"Ungerechter" Kaufrausch

4.120.000.000 Euro: England-Transfers lassen Bundesliga-Klubs wie Amateure aussehen

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Argentiniens Enzo Fernandez wurde zum teuersten Transfer des Sommers. (Foto: IMAGO/ZUMA Press)
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02.09.2026 | 18:44 Uhr
Mit ihren Transferausgaben liegt die Bundesliga im Liga-Ranking auf Rang drei. Über allen thront die stinkreiche Premier League, die fünfmal so viel wie die deutschen Klubs investiert. Zahlen und Grafiken zu einem unfassbaren Transfersommer.

Rund 782 Millionen Euro haben die Fußball-Bundesligisten in diesem Sommer laut "transfermarkt.de" insgesamt für neue Profis ausgegeben. Im Vergleich mit der englischen Premier League sind das allerdings nur Peanuts. Die beste Fußballliga der Welt schwebt finanziell weiterhin in schwindelerregenden Dimensionen und die längst riesige finanzielle Lücke scheint jedes Jahr größer zu werden.

Die schwerreichen Klubs von der Insel gaben in diesem Transfersommer unfassbare 4,12 Milliarden Euro für neue Spieler aus - mehr als fünfmal so viel wie die Bundesliga. Allein neun der zehn teuersten Einkäufe tätigten Manchester City, Liverpool und Co.

Die 18 deutschen Erstligisten investierten bis zum Transferschluss am Dienstagabend dagegen laut "transfermarkt.de" vergleichsweise "nur" rund 782 Millionen Euro in neue Stars. Der große Unterschied: Während die Bundesliga knapp 820 Millionen Euro einnahm und somit einen kleinen Überschuss erwirtschaftete, machte die Premier League satte 1,6 Milliarden Minus. 

Auch die Serie A, die die Bundesliga mit 1,16 Milliarden Euro an Ausgaben weit übertraf, kam auf ein Minus von rund 423 Millionen. Am meisten Geld floss in die Ligue 1 nach Frankreich: Die gab 600 Millionen aus, erzielte aber bei Einnahmen von 1,33 Milliarden ein dickes Plus von 730 Millionen Euro.

Bundesliga investiert weniger als im Vorsommer

Die Engländer befanden sich dagegen im völligen (Kauf-)Rausch. Für Ex-Nationalspieler Dietmar Hamann ist dies "der wilde Westen, das ist ungerecht. Wenn du einen Wettbewerb willst, dann brauchst du irgendwo Chancengleichheit", sagte er bei RTL/Sky.

Der Argentinier Enzo Fernandez wechselte kurz vor Transferschluss für angeblich 145 Millionen Euro von Chelsea zu Manchester City. Die Blues wiederum zahlten für Morgan Rogers 138 Millionen Euro an Aston Villa. Liverpool ließ sich Bradley Barcola von Paris Saint-Germain 135 Millionen kosten, ebenso viel überwies City für Elliot Anderson an Nottingham. Nur Real Madrid konnte da halbwegs mithalten: Die Königlichen leisteten sich Yan Diomande für 125 Millionen von RB Leipzig.

Die deutschen Erstligisten investierten fast 80 Millionen Euro weniger als im Rekord-Vorsommer. Am meisten investierte dank des Endspurts mit Moussa Diaby und Guela Doué Bayer Leverkusen mit letztlich 157 Millionen Euro. Dahinter folgen Borussia Dortmund mit 108,5 Millionen Euro und dann erst Branchenprimus Bayern mit 107 Millionen Euro.

Mit ihren Transferausgaben lag die Bundesliga im Liga-Ranking auf Rang drei. Die spanische La Liga machte ein Transferdefizit von knapp 260 Millionen Euro, obwohl sie mit 755 Millionen Euro etwas weniger Ausgaben hatte als die Bundesliga.

