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Bundesliga-Lehren am 2. Spieltag BVB und FCB zücken ihre Trümpfe

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Fünf Tore erzielte Robert Lewandowski an den ersten beiden Spieltagen. Vielleicht kann ja Philippe Coutinho der zweite Münchner werden, der in dieser Saison ein Bundesliga-Tor erzielt.

(Foto: imago images / Team 2)

Der BVB zeigt beim zweiten Spieltag der Fußball-Bundesliga die Qualität, auch Rumpel-Spiele gewinnen zu können. Lewandowski und Coutinho könnten trotzdem irgendwann zu stark für den BVB werden. Werder steckt im Tiefschlaf - und Tönnies' Rassismus wird auf Schalke totgeschwiegen.

1. BVB kann auch dreckig

Beim 5:1 gegen Augsburg zum Auftakt hatten die Dortmunder brilliert, beim 3:1 in Köln am Freitag zeigte der Spitzenreiter, dass er auch dreckig kann. Der BVB mühte sich redlich am Rhein, anspringen wollte die Offensiv-Maschinerie so gar nicht. Und trotzdem gewannen die Borussen am Ende. Der Grund: Der "Banküberfall" in der zweiten Halbzeit. In der 62. Minute stand es noch 0:1, dann brachte Lucien Favre Julian Brandt und Achraf Hakimi. Die beiden Ausnahmekönner drehten die Partie, Brandt mit Pässen und Hakimi mit einem Kopfballtreffer. "Diese Wechsel haben uns sehr, sehr viel gebracht. Man hat sofort gesehen, dass vieles anders war", sagte Trainer Favre nach dem Spiel. Der BVB konnte nach den Einwechslungen direkt einen Gang hochschalten und bewies wieder Comeback-Mentalität - schon gegen Augsburg hatte die Borussia zurückgelegen.

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Die Dortmunder Offensive ist mit Julian Brandt um einen Trumpf reicher.

(Foto: imago images / RHR-Foto)

Die Banküberfall-Trumpfkarte macht die ohnehin schon starke BVB-Offensive um Marco Reus, Paco Alcácer und Jadon Sancho noch gefährlicher. In der Breite ist der Kader dem der Bayern überlegen, auch nachdem Philippe Coutinho und Ivan Perisic geholt wurden: Neben Brandt und Hakimi kam noch Jacob Bruun Larsen ins Spiel, während Mario Götze, Malcolm Delaney, Mahmoud Dahoud und Dan-Axel Zagadou auf der Bank vergeblich auf ihren Einsatz warteten. Allesamt Stammspieler bei so ziemlich jedem anderen Bundesligisten. Hinzu kommt die Comeback-Qualität: Schon in der vergangenen Saison holten die Borussen die meisten Punkte nach Rückstand (16 Punkte nach zehn Rückständen, Bayern holte acht Punkte nach acht Rückständen). Und auch von der Spielart macht Dortmund dem FCB Konkurrenz: Oft genug rumpelte sich der Rekordmeister von Sieg zu Sieg und von Meisterschaft zu Meisterschaft. Das Spiel des BVB war am Freitag definitiv nicht so ansehnlich wie sich ein 3:1 liest. Aber gute Nachrichten für alle Schwarz-Gelben: Wer es schafft, die dreckigen Spiele zu gewinnen, wird am Ende Meister.

2. Lewandowski-Coutinho-Kombi könnte zu Köstlichkeit reifen

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Ro-bert Le-wan-dow-ski. Der polnische Ausnahmestürmer des FC Bayern traf gleich dreimal gegen Schalke 04 und zeigte Fußballdeutschland, dass die Münchner schon einen echten Weltstar in ihren Reihen haben. Fünf Tore hat er nach zwei Spieltagen erzielt, alle anderen Bayern null. Nur Gerd Müller schoss in den ersten beiden Partien mal sechs Tore. Zum 55. Mal schnürte der polnische Angreifer einen Bundesliga-Doppelpack, lediglich - ist ja klar - eben jener Müller hat das öfter geschafft, und zwar 87 Mal. Lewandowski ist auch der erste Bundesliga-Profi seit Roy Makaay 2005, der an den ersten Spieltagen doppelt knipste. Wenn nur noch der Bomber der Nation bessere Statistiken besitzt, dann sieht man mal, in welchen Sphären sich Lewandowski mittlerweile bewegt.

