Fußball

Verein weist Pleite-Vorwurf zurück Hätte Kaiserslautern 2008 absteigen müssen?

12027386.jpg

Unzerstörbar?

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Der 1. FC Kaiserslautern soll 2008 monatelang nicht in der Lage gewesen sein, die Stadionmiete zu überweisen. Das wäre laut DFL mit Punktabzug zu bestrafen: Der Verein wäre abgestiegen. Den Gang in die dritte Liga trat aber jemand anderes an.

Hätte der 1. FC Kaiserslautern vor acht Jahren aus der 2. Fußball-Bundesliga absteigen müssen? Das legen jedenfalls interne Unterlagen nahe, über die das Nachrichtenmagazin RTL Nachtjournal berichtet. Demnach soll der Verein von Februar bis Juni 2008 nicht in der Lage gewesen sein, die Stadionmiete in Höhe von jeweils 317.000 Euro zu bezahlen. Wenn der Verein also zahlungsunfähig gewesen wäre und das nicht öffentlich gemacht hat, läge möglicherweise ein Fall von Insolvenzverschleppung vor. Der Verein wies die Vorwürfe zurück.

12029522.jpg

2008 bejubeln Tausende Fans den Klassenerhalt.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Gegenüber RTL bestätigte der renommierte Wirtschaftsprüfer Gero Hagemeister, dass der FCK in diesem Zeitraum existenzielle Liquiditätsprobleme hatte. Eine Insolvenz hat Kaiserslautern jedoch nicht angemeldet. Das ist insofern problematisch, da einem Verein, der zahlungsunfähig ist, nach den Statuten der Deutschen Fußball Liga (DFL) neun Punkte abgezogen werden müssen.

Damit wäre Kaiserslautern am Ende der Saison 2007/2008 vom 13. auf den 17. Tabellenplatz abgerutscht und abgestiegen. Aus der zweiten Liga verabschiedet hat sich allerdings ein anderer Verein: Die Kickers Offenbach traten den Gang in die dritte Liga an und haben sich davon seitdem nicht mehr erholt. Der Klub spielt mittlerweile in der Regionalliga Südwest.

DFL will ermitteln

Auf Nachfrage von RTL erklärte die DFL inzwischen, die Vorwürfe prüfen zu wollen. Auch die mutmaßlich benachteiligten Offenbacher Kickers haben bereits angekündigt, rechtliche Schritte prüfen zu wollen. Immerhin hat der Abstieg den Verein Millionen gekostet. "Da reden wir sicher über einen ordentlichen siebenstelligen Betrag", sagte Helmut Spahn, Präsident der Kickers. "Wir müssen uns mit unseren Juristen zusammensetzen und überlegen, welche Schritte wir gehen."

Der Fußball-Zweitligist wies die Vorwürfe einer verschleierten Insolvenz indes zurück. "Wir sehen hier keinerlei Hinweise auf damalige Vorgänge, die den Vorwurf einer Insolvenz rechtfertigen", sagte der FCK-Vorstandsvorsitzende Thomas Gries: Es gebe aktuell "keine Anhaltspunkte für eine Zahlungsunfähigkeit, und wir gehen davon aus, dass sich dieser Sachverhalt auch deutlich aufzeigen lässt".

Auch die damals Verantwortlichen des 1. FC Kaiserslautern, Aufsichtsratschef Dieter Buchholz und der Vorstandsvorsitzende Erwin Göbel, stritten auf Nachfragen des RTL Nachtjournals die Insolvenzsituation 2008 ab. Fritz Grünewalt, Finanzvorstand des FCK von 2010 bis 2016, bestätigt jedoch die Gerüchte um die damalige Pleite: "Ja, es gibt ja diverse Belege und Dokumente, die das aufzeigen."

Das RTL-Reporterteam hatte zu dem Thema monatelang recherchiert, mit Insidern gesprochen und Beweise gesammelt. Gesendet wurde der Beitrag nun in dem Spezial "Der Betze brennt - hätte der 1. FC Kaiserslautern 2008 absteigen müssen?".

Quelle: ntv.de, jgu