Technik

Günstige Geräte, teure Nutzung Heizlüfter sind keine gute Alternative zur Gasheizung

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Die Nachfrage nach Heizlüftern ist stark gestiegen.

(Foto: picture alliance/dpa)

Die Gaspreise sind in den vergangenen Monaten bereits enorm gestiegen und sie werden noch deutlich weiter nach oben gehen. Viele Verbraucher schaffen sich deshalb als Alternative elektrische Heizlüfter an. Doch die Rechnung geht nicht auf, die Geräte verbrennen noch mehr Geld als Gasheizungen.

Eigentlich eher als Notlösung oder für den mobilen Einsatz gedacht, werden elektrische Heizlüfter aktuell stark nachgefragt - und das mitten im Hochsommer. Januar bis Juni 2022 wurden in Deutschland rund 600.000 Einheiten verkauft, knapp 35 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.

Der Grund dafür liegt auf der Hand: Die Verbraucher suchen nach Alternativen zu ihren immer teurer werdenden Gasheizungen. Einige fürchten auch, man könnte ihnen - zumindest zeitweise - den Hahn abdrehen.

Gaspreise schießen in die Höhe

Bereits im vergangenen Herbst und Winter haben sich die Gaspreise von 6 auf über 15 Cent pro Kilowattstunde (kWh) mehr als verdoppelt. Nach einem vorübergehenden Rückgang gehen sie durch die gedrosselten russischen Lieferungen und nach wie vor hoher weltweiter Nachfrage seit Ende Mai wieder steil nach oben.

Aktuell müssen Neukunden mit einem Jahresverbrauch von 20.000 kWh laut Vergleichsportal Verivox mehr als 26 Cent/kWh zahlen. Ein Ende ist nicht in Sicht, mehrere Versorger haben für den Herbst bereits Verteuerungen teilweise um mehr als 100 Prozent angekündigt und die geplante Gas-Umlage könnte die Kilowattstunde um weitere 1,5 bis 5 Cent verteuern.

Nur die Anschaffung ist günstig

Doch Heizlüfter sind kein Ausweg aus der Preisspirale. Die Anschaffungskosten je nach Leistung von etwa 50 bis 200 Euro sind zwar überschaubar. Allerdings unterschätzen die Käufer die Betriebskosten der Geräte, auch wenn deren Wirkungsgrad nahe 100 Prozent liegt.

Heizlüfter sind technisch sehr einfache Geräte. Im Prinzip arbeiten sie wie ein Ventilator, der elektrisch erhitzte Luft in den Raum bläst. Den Heizungsexperten von Thermondo nach ist die Faustregel, dass man pro Quadratmeter (m²) eine Leistung von 100 Watt (W) benötigt, um einen Raum ausreichend zu erwärmen. Das heißt, für ein 20-Quadratmeter-Zimmer braucht man ein Gerät mit 2000 W Nennleistung.

180 Euro pro Monat für ein 20-Quadratmeter-Zimmer

Das wiederum bedeutet, dass der Heizlüfter in einer Stunde zwei kWh Strom verbraucht. Wenn man den vom Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) im Juli ermittelten Durchschnittspreis von 37,3 Cent zugrunde legt, kostet das rund 75 Cent. Möchte man den Raum acht Stunden pro Tag heizen, kommt man auf 6 Euro. Für ein einzelnes Zimmer kommt man also bereits pro Monat auf 180 Euro Stromkosten.

Laut Mietrecht geht die Heizphase in Deutschland von 1. Oktober bis 30. April, also sieben Monate. Bei gleich bleibendem Heizbedarf würde dies für das 20-Quadratmeter-Zimmer 1260 Euro bedeuten. Gibt es mehr milde Tage zu Anfang und Ende der Heizperiode, kommt man vielleicht auf 1000 Euro.

Gasheizung immer noch deutlich günstiger

Als der Strompreis noch dreimal höher als der Gaspreis war, gab es keine Zweifel, welche Heizmethode die günstigere ist. Inzwischen ist der Unterschied zwar nicht mehr ganz so hoch, aber immer noch deutlich. Laut Eon beträgt der durchschnittliche Heiz-Gasverbrauch pro Quadratmeter Wohnfläche ungefähr 140 kWh im Jahr. Für einen Raum mit 20 m² sind das also 2800 kWh.

Bestandskunden zahlen der aktuellen BDEW-Analyse nach knapp 14 Cent/kWh, womit die Gasheizung für 20 m² im Jahr 392 Euro kostet. Beim aktuellen Preis für Neukunden von 27 Cent kommt man auf 756 Euro, addiert man 5 Cent Umlage, steigt die Rechnung auf 896 Euro. Erst bei 36 Cent/kWh erreicht man mit 1008 Euro die Stromkosten des Heizlüfters.

Auch die Strompreise steigen stark an

Voraussetzung für einen Gleichstand wäre allerdings ein unveränderter Strompreis. Damit ist aber nicht zu rechnen. Wenn auch nicht so extrem wie bei Gas, ist in den vergangenen Monaten auch Strom teurer geworden. Im vergangenen Jahr kostete die Kilowattstunde durchschnittlich noch knapp 32 Cent, jetzt sind es bereits rund 37 Cent.

Neukunden zahlen laut "Forbes" aktuell schon im Schnitt 41 Cent und wie es weitergeht, zeigt die Ankündigung des Baden-Württembergischen Versorgers EnBW, die Strompreise ab Oktober im Grundversorgungstarif um durchschnittlich 31 Prozent anzuheben.

Möglicher Ausfall von Gasheizungen "Panikmache"

Dass man ihnen aus Knappheit das Gas abstellt, müssen Bundesbürger kaum befürchten. Privathaushalte gehören zu den geschützten Verbrauchern, deren Versorgung auch bei einer akuten Gasknappheit gesetzlichen Vorrang hat und dem Wirtschaftsministerium nach "möglichst bis zuletzt" aufrechterhalten werden soll.

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Laut "Bild-Zeitung" soll man im Kanzleramt kürzlich über die Gefahr gesprochen haben, dass durch Gasmangel der Druck im Netz möglicherweise so stark abfällt, dass sich viele Heizungen aus Sicherheitsgründen abschalten könnten. Auch wenn sich der Druck wieder normalisiert, blieben sie aus, bis sie von Fachleuten wieder in Betrieb genommen werden.

BDEW-Hauptgeschäftsführerin Kerstin Andreae nennt solche Spekulationen allerdings "Panikmache". Richtig sei zwar, dass ein Techniker gebraucht werde, um Heizungen nach einem Ausfall wieder in Gang zu bringen, sagte sie in der ntv-Sendung "Frühstart", für einen möglichen Druckabfall in Leitungen gebe es aber Vorkehrungen. "Wenn jetzt in einem Straßenzug, in einer Gasleitung, solche Probleme auftreten, dann wissen die Netzbetreiber und die Akteure dies sehr genau und können sehr frühzeitig agieren."

Quelle: ntv.de

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