Dann, in der 57. Minute, kam der neue Weltstar der Bayern endlich zum Einsatz. Das Spiel lenken oder gar dominieren konnte Philippe Coutinho nicht mehr, aber in Kombination mit Lewandowski machte der brasilianische Nationalspieler dennoch auf sich aufmerksam: Die beiden Ausnahmekönner kombinierten sich munter durch die Schalker Reihen, der finale Pass vom Polen zum Ex-Barca-Star hätte zum 3:0 führen können, hätte S04-Keeper Alexander Nübel nicht gut mitgespielt. Lewandowski hat endlich seinen Impuls gebenden Spieler, den er in der Vorbereitung vehement gefordert hatte. Vielleicht hat ihn die Weltniveau-Aura Coutinhos schon inspiriert, sein eigenes Weltklassekönnen abermals unter Beweis zu stellen. Wie auch immer: Erstmals deutete das Duo an, dass es den Bayern Fans viel Spaß machen kann. Und vielleicht wird genau diese Kombination dann zur bayerischen Trumpfkarte. Denn an dieses Weltniveau kommen die Dortmunder Jungspunde (noch) nicht heran.

3. Volland für Löw?

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Kevin Volland ist einer der Garanten für Bayer Leverkusens makellose Bilanz.

(Foto: imago images / Norbert Schmidt)

Zwei Spiele, zwei Siege, sechs Tore. Der Start von Bayer Leverkusen kann sich sehen lassen - und das nicht nur wegen der maximalen Punkteausbeute. Die Werkself spielte beim 3:1 gegen Düsseldorf abermals mit der spielerischen Klasse, die der offensivfreundliche Trainer Peter Bosz so gerne sieht. Der Bayer-Sturm um Kevin Volland, Kai Havertz, Karim Bellarabi, Kerem Demirbay und Leon Bailey rollte Angriff um Angriff aufs Fortuna-Tor. Leverkusen kontrollierte den Ball und das Spielgeschehen nach Belieben. In der zweiten Hälfte ließ die Truppe es ruhiger angehen und spielte den Schuh - im Stile einer Klassemannschaft - abgeklärt herunter.

Die Mannschaft funktioniert zwar sehr gut als Team, aber sie hat auch einen Star, der sich auch Joachim Löw aufdrängen dürfte, wenn er so weitermacht: Wie schon beim 3:2 gegen Paderborn sammelte Kevin Volland (letztes Länderspiel: November 2016 gegen Italien) zwei Scorerpunkte. Diesmal zwang seine Hereingabe Düsseldorfs Lewis Baker zum Eigentor und auch den Treffer von Karim Bellarabi bereitete er vor. Schon im Vorjahr lag der Stürmer auf Rang vier der Scorerliste. "Ich bin in einem guten Alter", sagte der 27-jährige Volland dazu nüchtern. Gut für Leverkusen - und vielleicht auch bald für die DFB-Elf.

4. Werner verlängert und trifft

Kampfansage aus Sachsen Richtung Bayern: Timo Werner verlängerte kurz vor der Heimpremiere der Saison gegen Eintracht Frankfurt. Ablösefrei wird der vom FCB umworbene Stürmer im nächsten Sommer also nicht mehr wechseln. Es war ein zähes Hin und Her, bis der Nationalspieler endlich bis 2023 unterschrieb. Leipzig wollte unbedingt verlängern, oder aber Werner noch diesen Sommer für ein nettes Sümmchen ziehen lassen. "Für die richtigen Entscheidungen braucht man halt ab und zu einfach länger", sagte Werner selbst dazu. Und zeigte den RB-Fans gleich mal, was sie an ihm haben: Mit einem schönen Drehschuss netzte der Stürmer bereits in der 10. Minute zum 1:0 ein. Immer wieder setzte er zu seinen gefährlichen Sprints an, präsentierte sich enorm einsatzfreudig. So eine Vertragsverlängerung kann schon mal befreiend wirken. Ganz nebenbei kletterte Leipzig mit dem 2:1-Sieg auf Platz drei. Auch Neu-Trainer Julian Nagelsmann dürfte sich befreit fühlen.

5. Wer weckt Werder aus dem Ecken-Tiefschlaf?

Die ambitionierten Werderaner aus Bremen legen einen astreinen Fehlstart hin. Selbstbewusst wurde in der Vorbereitung von "Europa als Minimalziel" (Abwehrchef Niklas Moisander) gesprochen - die dafür nötige Cleverness und Defensive ließen die Hanseaten auch beim 2:3 gegen Hoffenheim wieder vermissen. Waren es bei der Auftaktniederlage gegen Fortuna Düsseldorf reihenweise vergebene Torchancen, so bewiesen die Bremer bei der TSG naives, absolut Europa-unwürdiges Abwehrverhalten. Neu-Kapitän Moisander sah beim 1:1 schlecht aus, als Ermin Bicakcic nach einer Ecke gegen ihn nahezu unbedrängt einköpfen durfte. Das 3:2 fiel schließlich, als die komplette Werder-Mannschaft - wieder nach einer Ecke - schlief. Schon im Düsseldorf-Spiel war ein Gegentor nach einer Ecke gefallen.

