Fußball

Grandioses Comeback in Lissabon Ungläubiges Eintracht Frankfurt träumt vom großen Coup

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Kolo Muani und Kamada schreien ihr Glück heraus.

(Foto: picture alliance/dpa)

Das Jahr 2022 gehört für Eintracht Frankfurt zu den besten Jahren der Vereinsgeschichte. Ihre Spiele in Europa gleichen einem Triumphzug. Nicht nur in der Europa League, sondern auch in der Champions League. Mit einem Thriller in Lissabon springen sie in die K.-o.-Phase. Jetzt träumen die Adler.

Mario Götze hat schon viel erlebt in seiner Karriere als Fußballer. Der Mittelfeldspieler hat die höchsten Höhen erklommen und in den tiefen Tälern das Echo der Hohngesänge über sich ergehen lassen müssen. Mit 30 Jahren steigt der deutsche WM-Held von 2014 jetzt wieder weit hoch und erlebt etwas, das ihm wohl zuletzt in den Anfangsjahren seiner Karriere bei Borussia Dortmund passiert ist. Mit einer Mannschaft, die nie aufgibt und wilden, herrlich unsachlichen Fans, die das Team immer wieder nach vorne treiben. Mit Matchglück, mit Kämpfern und Stürmern, nach denen ganz Europa lechzt.

Das 2:1 der Frankfurter bei Sporting Lissabon und die Qualifikation für die K.-o.-Phase war zu keinem Zeitpunkt nur normal. Es war ein wilder Thriller, der erst zwanzig Minuten vor Schluss durch den wohl aufregendsten Stürmer der Bundesliga, Randal Kolo Muani, in Richtung Happy End gesteuert wurde. Der 23-Jährige traf zum Sieg und schoss Frankfurt in die Ekstase.

"Das ist einfach nur unglaublich. Wenn man sich vorstellt, dass wir in der Halbzeit zurückgelegen haben und als Vierter komplett ausgeschieden waren und am Ende mit einem Sieg und dem Weiterkommen nach Hause gehen", jubelte Götze, dessen Leistung mit unauffällig zu beschreiben war: "Das ist grandios!"

Laser-Attacke auf Kamada

Nach dem Sensationssieg in der Europa League im Vorjahr spielen die Adler in dieser Saison die Champions League her. Natürlich nicht, ohne am letzten Spieltag der Gruppe von Platz vier zur Halbzeit am Ende letztendlich souverän in das Achtelfinale einzuziehen. Mit zehn Punkten, mehr als jeder andere Königsklassen-Debütant seit Leicester City in der Saison 2016/2017.

Anders als im Bundesliga-Spiel gegen Borussia Dortmund war den Frankfurtern diesmal auch der Schiedsrichter wohlgesonnen. Ein umstrittener Handelfmeter zum 1:1 und der Verzicht auf die Gelb-Rote-Karte für Kristjan Jakic nach einem harten Foul gegen Francisco Trincao kurz nach dem 2:1 spielten den Adlern bei ihrem Comeback in die Karten. "Wenn du dann diesen Willen, diesen Glauben, diese Leidenschaft zeigst, dann hast du auch mal das Spielglück mit dem Elfmeter", sagte Trainer Oliver Glasner und ließ die Laser-Attacke auf den Schützen Daichi Kamada unerwähnt. Der war kurz vor der Ausführung von der Tribüne von einem Laser ins Visier genommen worden, lachte die Attacke weg und traf zum Ausgleich.

Frankfurt kann nicht leise

Trainer Glasner hatte nach der schwachen ersten Halbzeit und dem drohenden Ende aller europäischen Ambitionen in der Saison 2022/2023 mit der Einwechslung von Sebastian Rode die Wende eingeleitet. Der 32-Jährige trieb seine Mannschaft im Mittelfeld immer wieder an, wühlte sich durch die Zweikämpfe. Der ehemalige Spieler von Bayern München wurde zum Spieler des Spiels gewählt und träumte nach dem Einzug ins Achtelfinale von einem wilden Ritt in die tiefen Phasen des Wettbewerbs. Als Vorbild dient der FC Villarreal. Der spanische Dorfklub hatte sich im letzten Jahr bis ins Halbfinale der Champions League gekämpft und dabei auch den deutschen Rekordmeister Bayern München ausgeschaltet.

"Sie haben es vorgemacht", sagte Rode und Vorstandschef Axel Hellmann ergänzte: "Top 16 in Europa, und irgendwie so auf leisen Sohlen so ein verträumtes Villarreal - das ist etwas, was ich mir durchaus vorstellen kann." Leise aber kann Frankfurt nicht. Nach dem historischen Sieg in der Europa League in der vergangenen Saison schweben die Adler weiter durch Europa. Während die mitgereisten Anhänger in Lissabon ihr Glück kaum fassen konnten, versammelten sich in Frankfurt über 6000 Fans zum Public Viewing und feierten den Erfolg.

Götze kennt den Weg ins Finale

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Bei der nun folgenden Auslosung wird Eintracht Frankfurt einen Gruppensieger erwischen. Der SSC Neapel, der FC Porto, Chelsea, Manchester City sowie sehr wahrscheinlich Real Madrid und Paris Saint-Germain sind die möglichen Gegner in der Runde der letzten 16. "Auf Man City würde ich gerne verzichten", sagte Rode, der die Chancen der Adler realistisch einschätzte: "Jetzt gibt es nur noch ganz große Kaliber und Weltstars, die da kommen. Wir sind nicht chancenlos, aber sicher der Außenseiter."

Mit Spielern wie eben Rode, Torhüter Kevin Trapp, Götze, dem unwiderstehlichen Stürmer Kolo Muani und dem euphorisierten, wilden Anhang aber sind die Frankfurter ein Außenseiter mit respektablen Möglichkeiten. Zusätzlich haben sie noch die Geschichte auf ihrer Seite. Bei ihrem letzten Auftritt in der Königsklasse, die damals als Europapokal der Landesmeister firmierte, erreichte Eintracht Frankfurt in der Saison 1959/1960 das Finale. Erst dort endete der Weg mit einem 3:7 gegen Real Madrid. Wie man als absoluter Außenseiter ins Finale einzieht, können nicht nur die alten Frankfurter erzählen, sondern auch Mario Götze. Der hat das schon einmal erlebt, damals mit Borussia Dortmund und Jürgen Klopp. Vorher könnte er in Katar ... Aber gut, das ist eine andere Geschichte. Götze hat einfach viel erlebt.

Quelle: ntv.de

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