Sport
"Mein Herz schlägt für alle drei Teams, da ich in jedem Land gelebt habe": Kevin Kuranyi.
"Mein Herz schlägt für alle drei Teams, da ich in jedem Land gelebt habe": Kevin Kuranyi.(Foto: imago/Sportfoto Rudel)
Mittwoch, 29. November 2017

Mit Panama zur WM?: Kevin Kuranyi ringt ums Kampfgewicht

Bei der Fußball-WM in Russland könnte Kevin Kuranyi als Berater für Außenseiter Panama dabei sein. "Ich kann mir alles vorstellen." Und für Bundestrainer Joachim Löw, der ihn einst aus dem DFB-Team warf, hat der ehemalige Nationalspieler einen guten Tipp.

Der riesige SUV passt erst in die zweite Parklücke. Den spöttischen Zuruf "Typisches Fußballer-Auto!" kontert Kevin Kuranyi aus dem offenen Fenster mit einem breiten Grinsen und den Worten: "Bin doch mehrfacher Familienvater." Der 35 Jahre alte deutsche Ex-Nationalspieler hat im März zwar seine Karriere beendet, ist aber nach wie vor eng vernetzt im Profigeschäft. Bei der Weltmeisterschaft 2018 in Russland soll er vielleicht den Neuling Panama beraten. "Sie haben angeboten, mit mir zu reden", sagt Kuranyi vor der WM-Auslosung an diesem Freitag.

Immer noch fit: Kevin Kuranyi bei einem Benefizspiel im Sommer.
Immer noch fit: Kevin Kuranyi bei einem Benefizspiel im Sommer.(Foto: imago/Sportfoto Rudel)

Der gebürtige Brasilianer ist teilweise bei seiner Mutter in Panama aufgewachsen und hat mit einigen aktuellen Nationalspielern in der Jugend zusammengespielt. "Ich kenne den Verband und auch den Staatspräsidenten und dessen Familie. Im Januar werde ich dort ein paar Gespräche führen. Dann werden wir sehen, was für Möglichkeiten es gibt, nach Russland zu kommen. Ich kann mir alles vorstellen." Kuranyi lebt mit Ehefrau Viktorija und den Kindern Vivien und Karlo, neun und zwölf Jahre alt, seit März wieder in Stuttgart.

In Brasilien und Panama ist er regelmäßig, auch im Land des WM-Gastgebers hat er noch Freunde: Fünf Jahre spielte er für Dynamo Moskau. "Russland muss sich im eigenen Land sehr gut präsentieren. Natürlich ist Russland politisch sehr in Bewegung, aber ich hoffe, dass sich das Land von seiner besten Seite zeigen kann", sagt Kuranyi. Sein Augenmerk gilt vor allem der deutschen, brasilianischen und panamaischen Mannschaft. "Mein Herz schlägt für alle drei Teams, da ich in jedem Land gelebt habe." Pässe hat er von allen drei Ländern.

Gomez oder Wagner? "Beide!"

Als 52-facher DFB-Auswahlspieler ist er der Mannschaft von Joachim Löw eng verbunden, kürzlich hat er Julian Draxler in Paris besucht. Dabei traf er Superstar Neymar. Brasiliens 1:7 vom WM-Halbfinale 2014 gegen Deutschland sei "längst vorbei. Das ist eine neue Generation, die mit Neymar Großes erreichen kann". Topfavorit ist für Kuranyi jedoch Deutschland. "Das Trainerteam weiß, wie man mit den Spielern umgehen muss, damit sie mental top vorbereitet ins Turnier gehen - auch wenn sie schon Weltmeister sind."

Der klassische Mittelstürmer, wie ihn auch Kuranyi verkörperte, ist für Löw weiter eine wichtige Option. Ob der Bundestrainer 2018 lieber den Wolfsburger Mario Gomez oder den Hoffenheimer Sandro Wagner mitnehmen soll? "Beide!", sagt Kuranyi. "Beide haben sehr gute Qualitäten. Nummer eins ist Timo Werner, ganz klar. Dahinter sehe ich schon die beiden. Vielleicht rutscht noch Kevin Volland rein, wenn er weiter so trifft."

Kuranyi hat jetzt andere Ziele. Das alte Kampfgewicht halten zum Beispiel. "Ich habe jetzt drei Wochen keinen Sport gemacht", sagt er beim Frühstücksmüsli. Die vier Kilo Zuwachs verteilen sich aber unauffällig auf seine 1,90 Meter. Er arbeitet nun als Spielerberater. Bei seinem Karriereende hatte er gesagt, er habe ein paar wertvolle Tipps für junge Fußballer. Zum Beispiel bei Länderspielen bis auf den Schlusspfiff zu warten, bevor man das Stadion verlässt. So endete 2008 seine Zeit beim DFB. Auch darüber lächelt Kuranyi heute.

Quelle: n-tv.de