Technik

Gerüstet für die Zukunft Welches HDR muss ein Fernseher können?

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Panasonic hat von Anfang an HDR10+ unterstützt, seine Geräte kommen aber auch mit Dolby Vision klar.

(Foto: Panasonic)

Ein neuer Fernseher muss HDR beherrschen, soviel ist klar. Doch welches Format muss es sein? Genügt HDR10 oder sollte das Gerät Dolby Vision oder HDR10+ unterstützen? Und was ist da eigentlich der Unterschied?

Es hat eine Weile gedauert, aber inzwischen sind HDR-Filme und -Serien bei den großen Streaming-Anbietern Standard, auf Blu-ray Discs ist High Dynamic Range schon länger eine Selbstverständlichkeit. Ein neuer Fernseher sollte also unbedingt die technischen Voraussetzungen dafür mitbringen. Doch HDR ist nicht gleich HDR. Es gibt einen Mindest-Standard und zwei konkurrierende Formate für eine optimierte Darstellung: HDR10+ und Dolby Vision. Was sind die Unterschiede und welches Format garantiert, dass ein Fernseher auch noch in fünf Jahren auf der Höhe der Zeit ist?

Was ist HDR eigentlich?

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Solche Szenen sehen mit HDR viel besser aus als ohne.

(Foto: Samsung)

Ein großer Dynamik-Umfang (High Dynamic Range) bedeutet zum einen, dass ein Fernseher sehr hell leuchten, gleichzeitig aber auch ein tiefes Schwarz erzeugen kann. So liefert der Bildschirm sowohl in dunkleren als auch in helleren Bereichen mehr Details. Zusätzlich sind HDR-Fernseher in der Lage, mehr Farben in feineren Abstimmungen anzuzeigen als herkömmliche Geräte.

HDR10

Ein Fernseher darf das Gütesiegel Ultra HD Premium der UHD Alliance tragen, wenn er neben der geforderten UHD-Auflösung (3840 × 2160 Pixel) die Mindestanforderungen für HDR10 erfüllt. Das bedeutet, dass das Display mindestens einen Farbumfang von 1056 Stufen (10 Bit) darstellen können muss - daher die Zahl 10.

Was die Lichtstärke für den Dynamik-Umfang (HDR) betrifft, verlangt die UHD Alliance entweder eine Spitzenhelligkeit von 1000 Candela pro Quadratmeter (cd/m²) bei einem Schwarzwert von 0,5 cd/m² oder 540 cd/m² bei 0,0005 cd/m².

OLED, LED, QLED

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Samsungs großer Konkurrent LG setzt bei seinen Top-Geräten auf OLED und Dolby Vision.

(Foto: LG)

Die unterschiedlichen Helligkeitswerte spiegeln die beiden derzeit konkurrierenden Display-Techniken wider. Bei OLED-Geräten leuchten die (organischen) Pixel selbst, weshalb sie vor allem bei den Schwarzwerten unschlagbar sind. Auch Farbdarstellung und Blickwinkelstabilität sind besonders gut. Und weil keine Hintergrundbeleuchtung notwendig ist, können die Bildschirme sehr dünn konstruiert werden. Schwächen haben OLED-TVs aber bei der maximalen Helligkeit.

LED-Fernseher haben LCD-Displays, bei denen Flüssigkristalle mit einem LED-Panel zum Leuchten gebracht werden. Für die gleichmäßige Verteilung der Hintergrundbeleuchtung ist eine Zwischenschicht zuständig. Daraus ergibt sich, dass LEDs eine wesentlich höhere Spitzenhelligkeit als OLEDs erreichen können, aber bei den Schwarzwerten deutlich weiter von der 0 entfernt sind als die organische Konkurrenz.

Eine verbesserte LED-Variante stellen sogenannte QLED-Bildschirme dar. In der Zwischenschicht sitzen hier sogenannte Quantum Dots. Sie werden von blauem Licht angestrahlt und leuchten rot und grün. Weil die Farben für sich besonders rein sind, ergeben sie gemischt auch ein besonders "sauberes" Weiß. QLED nennt Samsung diese Technologie, es gibt sie aber auch in ähnlicher Form von anderen Herstellern, beispielsweise Sony (Triluminos).

Dolby Vision

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Dolby Vision bietet die meisten Möglichkeiten, die aber noch nicht genutzt werden können.

