihre Hände in die Luft werfen, klettert Nowitzki über einen Tisch am Spielfeldrand. Als die Uhr auf Null springt und der Buzzer ertönt, ist der 2,13-Meter-Mann schon im Kabinengang angekommen. "Ich habe ein bisschen geweint, war ein bisschen emotional" ...

Belo Horizonte 2014: 11., 23., 24., 26., 29. - Das 7:1-Weltwunder

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Das wohl verrückteste Spiel der WM-Historie.

(Foto: imago/ActionPictures)

Beeindruckender als alle Tore, als die unglaubliche Dominanz der deutschen Nationalmannschaft im Spiel ist diese Szene: Die brasilianischen Zuschauer im Mineirão Stadion von Belo Horizonte stehen auf und applaudieren dem Gegner. Bei einem Halbfinale einer heimischen Weltmeisterschaft, von der das Land schon seit mehr als einem halben Jahrhundert geträumt hat. In einem Land, in dem Fußball Religion ist, wenn nicht noch mehr. Der beklatschte Gegner ist die DFB-Elf von Jogi Löw, die gerade in einem denkwürdigen Spiel kurz vor Schluss das 7:0 erzielt hat. Ein Spiel für das es nicht genug Superlative gibt, ein Denkmal, das eigentlich kaum in Wörter zu fassen ist...

Rio de Janeiro 2014: Schweinsteiger leidet sich zum WM-Titel

Selten hat ein letzter Ballkontakt ein Fußballspiel besser beschrieben als am 13. Juli 2014. Im Finale der Fußball-Weltmeisterschaft führt Deutschland gegen Argentinien mit 1:0, es läuft die 124. Minute. Die Südamerikaner versuchen es noch einmal mit einer hohen Hereingabe in die Mitte, doch Bastian Schweinsteiger ist zuerst am Ball. Er wirft seinen Körper in den Zweikampf, klärt mit dem Kopf in Richtung Mittellinie. Sekundenbruchteile später rauscht Argentiniens Javier Mascherano in den Rücken des deutschen Mittelfeldspielers. Schweinsteiger geht unter Schmerzen zu Boden, wie so oft an diesem Nachmittag in Rio de Janeiro ...

Berlin 2018: Gina bringt eine ganze EM ins Rollen

Was wäre Gina Lückenkemper wohl mit einem starken Start? Vielleicht Europameisterin. Die ganz persönliche Achillesferse der talentiertesten Sprinterin Deutschlands, die ihr schon manche Zehntelsekunde abgenommen und möglicherweise manchen Sieg gekostet hat, kommt ihr auch diesmal wieder in die Quere. Mit mehr als zwei Zehntel Reaktionszeit kommt Lückenkemper aus dem Startblock auf der blauen Tartanbahn im Berliner Olympiastadion. Alle anderen Sprinterinnen dieses Finallaufs der Europameisterschaft 2018 sind fünf Hundertstel schneller - in einem 100-Meter-Sprint ist das eine halbe Ewigkeit. Aber Gina wäre nicht Lückenkemper, wenn die Schwachstelle Start sie daran hindern würde, ein brettstarkes Rennen auf die Bahn zu bringen. Anfangs sieht es nicht gut aus auf der kurzen Laufstrecke ...

Doha 2019: Als Koko dem Rest der Welt davonläuft

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Klosterhalfen gegen Kenia: Bei der WM 2019 erläuft die damals 22-Jährige eine historische Bronzemedaille.

(Foto: REUTERS)

Bei diesem Rennen tritt Konstanze Klosterhalfen nicht nur gegen ihre Konkurrentinnen auf der Tartanbahn an. Sie läuft auch gegen ihre Erwartungen an sich selbst, gegen das Gerede, sie können mit der Weltspitze nicht mithalten und würde bei den ganz großen Rennen nicht abliefern können wie bei der WM 2017 als sie im Halbfinale über 1500 Meter ausschied und der EM 2018 als sie Vierte wurde. Und sie läuft gegen die Dopingsperre für den Chef ihrer Nike-Laufgruppe in den USA, Alberto Salazar, wodurch auch ihre Leistungen in der Öffentlichkeit immer wieder hinterfragt werden. "Koko" steht voll fokussiert am Start, die Augen weit aufgerissen. Das Feld der Gegnerinnen ist stark ...

Diese Liste wird wohl nie vollständig sein, zu viele große, kleine und beeindruckende Momente und Bilder liefert der Sport. Zumindest aber wird sie mit jeder neuen Folge fortlaufend aktualisiert.

Quelle: ntv.de, tsi