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Backsteingotik in ihrer ganzen Schönheit: Kaliningrader Dom.
Backsteingotik in ihrer ganzen Schönheit: Kaliningrader Dom.(Foto: picture-alliance/ dpa)
Freitag, 23. März 2018

WM-Countdown (83): Heimweg-Schlenker nach Kaliningrad

Von Katrin Scheib, Moskau

Ständig geht es hier darum, wann die Fußball-Weltmeisterschaft in Russland endlich anfängt. Heute machen wir das mal anders: mit einem Tipp für die Zeit nach dem Turnier. Man muss ja schließlich planen. Und es lohnt sich.

Es fährt ein Zug nach Kaliningrad. Zweimal am Tag, von Restrussland durch Weißrussland durch Litauen. Für die Menschen, die in der russischen Exklave zwischen Baltikum und Polen leben, ist es eine wichtige Verbindung. Doch nicht nur ihretwegen soll die Zahl der Züge diesen Sommer von zwei auf sechs pro Tag erhöht werden.

Unsere Kolumnistin

Katrin Scheib ist Journalistin, Schalke-Fan und kommt aus dem Rheinland. Als die deutsche Mannschaft 2014 in Brasilien Fußball-Weltmeister wurde, war sie gerade nach Moskau gezogen. Seitdem bloggt sie unter kscheib.de über ihren Alltag und informiert mit ihrem "Russball"-Newsletter jede Woche über den Fußball und die WM-Vorbereitungen in Russland. Und nun schreibt sie für n-tv.de den Countdown, bis das Turnier am 14. Juni beginnt.

Kaliningrad ist WM-Austragungsort, viermal wird in der Gruppenphase hier gespielt. Anschließend dürfen WM-Besucher mit ihrer Fan-ID kostenlos mit dem Zug weiterreisen in den anderen, etwas größeren Teil Russlands. Wobei: Warum nicht andersrum?

Okay, nach dem Turnier muss man sein Zugticket selber bezahlen. Wer aber seine Rückreise schon während der WM antritt, kommt kostenlos bis Kaliningrad - und ist damit halb in Berlin. Der Umweg über das frühere Königsberg, diese Stadt mit ihrer bewegten Geschichte, lohnt sich aus vielen Gründen.

Der Königsberger Dom

Nach seiner weitgehenden Zerstörung im Zweiten Weltkrieg stand vom Dom bis in die Neunzigerjahre nur eine Ruine, erst dann wurde er nach und nach wieder aufgebaut. Heute steht er wieder da, Backsteingotik in ihrer ganzen Schönheit, im Sommer finden hier täglich Konzerte statt. Wer um das Gebäude herumgeht, findet an der Seite das Grab des Philosophen Immanuel Kant, der in der Stadt geboren wurde, lehrte, schrieb und schließlich starb. Ein guter Ort, um zu überlegen, ob man sich noch an den Kategorischen Imperativ erinnern kann. Wie war das? "Handle stets so, dass …"?

Das Grab von Simon Dach

Ja, noch ein Grab, sorry. Aber wer sich für Volksmusik (echte, alte, nicht das Schlager-Pseudo-Rumgedirndle aus dem Fernsehen) interessiert, der sollte hier innehalten, und zwar am Grab von Simon Dach. Berlin-Touristen kennen ihn als den Namensgeber der Kneipenstraße in Friedrichshain. Vor allem aber hat Simon Dach 1636 den Text für eines der schönsten Volkslieder geschrieben, das bis heute gesungen wird: Ännchen von Tharau. "Krankheit, Verfolgung, Betrübnis und Pein soll’n unsrer Liebe Verknotigung sein." Wer so von Liebe erzählen kann, verdient es, dass man ihn besucht - auch wenn das Grab ein wenig außerhalb liegt und man sich den Weg vom örtlichen Fremdenverkehrsamt erklären lassen muss.

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Das Haus der Sowjets

Keine Sehenswürdigkeit im wörtlichen Sinne, trotzdem interessant: "Sowjets" ist hier im Sinne von "Räte" gemeint, in das klotzige Gebäude sollten Kaliningrads Stadt- und Bezirksverwaltung einziehen. Eigentlich. Denn der Bau wurde nie fertiggestellt, bis heute. Und dafür wurde nun also die Schlossruine gesprengt? War da nicht auch das Bernsteinzimmer drin? Oder ist das doch in Wuppertal? Jeder Reiseführer - und viele andere Kaliningrader auch - hat zu diesem Trumm von einem Gebäude eine Geschichte zu erzählen.

Der Badeort Selenogradsk

Eine knappe Autostunde nördlich von Kaliningrad, und man steht mit den Füßen in der Ostsee. Selenogradsk ist eines von mehreren Seebädern an diesem kurzen Stück russischer Küste, manchmal begegnet einem noch der frühere deutsche Name des Ortes, Cranz. Nicht weit von hier beginnt die kurische Nehrung, eine lange Halbinsel, die sich fast 100 Kilometer entlang der Küste bis nach Litauen zieht. Die Nehrung ist Nationalparkgebiet und gehört zum Weltkulturerbe - ein guter Ort, um durch die Natur zu wandern. Oder man entscheidet sich für die Kurzvariante, bleibt in Selenogradsk und macht einen Spaziergang entlang der Promenade - mit kostenlosem WLAN, um die gerade gemachten Fotos bei Instagram zu posten.

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Alle Folgen des WM-Countdowns finden Sie hier

Quelle: n-tv.de