Fußball

"So schwer, Worte zu finden" Trainerlegende Gerd Schädlich ist tot

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Als Spieler war Schädlich in den 1970er-Jahren insbesondere für den FC Karl-Marx-Stadt aktiv.

(Foto: picture alliance / Eibner-Pressefoto)

Gerd Schädlich ist eine der großen Trainerpersönlichkeiten des Fußballs in Ostdeutschland. Lange ist er jeweils in Aue und Chemnitz tätig, den FSV Zwickau führt er beinahe in die Bundesliga. Nun stirbt Gerd Schädlich im Alter von 69 Jahren.

Der deutsche Fußball trauert um Gerd Schädlich. Der langjährige Trainer, der unter anderem bei dem FSV Zwickau, Erzgebirge Aue und dem Chemnitzer FC gearbeitet hatte, starb in der Nacht zum heutigen Samstag im Alter von 69 Jahren, wie der CFC am Abend unter Berufung auf Schädlichs Familie mitteilte. "Es ist unfassbar traurig und so schwer derzeit Worte zu finden oder die Tragweite für uns zu erfassen", sagte die Vorstandsvorsitzende der Chemnitzer, Romy Polster.

"Mit dem heutigen Tag haben wir einen ganz großen Fußballer, Menschen und Freund verloren." Schädlich sei eine Konstante gewesen, "ein Mensch und Arbeiter, der still und immer ohne Aufsehen um seine Person für den Verein da war und dessen Erfolg über alles stellte. Mit seiner ruhigen und fast schon väterlichen Ausstrahlung fühlte man sich in seiner Gegenwart stets wertgeschätzt, geachtet und unterstützt."

Als Spieler war Schädlich in den 1970er-Jahren insbesondere für den FC Karl-Marx-Stadt aktiv, ehe er seine Karriere aufgrund von Verletzungsproblemen beenden musste. Als Trainer führte sein Weg unter anderem über Riesa, Zwickau und Aue nach Chemnitz, wo er ab der Saison 2008/09 den Trainerposten übernahm. Nach dem Aufstieg in die 3. Liga 2011 trat Schädlich im Oktober 2013 von seinem Amt zurück. "Man merkt, wenn es so weit ist", erklärte er später in einem Porträt auf bundesliga.com. "Wenn die Abwärtsspirale erst mal eingesetzt hat, muss man Konsequenzen ziehen. Sonst gibt man den Spielern ein Alibi."

Den FSV Zwickau und Erzgebirge Aue führte Schädlich erstmals in der jeweiligen Klubgeschichte in die 2. Fußball-Bundesliga, mit dem FSV Zwickau verpasste Schädlich 1996 nur knapp den Aufstieg in die Bundesliga. Schädlich wollte einen neuen Anlauf nehmen - und das war ein Fehler, wie er rückblickend bekannte: "Da musst du als Trainer ausreisen" gab er schmunzelnd zu Protokoll. "Wenn du Fünfter warst, kannst du den Leuten nicht erklären, warum es im nächsten Jahr wieder gegen den Abstieg geht."

"Er war ein Arbeiter vor dem Herrn"

Auch beim FC Erzgebirge Aue trauert man um Schädlich, der erst am 30. Dezember seinen 69. Geburtstag gefeiert hatte. "Ich bin tief traurig, verbeuge mich tief vor Gerd. Er war ein Arbeiter vor dem Herrn. Aue, Zwickau und Chemnitz wären ohne ihn nicht das, was sie sind. Mein Beileid und das unseres Vereins an die Familie Schädlich, alle Angehörigen und Freunde. Das ist ein unfassbarer Schmerz", zitiert "Tag24" Präsident Helge Leonhardt. Gerd Schädlich werde immer im Herzen der Fans und des Vereins weiterleben. Keiner habe vergessen, was Schädlich, der von 1999 bis 2007 im Erzgebirge tätig war und 300-mal auf der Trainerbank gesessen hatte, für den FCE geleistet hat.

2007 war Schädlich nach einer bitteren 0:5-Klatsche gegen 1860 München zurückgetreten. "Wenn man so lange dabei ist, will man nicht Schuld am Abstieg sein", erinnerte sich Schädlich gegenüber "Blick.de" an seinen Entschluss. Wie später in Chemnitz ging Schädlich aus freien Stücken und ersparte dem Verein einen teuren Rauswurf. Danach landete Schädlich wieder da, wo alles begann: bei den "Himmelblauen" vom Chemnitzer FC.

In den Westen hat es die Trainerlegende des Ostens nie nachhaltig gezogen. "Es gab mal eine Anfrage aus Essen, aber das wollte ich nicht machen. Ich habe mich hier in der Region immer wohlgefühlt. Rückblickend kann ich sagen, dass ich nichts vermisst habe und mit dem Erreichten zufrieden bin", sagte Schädlich zu seinem 65. Geburtstag der "Bild"-Zeitung. Da hatte er gerade seine letzte Station im bezahlten Fußball verlassen: den Job als hauptamtlicher Scout des Drittligisten Hallescher FC.

"Ich habe den Trainerjob über 30 Jahre gemacht, war von 2014 bis letzten Sommer zudem als Scout für Halle unterwegs. Das kam mir ganz gelegen, um abzutrainieren. Aber irgendwann ist mal gut. Und Entzugserscheinungen habe ich auch keine. Familie, Lesen, Gartenarbeit – es gibt genug zu tun." In 30 Jahren Profifußball sei er nicht ein einziges Mal umgezogen. Ein kleines logistisches Wunder und Ausdruck hoher Verbundenheit zwischen dem Trainer, seiner Heimat und seinen Klubs. Alle Engagements Schädlichs waren branchenuntypisch langlebig - und Ausdruck von Erfolg und Loyalität. Woran Gerd Schädlich starb, ist noch nicht bekannt.

Quelle: ntv.de, ter

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