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Am Ende ist das Gejammer wieder groß - schließlich muss es ja so kommen.
Am Ende ist das Gejammer wieder groß - schließlich muss es ja so kommen.(Foto: imago sportfotodienst)
Dienstag, 12. Juni 2018

Redelings über die verflixte 8: Warum die DFB-Elf bei der WM scheitert

Von Ben Redelings

Das Trauma hat einen Namen und hört auf die Zahl "8". Noch nie ist es einer deutschen Fußball-Nationalmannschaft gelungen, bei einer Weltmeisterschaft im Jahr mit einer "8" am Ende den Titel zu holen. Das kann kein Zufall sein!

Alles begann im Jahr 1938. Im März hatte Hitler-Deutschland Österreich "heim ins Reich" geholt. Für Bundestrainer Sepp Herberger bedeutete dies, dass er seine erfolgreiche, sogenannte "Breslauer Elf", die das damals bärenstarke Dänemark mit 8:0 auseinandergenommen hatte, aufsprengen musste. Die Vorgabe von ganz oben lautete: Das Verhältnis zwischen den deutschen und den österreichischen Spielern musste 6:5 oder 5:6 betragen. Das erzeugte naturgemäß Konfliktpotential. Zudem waren sich die Kicker untereinander ohnehin häufig fremd, manchmal sogar spinnefeind. Und so ging der Plan, aus zwei sehr guten Mannschaften ein Superteam zu bauen, gründlich schief. Die Elf um Paul Janes und Fritz Szepan auf deutscher Seite und Josef Stroh und Wilhelm Hahnemann auf österreichischer Seite schied unter dem Jubel der französischen Zuschauer in Paris im Entscheidungsspiel ausgerechnet gegen die Schweiz mit 2:4 aus. Eine große Schande. Vielleicht aber war das frühe Aus am Vorabend des Zweiten Weltkriegs auch gar nicht so schlecht.

Stimmung auf Schwedisch.
Stimmung auf Schwedisch.(Foto: imago/Horstmüller)

1958 kamen einige Dinge auf einmal zusammen. Ausgerechnet in diesem Jahr wurde in Schweden das erste Möbelhaus einer Kette eröffnet, die später die ganze Welt mit ihrer preiswerten, manchmal allerdings nicht ganz so simplen Aufbauware ausstatten sollte. 2006 sangen die deutschen Fans beim Sieg über Schweden, "Ihr seid nur ein Möbellieferant. Wir drehen euch die Schrauben aus dem Schrank", doch 1958 peitschten die schwedischen Schlachtenbummler ihre Mannschaft unter dem Einsatz von Megafonen so frenetisch zum Halbfinalsieg über Deutschland, dass nach der Partie DFB-Präsident Peco Bauwens irritiert und beleidigt verkündete, "dieses Pflaster nie wieder zu betreten" - mit "Pflaster" meinte er natürlich ganz Schweden. Dabei hatte alles so gut begonnen, als Horst Szymaniak, der Junge aus dem Ruhrgebiet, bei der feierlichen Begrüßung zum schwedischen König noch freudestrahlend meinte: "Dat kenn ich vom Schützenfest in Oer-Erkenschwick."

"I werd narrisch"

Bei der WM 1978 in Argentinien war das Ding von Anfang an durch. Als amtierender Weltmeister reiste man in das Land einer brutalen Militärdiktatur und scherte sich vorher und vor Ort nicht um die politischen Verhältnisse. Zu allem Überfluss bezog man dann auch noch eine Unterkunft an einem gottverlassenen Fleckchen Erde in der absoluten Einöde. Ascochinga hieß der Ort - das ist Indianisch und bedeutet tatsächlich "Toter Hund".

Der Mann an der Orgel: Franz Lambert.
Der Mann an der Orgel: Franz Lambert.(Foto: imago/Horstmüller)

Einkaserniert, mit den Journalisten in einer Unterkunft, vier Wochen ohne Telefon und Frauen - dafür aber mit dem Mann mit der Orgel: Franz Lambert. Hansi Müller, der schöne Hansi, hat sich einmal an diese sehr speziellen Momente unter argentinischer Sonne erinnert und gemeint: "Als der arme Kerl als erstes Lied die ‚Schicksalsmelodie’ von Karel Gott anstimmte, hatte er schon verloren. Es war wirklich grausam." Zwangsläufig endete die Zeit mit dem "musikalischen Seelen-Masseur unserer Nationalmannschaft", wie sich Lambert selbst bezeichnete, mit einem Spiel, das als die "Schmach von Cordoba" in die Geschichte einging. Bis heute klingelt der Ruf des österreichischen Kommentators Edi Finger in unseren Ohren nach: "I werd narrisch. Jetzt haben wir se geschlagen!"

Ist Andy Möller eine Heulsuse?

Auch bei der WM 1998 war irgendwie von Anfang an der Wurm drin. Ernsthaft hatte man nach dreieinhalbjähriger Pause und mit 37 Jahren Lothar Matthäus aus der DFB-Rente zurück auf den Platz geholt. Doch das war noch nicht alles: Denn da war auch noch der Eklat um Andy Möller. Seine Frau Michaela hatte ihrem Mann Andreas aufgeregt berichtet, dass sie von der Trainerbank eindeutig die Titulierungen "Heulsuse" und "Blinder" vernommen habe, als sich ihr Gatte warm machte. Sie reiste sofort aus Frankreich ab - und riet ihrem Mann, es ihr gleichzutun. Der blieb jedoch und musste so mit ansehen, wie die Kroaten im Viertelfinale das deutsche Team mit 3:0 zerlegten. Vorher hatte Bundestrainer Berti Vogts noch launig angemerkt: "Die Kroaten sollen ja auf alles treten, was sich bewegt - da hat unser Mittelfeld ja nichts zu befürchten." Doch am Ende kassierte ausgerechnet ein Deutscher eine rote Karte: Christian Wörns musste nach einer Notbremse gegen Davor Suker das Feld verlassen - und der Abend war für das deutsche Team gelaufen.

Das Schicksal scheint nun also für die diesjährige WM vorprogrammiert. Doch woran wird es am Ende gelegen haben? Eigentlich würde man nun gerne Paul, das Kraken-Orakel von 2010, befragen. Schließlich lag er damals mit all seinen acht Tipps goldrichtig. Doch Paul ist schon lange in seiner krakenförmigen Urne aus Gold beerdigt. Aber wer weiß? Vielleicht gelingt der deutschen Elf in diesem Jahr ja auch das Wunder und der Fluch der verflixten "8" wird besiegt. Der Fußball schreibt schließlich immer noch die schönsten Geschichten - und das wäre in der Tat eine ganz besondere!

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Quelle: n-tv.de