Die wichtigsten Transfers der Bundesliga

Ismael Saibari (von PSV Eindhoven zu Bayern München, Ablöse: 50 Millionen Euro)

Es war ein kluger Zug des deutschen Rekordmeisters, sich frühzeitig um den 25-Jährigen zu bemühen. So war der Klub längst in der Pole Position, als der Marokkaner bei der WM aller Welt zeigte, über welch vielseitige Fähigkeiten in der Offensive er verfügt. 50 Millionen Euro war den Bayern dessen Verpflichtung wert. Genauso viel Geld zahlten die Münchner für den deutschen Nationalspieler Nathaniel Brown, der von Eintracht Frankfurt kam und als Linksverteidiger, aber wie zuletzt auch als Zehner spielen kann.

Konstantinos Karetsas (von KRC Genk zu Borussia Dortmund, 30 Millionen Euro)

Gerade einmal 18 Jahre ist Konstantinos Karetsas alt - und seit Ende Juli doch der zweitteuerste Transfer in der Vereinsgeschichte des BVB. Unter Berücksichtigung von Bonuszahlungen legen die Westfalen 33 Millionen Euro für den Griechen hin. Teurer war einst nur Ousmane Dembélé. Den zweiten Part der vorgesehenen griechischen Zange hätte Giannis Konstantelias einnehmen sollen, der 23-Jährige kam für knapp 30 Millionen Euro von PAOK Saloniki. Dann erlitt er im ersten Bundesligaspiel gegen den HSV einen Kreuzbandriss - und fällt nun lange aus.

Rocco Reitz (von Borussia Mönchengladbach zu RB Leipzig, 20 Millionen Euro)

Auf den Jubel verzichtete Rocco Reitz nach seinem Premierentor für Leipzig - traf er beim 3:0 am ersten Spieltag doch ausgerechnet gegen Ex-Klub Gladbach. Dem Verein, bei dem er seit seiner Geburt Mitglied ist. Nun soll er gemeinsam mit Rückkehrer Christopher Nkunku (Leihe vom AC Mailand) wieder für Titelträume bei den Roten Bullen sorgen - die sich dafür auch in der Innenverteidigung verstärkten: Für 25 Millionen Euro kam Maxime Estève vom FC Burnley.

Moussa Diaby (von Al-Ittihad zu Bayer Leverkusen, 28 Millionen Euro)

An den 27-Jährigen hatten sie in Leverkusen beste Erinnerungen: Bereits von 2019 bis 2023 lief der Franzose für die Werkself auf, in 173 Pflichtspielen kam der Flügelspieler auf 49 Tore und 48 Assists. Auf der rechten Seite soll Diaby künftig von Außenverteidiger Guela Doué unterstützt werden. Der Bruder von PSG-Star Désiré Doué kam von Racing Straßburg und kostete rund 30 Millionen Euro. Insgesamt gab Leverkusen im Sommer stolze 157 Millionen Euro für Neuzugänge aus - so viel wie kein anderer Bundesligist.

Noah Atubolu (vom SC Freiburg zu Eintracht Frankfurt, Leihe mit Kaufoption)

Lange schien es, als habe sich der 24-Jährige verzockt: Seinen Abschied vom Sport-Club hatte er frühzeitig verkündet, doch auf dem internationalen Transfermarkt fand sich partout kein Abnehmer für Atubolu. Dann brach am Main die große Torwart-Not aus. Atubolu verlängerte in Freiburg, um sich anschließend als neue Nummer 1 an die SGE verleihen zu lassen. Die Frankfurter Kaufoption könnte sich im kommenden Sommer in eine Kaufpflicht umwandeln, dann wären wohl rund 13 Millionen Euro fällig.

Dzenan Pejcinovic (vom VfL Wolfsburg zum VfB Stuttgart, 25 Millionen Euro)

Ein neuer Stürmer für den VfB - und auch für die Nationalmannschaft? Bundestrainer Jürgen Klopp sprach bereits über ein Treffen mit dem 21-Jährigen, der in der Vorsaison zwölf Pflichtspieltore für Bundesligaabsteiger Wolfsburg erzielt hatte. Schon da wurde deutlich, dass der U21-Nationalspieler zu Höherem berufen scheint. Nun spielt er mit Stuttgart in der Champions League - und womöglich auch bald unter Klopp im Nationaltrikot.

Verwendete Quellen: ntv.de, dbe/cwo/sid