Ja, Werder spielte schon gegen Düsseldorf besser als der Gegner und in Sinsheim war mindestens ein Unentschieden drin. Chefcoach Florian Kohfeldt und Sportchef Frank Baumann wollten nach der Niederlage am Samstag deshalb vor allem Gelassenheit ausstrahlen und auch die positiven Aspekte des Bremer Spiels herausstellen. Aber wer defensiv so amateurhaft agiert, hat keine Punkte verdient - und Europa schon gar nicht. Auch der bis zum nächsten Spieltag wohl verpflichtete Noch-Schalker Nabil Bentaleb wird Werder nicht allein aus dem Ecken-Tiefschlaf wecken können.

6. Tönnies-Rassismus auf Schalke? Hat's nie gegeben!

War da was? Erstes Bundesliga-Heimspiel für Schalke 04 - und es scheint, als hätte es die rassistischen Aussagen von Klub-Boss Clemens Tönnies nie gegeben. Keine Regung in der Nordkurve, keine Plakat-Aktionen wie zuvor im Pokalspiel ("Wir zeigen Tönnies die Rote Karte"). Lediglich die Bayern-Fans machten mit Bannern ihren Unmut freien Lauf: "Tönnies – nur einer von vielen! Rote Karte für Rassisten!" stand da geschrieben. Wenigstens im Netz geben die Schalker weiterhin keine Ruhe. Und trotzdem scheint es, als dürfe ein Aufsichtsratsvorsitzender sich rassistisch äußern, von einem (weißen) "Ehrenrat" freisprechen lassen und eine selbstauferlegte dreimonatige Auszeit nehmen - und dann geht alles weiter wie gehabt.

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Passend dazu hat der Klub vor dem heimischen Saisonauftakt das Banner mit der Aufschrift "Gegen Rassismus und Homophobie" entfernt, das viele Jahre unter dem Arena-Dach hing. Ersetzt wurde es durch zwei andere Plakate: "Steht auf gegen Diskriminierung" und "Steht auf für Vielfalt". Weil das Wort "Diskriminierung" ja auch das einschließe, was über Rassismus und Homophobie hinausgeht. Diese Aktion war mindestens äußerst ungeschickt und unglücklich. Der Ehrenrat hatte nämlich nach dem Rassismus-Eklat geurteilt, dass Tönnies abwertende Worte "diskriminierend" aber "nicht rassistisch sein". Aber wie sollen sie erniedrigend sein, wenn nicht aufgrund von ihrem rassistischen Inhalt? Letztendlich ist es nämlich genau umgekehrt: Tönnies Aussagen waren diskriminierend, gerade weil sie rassistisch waren.

Schalkes Sportvorstand Jochen Schneider wollte das allerdings weiterhin nicht wahrhaben, er sagte am Sonntag beim "Doppelpass" von Sport1: "Tönnies ist kein Rassist." Die weiße Männerrunde nickte bejahend und selbst Dennis Aogo stimmte zu. Schließlich hat der Tönnies ja so viel gesellschaftlich geleistet. Soziale (Vor-)Leistungen machen das Geschehene aber nicht einfach ungeschehen oder minder schlimm, auch wenn das schon beim Vorbestraften Uli Hoeneß oder bei Sommermärchen-Schummler Franz Beckenbauer gerne so abstrus gegengerechnet wurde und wird.

Aber darauf, dass jemand, der rassistisches Gedankengut von sich gibt, in diesem Moment eben ein Rassist ist, kommt niemand. Auch darauf nicht, dass dies ja kein fester und ewiger Zustand ist, sondern die Person sich mit dem Thema auseinandersetzen und darüber aufklären lassen kann. Auf Schalke wird wohl lieber nichts beim Namen benannt und mit dem Thema abgeschlossen. Obwohl Schneider sogar noch einen drauf setzt: Der Sportvorstand schafft es tatsächlich, Tönnies zum Opfer zu machen. "Wie müssen in Deutschland aufpassen, wie wir mit den Menschen umgehen", sagt Schneider. Recht hat er, müssen wir auch. Nur eben nicht unbedingt hinsichtlich Tönnies, wie er es gemeint hat, sondern viel mehr bezüglich der Menschen, die der Schalke-Chef beleidigt hat. Damit niemand mehr rassistisch, sexuell, religiös oder sonst wie diskriminiert wird.

Quelle: n-tv.de

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