Wirtschaft

Anleger reißen sich um Mega-Anleihe Argentinien verlässt Finanz-Exil

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15 Jahre wollte niemand Argentinien Geld leihen. Nun gelingt Buenos Aires das Comeback am Kapitalmarkt.

(Foto: REUTERS)

Nach der Staatspleite war Argentinien fast 15 Jahre lang ein Geächteter der Finanzwelt: Niemand wollte Buenos Aires Geld leihen. Doch nun überhäufen die Anleger den Schuldenstaat plötzlich mit Milliarden.

Es scheint der langersehnte Neustart: Nach mehr als einem Jahrzehnt in der finanziellen Verbannung kehrt Argentinien erfolgreich an den internationalen Kapitalmarkt zurück. Seit das Land bei seiner Staatspleite 2001 Schulden von fast 100 Milliarden Dollar nicht mehr bedient hatte, wollte kaum jemand Buenos Aires noch Geld leihen. Doch nun ist das Vertrauen wieder da: Argentinien verkauft wieder Staatsanleihen. Und die Investoren reißen sich um die Papiere.

Eigentlich wollte Argentinien nur 12,5 Milliarden Dollar bei den Anlegern einsammeln. Doch die sind offenbar so begeistert, dass die Auktion mehrfach überzeichnet ist. Sie haben auch kein Problem, sich wieder langfristig an ein Land zu binden, über dem bis vor kurzem noch die Geier kreisten: Die neuen Staatsanleihen haben Laufzeiten von drei, fünf, zehn und 30 Jahren.

Es ist eines der größten Comebacks der Finanzgeschichte. Argentiniens Mega-Anleihe könnte laut einer mit dem Verkauf betrauten Person ein Volumen von bis zu 15 Milliarden Dollar erreichen. Das wäre die größte Emission eines Entwicklungslandes seit mindestens 20 Jahren.

Hohe Zinsen mit hohem Risiko

Ein Grund für den überraschenden Appetit der Investoren sind die weltweiten Niedrigzinsen. Argentinien zahlt für die neuen Anleihen zwischen sechs und acht Prozent. Das ist verlockend, aber auch ein Alarmsignal: Solch stattliche Renditen gibt es nur bei hohem Risiko. Es stellt sich die Frage, ob Argentinien sie langfristig erwirtschaften kann. Oder die nächste Pleite programmiert.

Denn das Loch im Staatshaushalt wächst weiter. Die Inflation könnte laut Internationalem Währungsfonds (IWF) bis Jahresende 25 Prozent erreichen. Und auch wenn die Ratingagentur Moody's  Argentinien vergangenen Freitag heraufgestuft hat: auch die neuen Papiere haben weiterhin nur Ramschniveau.

Offenbar ist das für die Geldgeber aber alles kein Problem mehr. Sie setzen voll darauf, dass die neue Regierung unter dem konservativen Ministerpräsidenten Mauricio Macri die Wende schafft. Macri will die Wirtschaft liberalisieren, Handelsbarrieren abbauen und ausländische Investitionen nach Argentinien holen. Es ist eine radikale Abkehr von seiner Vorgängerin Cristina Fernández de Kirchner, die Argentiniens Wirtschaft mit Schutzzöllen von ausländischer Konkurrenz abschottete und mit hohen Staatsausgaben subventionierte.

Niederlage gegen die "Geierfonds"

Die Anleger honorieren zudem, dass Macri Kirchners Dauer-Krieg mit einigen US-Investoren beendet hat. Kirchner hatte sich beharrlich geweigert, US-Hedgefonds wie Paul Singers NML Capital den vollen Wert der Altschulden auszuzahlen, die Argentinien vor 2001 ausgegeben hatte. Buenos Aires hatte sich mit den meisten anderen Gläubigern geeinigt: Sie verzichteten auf fast 70 Prozent ihres Geldes. Doch Singer und andere hartgesottene Spekulanten machten nicht mit und pochten auf die volle Rückzahlung.

Macri kapitulierte im Januar vor den Geierfonds. Und sagte zu, ihnen rund 4,6 Milliarden Dollar zu zahlen, etwa drei Viertel ihrer Forderungen. Dank der Einigung machen Singer und Co. nun bis zu 800 Prozent Rendite. Und den Weg frei für Argentiniens Comeback an den Kapitalmarkt. Denn solange Argentinien nicht an die US-Hedgefonds zahlen wollte, durfte es auch keine anderen Gläubiger bedienen, hatte ein US-Gericht geurteilt.

Das argentinische Parlament hatte der Einigung mit den "Geierfonds" schon im März zugestimmt und damit den Schuldenstreit offiziell beendet. Mit dem Verkauf der neuen Staatsanleihen heute wird er endgültig beerdigt. Denn einen Teil des frischen Geldes ist dafür bestimmt, die Hedgefonds auszuzahlen. Von den rund 15 Milliarden Dollar, fließt wohl fast ein Drittel in ihre Taschen.

Quelle: n-tv.de