(Foto: Dolby)

HDR10 hat den großen Nachteil, dass die Farb- und Kontrast-Einstellungen bei einem Film nur einmal definiert werden. Das ist vor allem problematisch, wenn ein Streifen keine monotone Lichtstimmung hat, sondern sich viele hellere oder dunklere Szenen abwechseln. Besser ist eine dynamische Bildanpassung, wie sie Dolby Vision liefert. Theoretisch können bei dieser Technik die Metadaten für jede Einzelaufnahme gesondert abgespeichert werden.

Außerdem bietet Dolby Vision einen noch viel höheren Farbumfang als HDR10. 12 Bit bedeuten 4096 Abstufungen, womit theoretisch bis zu 68 Milliarden verschiedene Farbtöne dargestellt werden können. Bei 10 Bit sind es nur etwas mehr als 1 Milliarde. Und auch bei der Spitzenhelligkeit kennt Dolby Vision mit bis zu 10.000 cd/m² fast keine Grenzen.

Doch die theoretischen Möglichkeiten übersteigen derzeit die praktischen Fähigkeiten selbst der besten aktuellen Fernseher bei Weitem. Noch kein handelsübliches Gerät kann 12 Bit darstellen und wenn die Leuchtdichte 4000 cd/m² erreicht, ist man beim derzeitigen Optimum angelangt - und das unterstützt auch noch HDR10. 2000 cd/m² sind schon klasse, 1000 die Realität der breiten Masse.

Aktuell bietet Dolby Vision also auch bei einem sehr guten Fernseher nur den Vorteil der dynamischen Bildanpassung. Außerdem verlangt Dolby für Dolby Vision Lizenzgebühren, weshalb die Technologie eher bei hochpreisigen Geräten eingesetzt wird, also häufig OLED-Fernseher.

HDR10+

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HDR10+ hat starke Unterstützer, die aber zunehmend gleichzeitig auf Dolby Vision setzen.

(Foto: Samsung)

Seit etwas mehr als zwei Jahren gibt es HRD10+, hinter dem Samsung die treibende Kraft ist. Im Prinzip handelt es sich dabei um HDR10 mit dynamischer Bildanpassung. Es ist lizenzfrei und sollte beim aktuellen Stand der Fernseher-Technik mehr oder weniger die gleichen Resultate wie Dolby Vision liefern. Das senkt die Kosten und macht auch für Nutzer die Geräte günstiger.

Aber selbst wenn man davon ausgehen kann, dass beide Standards auf dem Display nahezu die gleichen Ergebnisse erzeugen, ist es nicht egal, welchen von beiden Standards ein Gerät unterstützt. Für Filmstudios ist Dolby Vision derzeit das Nonplusultra. Denn sie können etwas mit 12 Bit und 10.000 cd/m² anfangen, sogenannte Koloristen können einem Film damit exakt den Look geben, den sie sich vorstellen. Sie investieren quasi in die Zukunft, wenn ihre Werke so auch irgendwann in normalen Kinos und Wohnzimmern gezeigt werden können.

Und jetzt?

Idealerweise unterstützt ein neuer Fernseher beide Formate. Davon gibt es gar nicht so wenige, man findet sie in der UHD-Geräteliste der deutschen TV-Plattform, indem man die richtigen Häkchen setzt. Welcher Standard sich langfristig durchsetzen wird oder ob beide in Zukunft friedlich kooperieren, ist noch offen. Aktuell sieht es etwas besser für Dolby Vision aus und es ist ziemlich wahrscheinlich, dass die Filmstudios auf diesen Standard setzen werden, der ihnen einfach mehr Möglichkeiten bietet.

Mittelfristig spielt es aber wohl keine Rolle, ob ein Fernseher HDR10+ oder Dolby Vision beherrscht. Große Unterschiede der dynamischen Formate gegenüber HDR10 haben Tester bisher nicht sehen können. Besonders harsch fällt das Urteil von c't nach einem Vergleich von HDR10+ und HDR10 aus: "komplette Luftnummer". Dolby Vision hat wahrscheinlich das größere Potenzial und liegt bereits beim Streaming vorne. Ob man deswegen jetzt schon zu einem teureren Gerät greifen soll, wenn es günstigere Fernseher gibt, die ebenso gut sind, aber nur HDR10+ unterstützen, ist eine andere Frage.

Quelle: ntv.de