Redelings Nachspielzeit

Franz Beckenbauer gesteht Die unerwiderte Liebe eines Ballettstars

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(Foto: imago images/Fred Joch)

Am Freitag feiert Franz Beckenbauer nach einem äußerst ereignisreichen Leben seinen 75. Geburtstag. Doch der ehemalige Weltstar und Weltmeister hat nicht nur auf dem Platz Geschichte geschrieben. Auch den Boulevard wusste er stets zu bedienen.

Franz Beckenbauer und die Liebe - alleine das Thema würde wohl mehrere Groschenromane füllen. Und zwar äußerst unterhaltsame. Denn der Mann, den sie überall auf der Welt den "Kaiser" nennen, hat schon früh damit begonnen, auch abseits des Platzes Geschichte und Geschichten zu schreiben. Bereits vor seiner Volljährigkeit landete der Jungstar des FC Bayern einen echten Volltreffer. Sein Sohn Thomas war schließlich das Ergebnis einer unehelichen Verbindung. In den sechziger Jahren war dies gesellschaftlich ein so großes Problem, dass man Beckenbauer wegen moralischer Bedenken zuerst nicht zu einem Auswahlspiel der DFB-Jugendnationalmannschaft einladen wollte.

Doch Bundestrainer Sepp Herberger setzte sich für das herausragende Fußballtalent persönlich ein und so durfte Beckenbauer schlussendlich doch anreisen. Was er zu diesem Zeitpunkt noch nicht wusste: Man hatte sich zu seinem eigenen und dem Schutz der guten Sitten etwas Besonderes für ihn einfallen lassen. Denn sein Zimmernachbar war niemand Geringeres als der DFB-Jugendtrainer Dettmar Cramer höchstpersönlich. Im Nachhinein sollte sich diese erste, ungewöhnliche Zusammenkunft als großer Glücksfall für die beiden herausstellen. Beckenbauer und Cramer wurden über viele Jahre zu engen Weggefährten.

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Doch zurück zur Liebe. Der "Playboy" schrieb einmal gewohnt doppelsinnig über den Weltmeister von 1974: "Der Kaiser selbst trägt sein Reich in sich". Und Erotikexpertin Erika Berger war sich bei ihrem "WM-Sex-Test" für die Zeitschrift "Quick" im Jahre 1990 sicher: "Beckenbauer - er ist immer eine Spur geheimnisvoll. Frauen macht das neugierig." Der Kaiser selbst sah das Thema zumeist betont unaufgeregt. So war es eines seiner Ziele als frisch ernannter Teamchef der Nationalmannschaft im Herbst 1984 eine ganz spezielle Unterkunft für die Mannschaft zu suchen, um ausschweifende Damenkontakte zu vermeiden.

Die Sportschule als Start der Liebe

Statt in große Hotels quartierte man sich in Sportschulen ein. Beckenbauer selbst begründete dies so: "Weil Sportschulen für die intensive Vorbereitung einer Mannschaft besser geeignet sind. Man kann dort mit den Spielern ruhiger und ungestörter arbeiten." Allerdings klappte das im Falle von Beckenbauer selbst nur so semi-gut, wie eine Leserfrage im "fußball-magazin" kurz darauf verriet. Ein junger Mann wollte wissen, wo Beckenbauer denn seine jetzige Frau kennengelernt habe. Schmunzelnd musste der Teamchef eingestehen: "Das passt ja: in einer Sportschule. Sie war dort Angestellte im Büro."

Viele Jahre und viele Frauen später heiratete Beckenbauer während der Weltmeisterschaft 2006 im eigenen Land. Er erinnert sich: "Wir wollten es geheim halten, und das ging nur während der WM. Es war sogar so geheim, dass im Standesamt zunächst kein Licht anging und alles dunkel war. 'So geheim braucht's ihr das auch nicht zu halten', hab ich dann gesagt, und es wurde Licht".

