Redelings Nachspielzeit

Verrückte Schalker Zeiten Als Neuer seinen Trainer spektakulär rettete

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Gemeinsam erfolgreich gekämpft.

Mal wieder Reibereien auf Schalke - das ist nichts Ungewöhnliches bei den Königsblauen. Doch vor fünfzehn Jahren gab es dafür eigentlich keine guten Gründe. Der FC Schalke 04 rangierte ganz oben in der Tabelle und hatte eine erfolgshungrige Mannschaft. Doch ein Problem musste erst noch gelöst werden.

Was würden sich die Schalker die Finger ablecken, wenn sie heute noch einmal in der Situation des Herbsts 2006 wären! Anfang November vor genau fünfzehn Jahren war man Tabellen-Vierter in der ersten Fußball-Bundesliga - und das auch nur, weil die Mannschaft am Wochenende zuvor gegen Bayern München eine deutliche 2:0-Führung am Ende noch verschenkt hatte und sich mit einem Unentschieden zufriedengeben musste. Doch damals zitterte Trainer Mirko Slomka nicht nur um seinen Job, nein, der Ast, auf dem saß, war schon halb abgeschnitten.

Ohne Skrupel verkündete Präsident Gerd Rehberg nach dem Bayern-Spiel, dass man bereits Augen und Ohren nach einem geeigneten Nachfolger offenhalten würde. Es gab nur wenige Experten und Kiebitze am Schalker Markt, die in diesen Stunden und Tagen noch einen Pfifferling auf Mirko Slomka setzten. Doch es sollte anders kommen. Fundamental anders.

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Nur sechs Monate später stand ganz Gelsenkirchen Kopf, weil der Gewinn der Deutschen Meisterschaft zum Greifen nahe war. Niemand hatte diese Entwicklung vorausgesehen - bis auf einen. Lothar Matthäus hatte schon vor der Saison gesagt: "Für mich besteht kein Zweifel: Schalke 04 wird der hartnäckigste Konkurrent von Meister Bayern sein. Wegen der Klasse der Spieler müsste Schalke 04 sogar Meister werden."

Ein Fragebogen mit viel Sex und Erotik

Doch selbst Lothar Matthäus hatte Anfang November 2006 einsehen müssen, dass seine Prognose zwar viel Wahres enthielt, aber die speziellen Schalker Umstände die Realität anders aussehen ließ. In den Medien wurde offen darüber diskutiert, dass es sich Mirko Slomka mit großen Teilen der Mannschaft verscherzt hatte. Und tatsächlich waren einige seiner neuen Methoden für die Profis äußerst gewöhnungsbedürftig.

So zeigte sich beispielweise Stürmer Kevin Kuranyi besonders vom sogenannten REISSprofil-Test irritiert, auf den sein Coach große Stücke hielt. Der Test sollte seinen Teilnehmern allerhand intime Dinge entlocken. Vor allem die Themen Sex und Erotik waren den Schalker Spielern allerdings etwas peinlich - gingen sie doch ziemlich ins Detail. Die Ergebnisse waren aber angeblich allein streng wissenschaftlich zu sehen.

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Kaum zu glauben bei diesen Antwortmöglichkeiten: "Ich versuche, mehr Sex zu haben", "Ich brauche häufigen Sex", "Ich bin stolz auf meine erotischen Erfahrungen" und "Ich bin das, was man 'sexuell zügellos' nennt". Welche Erkenntnisse das Trainerteam um Slomka genau aus den Antworten gewinnen konnte, ist unbekannt. Die Kritik der Spieler wurde allerdings öffentlich - und immer lauter.

Slomkas Geschichte vom Nagel und dem Loch, das bleibt

Doch es dauerte bis einige Tage vor der Partie gegen die Bayern, bis die Lage endgültig eskalierte. Torhüter Frank Rost hatte sich in einer Mannschaftssitzung lautstark mit seinem Trainer angelegt. Das konnte Mirko Slomka, ohne unwiderruflich sein Ansehen zu verlieren, nicht mehr durchgehen lassen - und so suspendierte er seinen bisherigen Stammkeeper für das Spiel gegen den Rekordmeister. Was Slomka zu diesem Zeitpunkt noch nicht wissen konnte: Er hatte mit dieser Entscheidung dem Schicksal einen Arschtritt in die richtige Richtung verpasst.

Ben Redelings ist ein leidenschaftlicher "Chronist des Fußballwahnsinns" und Anhänger des ruhmreichen VfL Bochum. Der Bestseller-Autor und Komödiant lebt im Ruhrgebiet und pflegt sein legendäres Anekdoten-Schatzkästchen. Für ntv.de schreibt er montags und samstags die spannendsten und lustigsten Geschichten auf. Weitere Informationen zu Ben Redelings, seinen aktuellen Terminen und seinem aktuellen Buch ("60 Jahre Bundesliga. Das Jubiläumsalbum") gibt es auf seiner Seite www.scudetto.de.

Denn Rost wurde ersetzt durch den überaus talentierten Jungtorwart Manuel Neuer - und plötzlich lief es. Von den nächsten 13 Partien wurden 11 Spiele gewonnen. Monatelang führte Schalke so die Bundesliga-Tabelle an. Und ganz nebenbei war genau das passiert, was Präsident Gerd Rehberg noch in den trüben Tagen des Chaos nach dem Bayern-Spiel gefordert hatte: "Es wäre schon wichtig, in der Bundesliga endlich eine Serie zu starten!"

Maßgeblich am Aufschwung beteiligt war damals der heutige Weltklasse-Keeper Manuel Neuer. Mit seiner Klasse im Tor und seinem extremen Ehrgeiz rettete er im Herbst vor fünfzehn Jahren auf spektakuläre Weise seinen Trainer Mirko Slomka vor dem Rauswurf - und startete selbst, aufgrund des Vertrauens, das sein Coach in ihn gesetzt hatte, seine einzigartige Karriere.

Dass es am Ende dann doch nicht zur Deutschen Meisterschaft für die Königsblauen reichte, ist eine andere Geschichte. Nur ein weiteres Jahr später warf Manager Andreas Müller schließlich seinen Coach raus. Schalke stand zu diesem Zeitpunkt auf dem dritten Tabellenplatz (!). Voller Enttäuschung über das mangelnde Vertrauen in seine Person hatte Mirko Slomka schon im Frühjahr einen denkwürdigen Satz gesagt: "Wenn sie zu Hause einen Nagel in die Wand schlagen, voller Überzeugung, und stellen dann fest, das Bild passt nicht. Dann können sie den Nagel rausziehen, aber das Loch bleibt."

Quelle: ntv.de, Von Ben Redelings

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