Fußball

Nach Hetzjagd auf Schiedsrichter Gericht sperrt Kreisliga-Truppe fast komplett

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Im unterklassigen Fußball kommt es immer wieder zu Gewaltausbrüchen.

(Foto: imago sportfotodienst)

In Essen veranstaltet eine Kreisliga-Mannschaft eine Hetzjagd auf den Schiedsrichter, drei Spieler verfolgen ihn bis in die Kabine. Das Resultat: Ein ausgeschlagener Zahn und viele lange Sperren. Der Verein setzt damit eine unschöne Gewalttradition fort.

Das Sportgericht des Fußball-Kreises Essen hat eine nahezu komplette Mannschaft nach einem tätlichen Angriff auf einen Schiedsrichter aus dem eigenen Klub für mindestens ein Jahr gesperrt. Das Gericht suspendierte bereits am 5. November zehn Spieler der zweiten Mannschaft des BV Altenessen für zwölf Monate und drei weitere sogar für zwei Jahre. Das bestätigte der Gerichts-Vorsitzende Jürgen Dirnberger auf Anfrage.

Der Vorfall, über den das Kreissportgericht urteilte, ereignete sich demnach am 13. Oktober in Essen unmittelbar nach dem Spiel in der Kreisliga C zwischen den zweiten Mannschaften von Altenessen und Barisspor 84 Essen (1:3). Laut Zeugenaussagen attackierten Spieler des BV Altenessen nach dem Match den Schiedsrichter, der demselben Klub angehört, und verfolgten ihn teilweise bis in die Kabine. Der Referee verlor demnach einen Zahn und erlitt Verletzungen am Knie.

Zehn Spieler, die den Klub-Kollegen über den Platz gehetzt haben sollen, wurden für ein Jahr gesperrt. Zwei Jahre Sperre wurden gegen die drei Fußballer ausgesprochen, die in die Kabine eingedrungen sein sollen. Außerdem erhielt der Trainer des BVA eine sechsmonatige Sperre, weil er den Schiedsrichter angefasst haben soll. "Das wurde als minderschwerer Fall gewertet", erklärte Dirnberger. Laut Informationen der Funke Mediengruppe hat der Verein mittlerweile das komplette Team vom Spielbetrieb abgemeldet.

"Unfaires, brutales Verhalten" schon 2015

Gewalttätige Ausbrüche haben beim BV Altenessen eine unschöne Tradition: 2015 durfte die Mannschaft den souveränen Aufstieg aus der Kreisliga B bejubeln - weil sich die anderen Teams weigerten, anzutreten. Der Wettbewerb sei mehrfach durch "unfaires, sogar brutales Verhalten einzelner Spieler, Zuschauer sowie Offizieller gestört worden", heißt es in einer Erklärung zum Boykott. "In der letzten und in dieser Saison ist der Verein BV Altenessen mehrfach durch unfaires und gewalttätiges Verhalten auf dem Sportplatz auffällig geworden." BVA-Spiele seien in dieser Saison "schon mehrfach durch Polizeieinsatz begleitet oder beendet" worden.

Im letzten Meisterschaftsspiel vor dem Boykott warf der Kapitän der Mannschaft den Schiedsrichter auf den Boden. Bodo Hanenberg, damals und heute Vorsitzender des Vereins, berichtete dem Deutschlandfunk noch Anfang Oktober davon: "Es gab einen Vorfall während eines Spiels. Ein Schiedsrichter ist von einem unserer Spieler angegangen worden. Es hieß erst, er sei niedergeschlagen worden. Aber es stellte sich hinterher heraus in der Revisionsverhandlung, in der die lebenslange Sperre für den Spieler, dann auch aufgehoben worden ist, hat der Schiedsrichter gesagt, er sei umgeschubst worden. Nichtsdestotrotz ein absolut unmögliches Verhalten."

Damals zogen die Verantwortlichen des Vereins drastische Konsequenzen, mehr als 20 Spieler wurden in der Sommerpause nach dem Aufstieg ersetzt. "Wir haben nur noch drei Spieler aus dem alten Kader in unserer Mannschaft - und die haben eine weiße Weste", betonte der Sportliche Leiter des BVA 2015. "Die Altenessener tun etwas für einen Neuanfang", lobte denn auch der Vorsitzende des Fußballkreises Essen Nord/West, Thorsten Flügel. "Altenessen muss alles wieder dafür tun, um sich wieder ins rechte Licht zu rücken." Alle Bemühungen der Vereinsverantwortlichen waren offenbar vergebens. "Ja, das war, glaube ich, der absolute Tiefpunkt in der Vereinsgeschichte", sagte Hanenberg dem Deutschlandfunk. Eine Woche später folgte der nächste Tiefpunkt.

Quelle: ntv.de, ter/dpa