Wissen

Phänomenale Nase Mensch erkennt eine Billion Gerüche

DI10023-20120902.jpg7615091169326420559.jpg

Jetzt, wo der Frühling alles zum Blühen bringt, kann man seinen Geruchssinn wieder besser ausnutzen.

(Foto: dapd)

Menschen haben eine viel feinere Nase als bisher angenommen - sie können nicht nur 10.000 verschiedene Gerüche wahrnehmen, sondern 1.000.000.000.000. Das ist viel mehr, als wir heute brauchen - und übertrifft in der Menge die Fähigkeiten von Augen und Ohren bei Weitem.

Die menschliche Nase verfügt über phänomenale Fähigkeiten und kann weit mehr an Gerüchen erkennen und unterscheiden als bislang bekannt. Forscher haben in einer Studie herausgefunden, dass Menschen mindestens eine Billion verschiedene Gerüche unterscheiden können. Der Mensch habe "mehr Sensibilität" in seinem Geruchssinn, als er denke, berichtet das Forscherteam der Rockefeller University in New York in der neuen Ausgabe der US-Fachzeitschrift "Science". Eine Billion - das ist eine Eins mit zwölf Nullen, also 1.000.000.000.000.

Bislang gingen Schätzungen davon aus, dass die Nase rund 10.000 Gerüche wahrnehmen kann. Fachleuten sei längst klar gewesen, dass diese aus den 1920er Jahren stammende Zahl "lächerlich klein" sei, erklärte Leslie Vosshall, Expertin für Geruchssinn an der Rockefeller-Universität. Doch erst jetzt sei die Zahl wissenschaftlich überprüft worden.

Rosenduft hat 275 Komponenten

Gerüche sind sehr komplex. Denn die Düfte, denen wir im wahren Leben begegnen, sind Mischungen aus verschiedenen Molekülen. Allein der charakteristische Duft der Rose hat 275 verschiedene Komponenten - doch nur ein kleiner Prozentsatz davon dominiert den tatsächlich wahrgenommenen Geruch.

Das macht es den Experten zufolge viel schwieriger den Geruch zu studieren als das Hör- oder Sehvermögen. Zum Vergleich: Forscher schätzen die Zahl der Farben, die der Mensch unterscheiden kann, auf 2,3 Millionen bis 7,5 Millionen. Außerdem kann der Mensch rund 340.000 hörbare Töne wahrnehmen.

Zusammenhang mit aufrechtem Gang

Nach Ansicht von Vosshalls Kollegen Andreas Keller hat die heute mangelnde Bedeutung des menschlichen Geruchssinns auch mit dem aufrechten Gang zu tun. Die Nase des Menschen war dadurch auf einmal weit vom Boden entfernt, wo die meisten Gerüche entstehen. In jüngster Zeit hätten außerdem Annehmlichkeiten der modernen Welt wie Kühlschränke oder die tägliche Dusche die Gerüche beschränkt. "Dies könnte unsere Einstellung erklären, dass das Riechen - im Vergleich zum Hören und Sehen - unbedeutend ist", erklärte Keller.

Für ihre Studie hatten die Forscher Testpersonen in einer Untersuchsreihe jeweils drei Ampullen mit Duftmischungen vor die Nase gesetzt. Zwei waren immer identisch, eine unterschied sich von den beiden anderen, allerdings nur in einem Teil der Komponenten. Die Teilnehmer sollen jeweils den von den beiden anderen Mischungen abweichenden Geruch erkennen. Die Prozedur wurde bei jedem Probanden 264 Mal mit unterschiedlichen Gerüchen wiederholt. Anschließend wurden die Ergebnisse hochgerechnet - am Ende stand die Schätzung, dass ein durchschnittlicher Mensch fähig ist, eine Billion Gerüche zu unterscheiden.

Vosshall bezweifelt natürlich, dass der Mensch täglich solch einer immensen Zahl an Düften ausgesetzt ist. Allerdings könne der äußerst sensible Geruchssinn des Menschen in einer sich ständig wandelnden Umwelt sehr hilfreich sein.

Quelle: n-tv.de, abe/AFP

Mehr zum Thema