Technik

Clevere Technik aus Berlin Livy Alive ist ein smarter Aufpasser mit Datenschutz

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Auf den ersten Blick sieht hier die Livy Alive wie eine Deckenleuchte aus.

(Foto: HUM Systems)

Das Berliner Start-up HUM Systems bietet mit Livy Alive einen smarten Aufpasser an, der viele Überwachungsfunktionen in einem kompakten und attraktiven Gerät vereint, ohne dabei den Datenschutz außer Acht zu lassen. ntv.de hat die Smart Living Station installiert.

Das Angebot an Überwachungsgeräten für das vernetzte Heim ist groß, ihr Nutzen liegt auf der Hand. Aber obwohl sie grundsätzlich ein starkes Sicherheitsbedürfnis haben, fremdeln viele Menschen noch mit der Technologie und scheuen davor zurück, smarte Aufpasser in den eigenen vier Wänden zu installieren. Zum Teil ist ihnen die Angelegenheit zu aufwändig und kompliziert, andererseits haben sie Datenschutzbedenken. Die rund 400 Euro teure Smart Living Station Livy Alive des Berliner Start-ups HUM Systems könnte sie zum Umdenken bewegen.

Schickes Design

Zunächst unterscheidet sich das rund 16 x 16 x 3,5 Zentimeter große Gerät schon durch sein ansprechendes Äußeres von den meisten Smart-Home-Konkurrenten. Es hat eine spiegelnde Oberfläche, die von einem grauen Stoffbezug umrandet ist und könnte auch eine attraktive Wand- oder Deckenleuchte im 70er-Jahre-Look sein.

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Bei der Wandmontage mit USB-C-Anschluss stört ein baumelndes Kabel, das man auf PR-Bildern so nicht sieht.

(Foto: kwe)

Die Halteplatte der Livy Alive wird entweder angeschraubt oder per Haftfläche angeklebt. Die Station wird von einem Netzteil via USB-C-Kabel mit Strom versorgt, man kann sie aber auch anstatt einer Lampe an einem freien Anschluss anbringen oder von einem Elektriker mit der Lichtanlage verbinden lassen. Um Stromausfälle zu überbrücken, ist auch ein Akku an Bord.

Kamera sieht auch nachts

Im Inneren stecken eine 180-Grad-Kamera mit Nachtsicht-Funktion, zahlreiche Sensoren, ein Lautsprecher und fünf Mikrofone. Damit kann die Livy Alive Überwachungsfunktionen übernehmen, für die sonst mehrere Geräte nötig sind. Aktuell misst die Station Bewegungen (Radar), Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Luftdruck, Kohlendioxid- und Kohlenmonoxid-Konzentration, flüchtige organische Schadstoffe (VOC), Helligkeit und Geräuschpegel.

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Von der Seite betrachtet, sieht man den Abstand zur Wand.

(Foto: kwe)

Gesteuert wird die Livy Alive über die zugehörige App. In ihr kann man unter anderem festlegen, bei welchen kritischen Werten man selbst und andere Personen Push-Mitteilungen erhalten sollen. Außerdem kann man in der Anwendung Mitbewohner hinzufügen. Wird man unterwegs benachrichtigt, kann man über die Kamera in Echtzeit nachschauen, was los ist.

Alarm und Benachrichtigung

Wird in einer verlassenen Wohnung eine verdächtige Bewegung registriert, kann die Livy Alive zusätzlich zur Push-Benachrichtigung einen Alarmton abspielen. Damit das nicht aus Versehen passiert, muss man die Funktion in der App zuvor scharf schalten. Die Sirene der Station kann auch bei einem zu hohen Kohlenmonoxid-Wert, oder wenn die Mikrophone die Sirene eines Rauchmelders registrieren, ertönen.

