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Widerstandsfähiger gegen Infektionen Klima macht Korallen resistent

Bisher nahmen Forscher an, dass Korallenriffe durch den weltweiten Anstieg der Wassertemperatur anfälliger für Krankheiten seien. Zwei australische Wissenschaftler hinterfragen die These: Durch die schnellere Vermehrung seien künftige Korallen-Generationen immer widerstandsfähiger gegen Seuchen.

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In den vergangenen Jahrzehnten führten Seuchen zu einem großflächigen Korallensterben.

(Foto: REUTERS)

Die zukünftige Entwicklung eines Ökosystems lässt sich nicht zwingend an seinem Verhalten in der Vergangenheit ablesen. Dies illustrieren Forscher am Beispiel von Korallenriffen unter dem Einfluss des Klimawandels. Sie zeigen, dass sich infolge des Temperaturanstiegs die Zusammensetzung der Riffe verändert. Die neuen Riffe beherbergten schneller wachsende Arten, was sie viel widerstandsfähiger gegen Krankheitserreger mache. Wenn es darum geht, die Folgen des Klimawandels zu prognostizieren, müssten solche Effekte künftig berücksichtigt werden, schreiben die Wissenschaftler in den "Proceedings" der US-Akademie der Wissenschaften.

Der Klimawandel hat den Korallenriffen in der Karibik in der Vergangenheit schwer zu schaffen gemacht. Für Jahrhunderte wurden die Riffe von großen, langlebigen Arten gebildet, die sich nur langsam veränderten oder neuen Arten Platz boten. In den vergangenen Jahrzehnten führten Seuchen allerdings zu einem großflächigen Korallensterben. Experten führten dies zurück auf den Anstieg der Wassertemperaturen infolge des Klimawandels. Dies stresse die Korallen und steigere gleichzeitig die Virulenz der Krankheitserreger, was – so lautete die Annahme der Fachleute – in der Zukunft wiederum den Ausbruch weiterer Seuchen begünstigen würde.

Prognose nicht zwangsläufig zutreffend

Laith Yakob und Peter Mumby von der University of Queensland in Brisbane (Australien) stellten nun fest, dass diese Prognosen so nicht unbedingt stimmen. Ihrer Theorie zufolge führt das Korallensterben dazu, dass schnell wachsende Arten die absterbenden Korallen ersetzen und neue Riffe aufbauen. Aufgrund ihrer schnelleren Vermehrung sind diese Arten weniger anfällig für Krankheitserreger – sie leben schlicht nicht lange genug, um infiziert zu werden und die Infektion weiterzugeben.

In einer Modellrechnung stimmten die Ergebnisse gut mit Beobachtungsdaten aus dem Freiland überein. So erkläre ihre Theorie die beobachtete erhöhte Widerstandsfähigkeit der Stern-Ellipsen-Korallen (Dichocoenia stokesii) in den Florida Keys nach dem Ausbruch der Seuche White Plague vom Typ 2. Krankheiten, so glauben die Forscher, werden die Riffe in der Zukunft womöglich weniger verändern als angenommen.

Quelle: ntv.de, dpa