Wirtschaft
Plakate in Buenos Aires: Der US-Richter Griesa wolle "dein Haus, deine Arbeit und dein Essen".
Plakate in Buenos Aires: Der US-Richter Griesa wolle "dein Haus, deine Arbeit und dein Essen".(Foto: AP)

Renditen von bis zu 800 Prozent: Argentinien kapituliert, Hedgefonds feiern

Von Jan Gänger

Nach dem jahrelangen Kampf zwischen Argentinien und Hedgefonds um die Tilgung von Altschulden lichtet sich langsam der Nebel. Und was sieht man? Die "Finanzterroristen" und "Aasgeier" streichen dicke Profite ein.

Sie legten das Schulschiff der argentinischen Kriegsmarine in Ghana in die Kette, und die linksgerichtete Präsidentin Cristina Fernández de Kirchner ließ aus Angst vor der Pfändung Regierungsmaschinen nicht ins Ausland fliegen: Internationale Gläubiger setzten der argentinischen Regierung hart zu, um sie im Gezerre um die Rückzahlung von Schulden in die Knie zu zwingen.

Nach 15 Jahren Kampf kapitulierte Argentinien kürzlich unter dem neuen konservativen Präsidenten Mauricio Macri - und die Hedgefonds verdienen daran prächtig. Ganz vorne liegt Bracebridge Capital, die eine satte Rendite von knapp 800 Prozent erwirtschaften. Für 120 Millionen Dollar hatte der Fonds Staatsanleihen gekauft, nun bekommt er dafür 950 Millionen Dollar ausgezahlt.

Nicht ganz so üppig verdient der lauteste Gegner Kirchners, Paul Singer. Sein Fonds NML Capital wird knapp 2,3 Milliarden Dollar bekommen. Das ist bei einem Einsatz von schätzungsweise 617 Millionen Dollar eine Rendite von immerhin 370 Prozent.

Das ist einer der Gründe, warum sich Macris Vorgängerin Kirchner beharrlich weigerte, die Forderungen der Hedgefonds zu begleichen und die Gläubiger "Aasgeier" und "Finanzterroristen" nannte. Diese hatten nach der Pleite Argentiniens Staatsanleihen billig gekauft. Die Umschuldungen der Jahre 2005 und 2010 machten die Fonds nicht mit. Während die allermeisten Gläubiger auf 70 Prozent ihrer Forderungen verzichteten pochten die so genannten "Holdouts" darauf, dass sie vollständig ausgezahlt werden.

US-Richter setzt Argentinien zu

Zum Verhängnis wurde Argentinien ein Urteil des US-Richters Thomas Griesa, der dem Land im Jahr 2014 untersagte, andere Gläubiger zu bedienen, solange die Schulden bei den Hedgefonds nicht bezahlt sind. Das Verfahren wurde vor US-Gerichten ausgetragen, weil die Anleihen unter US-Recht ausgegeben worden waren. Damit sollten sie für Investoren attraktiver sein.

Insgesamt hat Argentinien den verbliebenen Gläubigern angeboten, 75 Prozent ihrer Forderungen zu begleichen. Damit muss ihnen das Land insgesamt rund 4,6 Milliarden Dollar zahlen. Das Parlament muss der Einigung noch zustimmen, doch wird allgemein damit gerechnet.

Nicht nur für die Hedgefonds, auch für Argentinien lohnt sich das Einknicken. Denn nun kann das Land an die internationalen Kapitalmärkte zurückkehren. Die Regierung will sich unter anderem deshalb Geld leihen, um die stagnierende Wirtschaft mit einem ambitionierten Infrastrukturprogramm anzukurbeln.

Quelle: n-tv.de

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