Formel1

"Weiß, dass ich mehr kann" Kritischer Vettel sorgt sich um Orientierung

Noch sechs Rennen muss Sebastian Vettel im Ferrari hinter sich bringen, dann darf er nach einer deprimierenden Saison in ein neues sportliches Leben starten. Bis dahin hat der vierfache Formel-1-Weltmeister aber noch ein bisschen was vor. Und Angst vor Orientierungsschwierigkeiten.

Sebastian Vettel hat sich vor dem Großen Preis von Portugal am Sonntag (14.10 Uhr/RTL und im Liveticker auf ntv.de) einsichtig und selbstkritisch gezeigt. "Der Ferrari ist in diesem Jahr schwer zu fahren, das sehen Charles (Leclerc, d. Red.) und ich beide so", sagte der viermalige Weltmeister in Portimao. "Aber Charles hat immer das Allerletzte aus dem Auto rausgeholt, ich habe dagegen nicht immer alles gezeigt, was ich kann."

Diesen Eindruck wolle er aber in den letzten sechs Saisonrennen, seinen letzten für Ferrari, unbedingt revidieren. "Zum Ende des Jahres möchte ich gerne wieder beweisen, was ich drauf habe", sagte Vettel. Auf dem portugiesischen Kurs, auf dem die Formel 1 zum ersten Mal gastiert, wird das aber erstmal kompliziert: "Ich war im Simulator, um zu verstehen, wo es links und rechts geht, damit ich morgen nicht in die falsche Richtung abbiege", kommentierte Vettel schmunzelnd im Gespräch mit ntv die anstehende Premiere.

Er wisse, "dass ich mehr kann". Das kurzfristige Ziel für die kommenden Rennen sei es, "meine Leistung zu steigern. Ich bin nicht zufrieden mit der Art und Weise, wie die letzten Rennen gelaufen seien." Aber natürlich sei es für ihn nicht so einfach, "weil es ja immer etwas anderes ist, wenn eine Liebesgeschichte endet".

Vettel wird Ferrari nach der Saison 2020 verlassen und ab dem kommenden Jahr für Aston Martin fahren. Beim Nachfolger von Racing Point wird der Heppenheimer Teamkollege des Kanadiers Lance Stroll, dessen milliardenschwerem Vater Lawrence der Rennstall gehört.

"Keiner verlernt, wie man schnell Auto fährt"

Ob Vettel in einem neuen Team nochmal befreit zu Erfolgen fahren wird, bezweifelt indes Formel-1-Legende Jackie Stewart: "Sebastian Vettel ist ein sehr netter Gentleman. Er hat eine wundervolle Karriere gehabt, aber ich persönlich würde es gerne sehen, wenn er zurücktritt und das macht, was ich mache", sagte Stewart, der seinen guten Namen als Botschafter und Ehrengast in der Formel 1 vermarktet. Dass Vettel, der Seriensieger von einst, noch einmal an die alten Erfolge anknüpfen kann, glaubt Stewart offenbar nicht.

Sein neuer Partner sieht das ganz anders: "Jeder weiß, was für ein guter Rennfahrer er ist. Keiner verlernt, wie man schnell Auto fährt. Du musst nur das richtige Auto und die richtigen Leute um dich herum haben, um deinen Job zu erledigen", sagte Technikchef Andy Green dem Fachmagazin "auto, motor und sport". "Da hat er offensichtlich gerade Probleme. Wir können ihm das bieten, was er braucht, um zu seiner alten Form zurückzukehren. Das ganze Team will ihn. Das wird er spüren."

Ab Januar legt Vettel bei seinem neuen Arbeitgeber los, auf Ruhestand hat der Heppenheimer noch keine Lust. Und vielleicht wird Vettel "dann wieder so gut, wie er einmal war, und macht diese Fehler nicht mehr", sagte RTL-Experte Nico Rosberg - der nach seinem WM-Titel 2016 sofort in Rente ging.

Quelle: ntv.de, ter/sid