Zu den CO-Werten sollte bemerkt werden, dass dafür eine Deckeninstallation ungünstig ist. Da Kohlenmonoxid etwa die Dichte von Atemluft hat, verteilt sich das Gas gleichmäßig im Raum, weshalb Messgeräte ungefähr auf Brusthöhe angebracht werden sollten.

Alle Funktionen nur im Abo

Mit der Livy Home ist noch viel mehr möglich, dafür muss man allerdings zusätzlich ein Livy-Plus-Abo abschließen. In den ersten zwölf Monaten ist es aktuell inklusive, danach kostet es mindestens 5 Euro pro Monat. Dann kann man unter anderem den Bewegungsalarm automatisch aktivieren lassen, wenn man mit dem Smartphone die Wohnung verlässt und ein stiller Alarm ist möglich. Zusätzlich gibt's Lärmmitteilungen, Schimmel- und Frostwarnungen und eine 24-Stunden-Historie der Luftwerte.

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Die App ist aufgeräumt und übersichtlich.

(Foto: kwe)

Mit dem Pro-Paket ab monatlich knapp 10 Euro kann man im Alarmfall ein 30-sekündiges Video aufnehmen lassen, zu den Livy-Servern hochladen und für 30 Tage speichern. Damit ist es später beispielsweise möglich, Diebe überführen. Mit dem Pro-Abo kann man außerdem aus der Ferne mit unliebsamen Besuchern sprechen. Wenn das heimische Internet streikt, springt eine LTE-Verbindung über eine integrierte Telekom-SIM-Karte ein.

Mit einem kostenpflichtigen Abo erhalten Nutzer auch einen Haus- und Wohnungsschutzbrief, der beispielsweise einen Schlüsseldienst abdeckt, wenn man sich ausgesperrt hat. Ohne Abo kostet der Service monatlich 1,25 Euro.

Datenschutz nach DSGVO

Wichtig ist, dass bei allen Funktionen der Datenschutz gewahrt bleibt. HUM Systems tut dies bei den Cloud-Funktionen durch eine durchgehende Verschlüsselung (TLS) und mit Servern, die ausschließlich in der EU nach den Regeln der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) betrieben werden. Hard- und Software stammen aus einem Haus und das Berliner Unternehmen gibt an, regelmäßig von unabhängigen Instituten überprüft zu werden.

Vor Ort ertönt an der Livy Alive ein deutlich wahrnehmbarer Ton, wenn die Kamera aktiviert wird, zusätzlich leuchten die LEDs der Station auf. Gespräche zeichnet die Station zu keinem Zeitpunkt auf.

Weitere Funktionen folgen

Künftig soll die Livy Alive noch weitere Funktionen erhalten, unter anderem eine Sturzerkennung, die beispielsweise bei der Pflege alter Menschen zum Einsatz kommen kann. Kürzlich gab's bereits ein Update, mit dem die Livy Alive als Nachtlicht genutzt werden kann, das der Bewegungsmelder automatisch einschaltet.

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Durch ein integriertes Zigbee- und Thread-Modul soll die Station auch bald zum Gateway-Ersatz für andere Smart Home Produkte werden. Schon jetzt kann man die Livy Alive in Google Home integrieren und per Sprachbefehle steuern, für Apples Homekit ist das Gleiche in Arbeit.

Alles in allem hat die Livy Alive im Praxistest überzeugt. Bewegungen erkennt sie sehr akkurat auch auf größeren Entfernungen, die Kamera liefert gute Bilder auch bei Nacht. Die anderen Sensoren arbeiten ebenfalls zuverlässig, obwohl die Station an der Wand bei schlechter Luftqualität erwartungsgemäß etwas weniger sensibel reagiert als zentral im Raum stationierte Messgeräte oder Luftreiniger. Lobenswert sind auch die aufgeräumte App sowie viele Informationen und Hilfe-Möglichkeiten. Ein Wermutstropfen ist, dass man die volle Funktionalität nur mit einem recht teuren Zusatz-Abo erhält.

Quelle: ntv.de

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