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Brüder weiter auf der Flucht Kinox.to: Zwei Festnahmen in NRW

In Nordrhein-Westfalen nimmt die Polizei im Rahmen ihrer Ermittlungen gegen das Video-Streaming-Portal "kinox.to" zwei Männer fest. Der Dienst selbst ist aber weiter online und verspottet Urheberrechtsschützer.

Am Wochenende wurde bekannt, dass die Dresdner Staatsanwaltschaft gegen die Betreiber des Video-Streaming-Portals "kinox.to" ermittelt und in vier Bundesländern Razzien stattfanden. Zwei Hauptverdächtige seien auf der Flucht, es werde europaweit nach ihnen gefahndet, hieß es. Dabei handelt es sich um zwei Brüder aus einem Ort nahe Lübeck. Insgesamt gäbe es vier Hauptverdächtige, sagte der für die Pressearbeit zuständige Oberstaatsanwalt Wolfgang Klein dem Nachrichtenportal "RP Online". Ermittler hätten in Düsseldorf und Dormagen zwei Männer festgenommen. Einer der beiden sei ein IT-Experte, schreibt "RP Online". Die flüchtigen Brüder seien offensichtlich schon seit längerem aus Deutschland verschwunden, sagte Klein.

"Wollt ihr Google sperren"

Auch wenn die Betreiber auf der Flucht oder bereits festgenommen sind, ist "kinox.to" weiter online. Auf der Webseite heißt es zu den Ermittlungen, der Dienst stelle keine direkten Links zu den jeweiligen Streams zur Verfügung, sondern indexiere sie, wie es auch Google mache. "Wollt ihr als nächstes Google sperren?", fragen die Verfasser. Das Portal biete außerdem die Möglichkeit, per Kontaktformular auf Copyrightverstöße hinzuweisen. Gleichzeitig stellt "kinox.to" aber auch Ersatz-Domains zur Verfügung und gibt Tipps zur anonymen Nutzung seines Angebots, unter anderem mit dem Browser des Tor-Netzwerks. Bei der Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzung (GVU) bedankt sich der Streamingdienst "für die extreme (unbezahlbare) Werbung".

Warum Dresden?

Die GVU hat jetzt eine Pressemitteilung veröffentlicht, die die Hintergründe der Ermittlungen beleuchtet. Sie zeigt, dass die Urheberrechtsschützer schon seit fast vier Jahren hinter den Betreibern von kinox.to her sind. Im Januar 2011 hätten "intensive Recherchen und Vorermittlungen" zu dem Verdacht geführt, dass die mutmaßlichen Verantwortlichen des Spiele-Download-Portals Rom-Freaks.net. auch die Online-Speicherdienste Bitshare und Freakshare sowie weitere illegale Online-Angebote betreiben könnten. Am 8. Oktober 2012 stellte die GVU daher Strafanzeige in Lübeck gegen die flüchtigen Brüder.

Am 9. Januar 2013 habe die Lübecker Polizei die Wohnräume der Beschuldigten durchsucht und Festplatten, Rechner und Dokumente sichergestellt, heißt es in der Pressemitteilung. Die Auswertung habe "Indizien verdichtet", nach denen die Verdächtigen auch Movie4k.to, MyGully.com, Boerse.sx und auch kinox.to betreiben. Da sich auch der Anfangsverdacht auf Verbindungen zum 2011 abgeschalteten Streaming-Portal kino.to weiter erhärtet habe, sei die Generalstaatsanwaltschaft Dresden informiert worden, die nach wie vor für kino.to zuständig sei.

In Dresden habe dann die für große und schwerwiegende Fälle der Wirtschafts-, Umwelt- und organisierten Kriminalität zuständige Integrierte Ermittlungseinheit Sachsen (INES) Kontakt zur Staatsanwaltschaft Lübeck aufgenommen. Nachdem die INES Anhaltspunkte für ihre Zuständigkeit erkannt habe, habe sie das Lübecker Verfahren übernommen und in den Kino.to-Komplex integriert.

Quelle: n-tv.de, kwe

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