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Legendär ist bis heute ein folgenreicher Seitensprung auf einer Weihnachtsfeier des FC Bayern. Das uneheliche Kind verteidigte Beckenbauer später mit den Worten: "Der liebe Gott freut sich über jedes Kind". Zudem kann der Ehrenspielführer der deutschen Nationalmannschaft für seine kleinen Sünden wohl selbst eigentlich nicht allzu viel: "Ich habe mal einen Stammbaum machen lassen: Die Wurzeln der Beckenbauers liegen in Franken. Das waren lustige Familien, alles uneheliche Kinder. Wir sind dabei geblieben". Die späteren kleinen Folgen seiner Abenteuer wollte er allerdings nie selbst beseitigen: "Wenn es anfängt zu riechen, ist das Sache der Mutter".

"Rudolf, sei mir nicht bös"

So konservativ seine Meinung in diesem Fall erscheint, so fortschrittlich dachte er schon früh in einem anderen Bereich. Ende der siebziger, Anfang der achtziger Jahre war Cosmos New York der Place-to-be für alternde Weltstars. In New York lebte der Kaiser Tür an Tür mit anderen Berühmtheiten, wie beispielsweise dem weltbekannten Balletttänzer Rudolf Nurejew. Und da gab es eine besondere Nummer zwischen den beiden, wie Beckenbauer einmal erzählte: "Rudolf war sechs Monate mein Zimmernachbar. Ein verrückter Hund. Bissel von der anderen Fakultät, der ich also nicht angehöre, wie man, glaube ich, mittlerweile weiß."

Ben Redelings ist ein leidenschaftlicher "Chronist des Fußballwahnsinns" (Manni Breuckmann) und Anhänger des ruhmreichen VfL Bochum. Der Autor, Filmemacher und Komödiant lebt im Ruhrgebiet und pflegt sein Schatzkästchen mit Anekdoten. Für ntv.de schreibt er dienstags und samstags die spannendsten und lustigsten Geschichten auf. Weitere Informationen zu Bens aktuellem Buch und seinem gleichnamigen Tourprogramm ("Fußball. Die Liebe meines Lebens") gibt es auf seiner Seite www.scudetto.de.

"Und ich weiß noch recht gut - wahrscheinlich ist es unhöflich, es zu erzählen, aber vielleicht ist es ganz nett -, er hat mir immer seine Ballettkarten gegeben, ich habe ihm Fußballkarten gegeben; er ist aber kein einziges Mal gekommen, weil er kein Fußballer war. Aber seine Sekretäre, Italiener, die sind natürlich immer zu uns ins Fußballstadion gegangen. Und dann haben wir uns einmal verabredet. Da sind wir irgendwo auf die andere Seite rübergefahren nach, nach Brooklyn in dieses Riverside Café - super unten am Eastriver, wo du rübersiehst zur Skyline von New York."

"Und dann, ja, wir sitzen hinten drin, Rudolf neben mir und er kommt ein bisschen näher und versucht sich ein bisschen mit meinem Knie zu beschäftigen; ich mein, ich kannte ja seine Neigungen. Und da habe ich gesagt: 'Rudolf, sei mir nicht bös. Bevor du jetzt weiter oder noch näher zu mir heranrutschst, bleib drüben sitzen, ich gehöre einer anderen Fakultät an.' Aber der hat das hingenommen, super; wir sind auch weiter Freunde geblieben und haben uns, was weiß ich, da und dort immer wieder getroffen …"

Franz Beckenbauer wurde einmal gefragt, ob Nurejew denn nicht gewusst habe, dass er "einen besonderen Schlag bei Frauen" hatte? Und der Kaiser antwortete entspannt: "Mei, er hat's halt versucht. Wir haben nie wieder darüber gesprochen, ich war ihm da aber auch nicht böse. Unerwiderte Liebe ist ja ein klassisches Opernmotiv, da wollte ich nicht in der Wunde bohren". Und beim Thema Liebe kennt sich Franz Beckenbauer, wie wir wissen, nun mal allgemein recht gut aus.

Quelle: ntv.de