Wirtschaft

Produktionsstopp in Schanghai Tesla-Fabrik gerät mit Model 3 in Verzug

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Tesla-Chef Elon Muskbei der Eröffnungszeremonie für das Werk in Schanghai.

(Foto: REUTERS)

Der US-Elektroautobauer muss seine neue Fabrik in Schanghai wegen des grassierenden Coronavirus schließen. Eine Zwangspause bis zu anderthalb Wochen ist laut Tesla verkraftbar. Der ehrgeizigen China-Strategie des Konzerns könnte die Epidemie trotzdem noch einen Dämpfer verpassen.

Die Schließung der Tesla-Fabrik in Schanghai aufgrund der Corona-Epidemie hat die Freude über die guten Zahlen, die der Konzern am Mittwoch vorgelegt hat, etwas getrübt. In der neuen chinesischen Fabrik laufen erst seit kurzem Tesla 3 vom Band. Um das Virus einzudämmen, hat die Regierung in Peking ganze Städte abgeschottet, Fabriken in den betroffenen Regionen wurde ein Zwangsurlaub verordnet. Auch die chinesische Tesla-Fabrik ist betroffen.

Anleger reagieren empfindlich auf solche Nachrichten. Tesla hat gerade erst seinen ersten Jahresgewinn präsentiert und dabei die Prognosen der Wall Street übertroffen. Außerdem gab Tesla-Chef Elon Musk ein neues Absatzziel aus: In diesem Jahr sollen die Verkäufe auf über 500.000 Einheiten steigen. Viel Anlass für Tesla-Fans zu feiern. Anleger honorierten die guten Nachrichten nachbörslich mit einem Kursplus von 13 Prozent. Aufgrund der Unsicherheit durch die Schließung schmolz das Plus allerdings danach auf zwei Prozent zusammen. Inzwischen hat sich der Kurs wieder erholt.

"Zum jetzigen Zeitpunkt erwarten wir wegen der von der Regierung vorgeschriebenen Fabrikschließung eine Verzögerung von einer Woche bis anderthalb Wochen beim Model 3", zitiert CNN Tesla-Finanzchef Zachary Kirkhorn. Wie lange die Bänder tatsächlich still stehen werden, lässt sich derzeit nicht sagen. Noch breitet sich das Virus aus. Offiziell wurden die Ferien aus Anlass der Neujahrsfeierlichkeiten vom 30. Januar bis zum 9. Februar verlängert.

Ein Dämpfer für Teslas China-Strategie?

Nicht nur Tesla bekommt den Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus zu spüren. Zwangpausen gibt es auch bei McDonald's, Starbucks und Pizza Hut in China. Tausende Filialen im ganzen Land sind geschlossen. Das gleiche gilt für Disneys Freizeitparks in Schanghai und Hongkong. Auch die Fluggesellschaften British Airways, American Airlines und United haben reagiert und ihre Flüge vom und zum chinesischen Festland entweder reduziert oder ganz eingestellt, um die Ausbreitung des Virus zu verhindern.

Musk hatte vor Tagen bereits bekanntgegeben, dass Besitzer seiner Elektroautos in China bis auf auf Weiteres an allen Supercharger-Stationen im Land kostenlos laden können. Das hatte der Blog Electrek mitgeteilt. Die Bildschirme der Tesla-Autos in China sollen eine entsprechende Nachricht angezeigt haben. Tesla will die Menschen wohl ermutigen, sich mit dem eigenen Transportmittel fortzubewegen.

Derzeit rechnet Tesla mit keinen größeren Schäden durch die Fabrikstilllegung. Die Produktion in China befinde sich in der Anfangsphase, deshalb dürften sich die Gewinneinbußen in Grenzen halten, sagte Finanzvorstand Kirkhorn. Man müsse allerdings noch abwarten, ob es bei den in Kalifornien hergestellten Tesla-Autos zu Unterbrechungen in der Lieferkette komme, fügte er hinzu. Ein Szenario, das auch den iPhone-Hersteller Apple treffen könnte. Der Handy-Hersteller hängt am Tropf seines Zulieferers Foxconn, der in China Apple-Produkte zusammenschraubt.

*Datenschutz

Teslas Fabrik in Schanghai ist ein wichtiges Puzzleteil in Musks ehrgeiziger China-Strategie. Bei einer großen Bühnenshow anlässlich der ersten Auslieferungen der Fabrik an chinesische Kunden hatte Musk angekündigt, dass perspektivisch auch das Modell Y und der preisgünstigere SUV hier vom Band laufen sollen. Außerdem plant Tesla ein Designzentrum in China, in dem ein neues Modell für den Weltmarkt entwickelt werden soll.

Quelle: ntv.de, ddi