Fußball

Pavards Fehlen trifft die Bayern Flick muss ein kompliziertes Puzzle lösen

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Pavard fehlt vorerst im Kader des FC Bayern.

(Foto: Marvin Ibo Gngr/GES/POOL)

Mit Benjamin Pavard fehlt dem FC Bayern eine der wichtigsten Abwehr-Stützen. Zumindest für das Achtelfinal-Rückspiel in der Champions League gegen den FC Chelsea. Was bedeutet das Fehlen des Weltmeisters für die weiteren Planungen von Cheftrainer Hansi Flick? Wer kann ihn am ehesten ersetzen? Muss sich der FC Bayern taktisch ganz neu aufstellen?

Wie lange fehlt Benjamin Pavard dem FC Bayern?

"Bandverletzung an der linken Fußwurzel" lautete die offizielle Diagnose der medizinischen Abteilung des FC Bayern, die am Sonntag über den Ausfall Benjamin Pavards informierte. Im Training war der Fuß ein wenig "umgeschnackselt", wie Flick es zunächst nannte. Eine voraussichtliche Ausfallzeit nannten die Münchner nicht. "Sky" berichtete, Pavard werde rund drei Wochen nicht zur Verfügung stehen. Das Chelsea-Spiel (8. August) käme für den 24-Jährigen damit definitiv zu früh. Im Falle eines Weiterkommens würde die Zeit auch bis zum Viertelfinal-Duell mit Barca oder Neapel (14. August) knapp werden.

Wie wichtig ist Benjamin Pavard für den FC Bayern?

Wie wichtig Pavard für die Münchner ist, belegen seine Einsatzzeiten. In dieser Champions-League-Saison ist der ehemalige Stuttgarter der einzige Feldspieler des FC Bayern, der keine einzige Spielminute verpasste. Auch in der Bundesliga baute Flick komplett auf den zweikampfstarken und zuverlässigen Abwehrspieler, der zudem mit wettbewerbsübergreifend vier Treffern und sieben Assists auch offensiv ein Faktor ist. Hinzu kommt, dass es durch die Versetzung von Joshua Kimmich ins Mittelfeld keinen adäquaten Ersatz gibt, was Flick in der Winterpause vehement angeprangert hatte. Mithilfe der Leihe von Álvaro Odriozola wurde das indes nur bescheiden erfolgreich kompensiert.

Reagiert Flick mit einer Systemumstellung?

Nein, ein neues taktisches Gerüst wird es für das Achtelfinal-Duell gegen Chelsea, in das der FC Bayern mit einem 3:0-Vorsprung aus dem Hinspiel vor der Corona-Pause startet, wahrscheinlich nicht geben. Zu dominant, phasenweise gar furios, traten die Münchner im 4-2-3-1-System über die letzten Monate hinweg auf, in dem Pavard die Position des Rechtsverteidigers bekleidete. Auch im Falle eines längeren Ausfalls dürfte der FC Bayern nicht von seinem System abweichen, mit dem er zuletzt 17 Pflichtspielsiege in Folge einfuhr.

Welche Optionen hat Hansi Flick?

Álvaro Odriozola rückt ins Team: Rein spieltaktisch wäre das die einfachste Variante. Der Leihspieler, der den FC Bayern nach Beendigung der Champions-League-Saison wieder in Richtung Real Madrid verlassen wird, ist Rechtsverteidiger. Er könnte die entstandene Lücke zumindest nominell eins-zu-eins schließen. Den Beleg, dass er den allerhöchsten Ansprüchen auf europäischem Top-Niveau genügt, hat Odriozola beim FCB allerdings nicht erbracht. Ganze zwei Startelf-Einsätze stehen im letzten Halbjahr zu Buche - davon einer in der Liga, als die Bayern bereits als Meister feststanden. Dass Hansi Flick dem trainingsfleißigen Spanier ausgerechnet jetzt das Vertrauen schenkt, wo es in der Königsklasse um alles geht, scheint eher unwahrscheinlich.

Joshua Kimmich kehrt zurück in die Viererkette: Die Leistungen des Nationalspielers auf der Doppelsechs, wahlweise neben Thiago oder Leon Goretzka, verdienten in den vergangenen Wochen und Monaten häufig das Prädikat "Weltklasse". Die Krux beim 25-Jährigen: Auch auf der rechten Abwehrseite zeigte Kimmich in der Vergangenheit schon absolute Top-Leistungen und gehörte zu den besten Außenverteidigern Europas. Die Überlegung, dass Flick seinen Führungsspieler zurück in die Kette beordert, scheint nicht abwegig. In diesem Falle würde Thiago zurück in die Startelf rücken. Zuletzt hatte der Spanier nach überstandener Leistenverletzung seinen Stammplatz an Goretzka verloren.

Das Problem: Das Modell, Thiago und Goretzka gemeinsam auf der Doppelsechs spielen zu lassen, ist bei den Bayern überhaupt nicht erprobt. Seit dem Bundesliga-Restart standen die beiden nur beim 2:0-Sieg bei Union Berlin im Mai gemeinsam in der Startformation. Damals agierte Goretzka allerdings als Zehner. Es nun ausgerechnet auf allerhöchstem europäischen Niveau mit einem neuen Duo im zentral-defensiven Mittelfeld zu versuchen, erscheint äußerst risikoreich.

Jérôme Boateng weicht auf die Außenposition aus: Alternativ dazu könnte auch in der Abwehrkette umgebaut werden. Nach seinem monatelangen Ausfall drängt Bayerns vermeintlicher Abwehrchef Niklas Süle auf seine Rückkehr in die Stammformation. Flick bestätigte zuletzt: "Ich bin sehr zufrieden, auch mit der Art und Weise, wie er das Training annimmt. Er hat seine Sache gut gemacht, so wie man es kennt. Ich gehe davon aus, dass er bei 100 Prozent ist. Klar fehlt ihm die Spielpraxis. Aber wir haben die Chance, ihn gegen Marseille spielen zu lassen und dann sehen wir weiter."

Denn an diesem Freitag testet der FC Bayern gegen Olympique Marseille seine Spielpraxis. Stellt Süle dabei seine Wettkampfhärte unter Beweis, ist der 1,95-Meter-Hüne eine Variante für die Chelsea-Startelf - keine Frage. Auch Lucas Hernández stünde als Option bereit, überzeugte in seinen wenigen Einsätzen bislang aber nur selten. Boateng könnte in beiden Fällen auf die rechte Außenbahn ausweichen. Der 31-Jährige gehörte zu den Gewinnern unter Flick. Nach den Ausfällen von Süle und Hernández plötzlich wieder gefragt, überzeugte Boateng mit herausragenden Zweikampf- und Passwerten.

Dieser Text ist zunächst bei den Kollegen von sport.de erschienen.

Ihn ausgerechnet jetzt aus dem Abwehrzentrum neben dem gesetzten David Alaba herauszunehmen, wäre mutig. Dennoch machen die Umstände es vielleicht erforderlich. Dass Boateng grundsätzlich Rechtsverteidiger spielen kann, ist unbestritten. Beim WM-Titel 2014 lief er in der gesamten Vorrunde auf der Außenbahn auf. Spielpraxis hat der Routinier auf dieser Position allerdings seit Jahren keine mehr gesammelt.

Quelle: ntv.de