Fußball

Nürnberg legt Einspruch ein Hat Bakery Jatta seine Identität gefälscht?

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Bakery Jatta. Oder doch Bakary Daffeh? Wer ist der HSV-Stürmer wirklich?

(Foto: REUTERS)

Einem Medienbericht zufolge hat Bakery Jatta vom Hamburger SV bezüglich seiner Identität gelogen und bereits vor seiner Einreise nach Deutschland professionell Fußball gespielt. Der 1. FC Nürnberg will nun die Wertung des 0:4 verlorenen Punktspiels gegen den HSV überprüfen lassen.

So einen Fall gab es noch nie im deutschen Profifußball: Bakery Jatta sei nicht der, der er vorgibt zu sein. Das berichtet die "Sport-Bild". Der Stürmer des Zweitligisten Hamburger SV war 2015 als Flüchtling aus Gambia nach Deutschland gekommen und legte einen bemerkenswerten Aufstieg hin. Binnen drei Jahren etablierte er sich vom vereinslosen Nachwuchsfußballer zum Stammspieler. Ein schönes Sport-Märchen. Aber ein erfundenes? Laut "Sport Bild" soll Jatta in Wahrheit Bakary Daffeh heißen, fast zweieinhalb Jahre älter sein als angenommen und schon in Afrika professionell Fußball gespielt haben.

Der Kontrollausschuss des DFB will sich darum kümmern. "Das Thema ist hier bekannt, der Kontrollausschuss wird den Sachverhalt untersuchen", bestätigte der Vorsitzende Rainer Nachreiner. Das zuständige Bezirksamt Hamburg-Mitte teilte mit, es werde "den Fall intensiv prüfen und den Hinweisen nachgehen". Die Deutsche Fußball Liga hat den HSV und den Spieler um eine Stellungnahme gebeten. Fußball-Zweitligist 1. FC Nürnberg hat derweil wegen der Identitätszweifel Einspruch gegen die Wertung des Punktspiels gegen den Hamburger SV eingelegt. Die Hamburger hatten am Montag in Nürnberg mit 4:0 gewonnen. Jatta stand in der Startelf und spielte 65 Minuten.

Seit 2016 absolvierte Jatta 47 Pflichtspiele für den HSV. Bei seiner Vorstellung betonte er, dass er in Afrika in keinem Verein gespielt habe. Diese Behauptung unterstrich er in einem Interview mit der "Bild" vor zwei Jahren: "Vor wenigen Monaten habe ich noch mit meinen Freunden in Afrika gekickt. Meist barfuß und auf Beton. Wer Fußballschuhe hatte, war wie ein König." Der HSV beruft sich auf gültige Papiere seines Profis. "Wir haben Bakéry Jattas gültigen Reisepass inklusive Aufenthaltsgenehmigung vorliegen", sagte Vorstandschef Bernd Hoffmann. Jatta habe sich als "tadelloser Sportsmann und verlässlicher Mitspieler gezeigt. Er hat sich schnell in unsere Mannschaft und in unseren Klub integriert. Wir schätzen ihn als Spieler und Menschen."

Zweifel am Alter nach Probetraining

Die "Sport-Bild" beruft sich auf eigene Recherchen, nach denen der Angreifer bereits in Gambia, Nigeria und dem Senegal als Profi aktiv gewesen sein soll. Zudem habe er 2014 in der U20-Nationalmannschaft von Gambia gespielt. Zwei Trainer afrikanischer Klubs wollen Jatta anhand von Fotos eindeutig als ihren ehemaligen Spieler Bakary Daffeh identifiziert haben. Neben den Aussagen der Ex-Trainer Daffehs, will die Zeitung noch andere Indizien gefunden haben, die darauf schließen lassen, dass es sich bei Jatta und Daffeh um dieselbe Person handelt. Sportmedien aus Gambia und dem Senegal hätten immer wieder über den Fußballer Bakary Daffeh berichtet - bis zum Sommer 2015. Danach verliere sich jede Spur.

Ungefähr zur gleichen Zeit kam der 17-jährige Jatta in Deutschland an - nach eigenen Angaben über die Sahara und Italien. Den Behörden gab er an, am 6. Juni 1998 geboren worden zu sein. Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge haben in Deutschland größere Chancen ein Aufenthaltsrecht zu bekommen, als Menschen, die ihr 18. Lebensjahr erreicht haben. Bakary Daffehs Geburtsdatum ist hingegen der 6. November 1995. Sollte Jatta tatsächlich Daffeh sein, wäre er bei seiner Einreise bereits volljährig gewesen.

Zweifel am Alter des Stürmers kamen bereits nach dem Probetraining für den HSV auf. Beim Medizincheck stellte sich heraus, dass Jattas Wachstum bereits abgeschlossen war. Manche wären eben schneller ausgewachsen als andere, sagte der Verein damals und räumte die Zweifel damit beiseite. Sollte sich der Verdacht gegen Jatta nun doch bewahrheiten, droht ihm der Entzug seiner Aufenthaltsgenehmigung sowie eine Sperre durch den Deutschen Fußball-Bund. Der Kontrollausschuss des DFB hat bereits Ermittlungen aufgenommen. Und auch das Bezirksamt Hamburg-Mitte prüft den Fall Jatta.

Quelle: ntv.de, hny

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