Wissen
Das ist noch ferne Zukunftsmusik - doch die ersten Takte werden bereits heute angestimmt.
Das ist noch ferne Zukunftsmusik - doch die ersten Takte werden bereits heute angestimmt.(Foto: Deep Space Industries)

Rohstoffe aus dem Weltall : Asteroid Mining - die Zukunft des Bergbaus?

Von Fabian Maysenhölder

Gold, Platin, Wasser: Die Liste der Ressourcen, die Abermillionen von Asteroiden im Weltall beheimaten, ist lang. Im All wartet ein Billionengeschäft. Noch müssen viele Hürden genommen werden - am Ende ist es aber nur eine Frage der Zeit.

Mitte Juli 2015 wurde ein Raumschiff von der ISS abgekoppelt. Arkyd-3R ist nicht größer als ein Laib Brot und fliegt nun in einem eigenen Orbit um die Erde. Es ist ein Meilenstein für die Firma "Planetary Resources". Die will mit Arkyd-3R in einer 90-tägigen Mission ihre Technologien testen, mit denen künftig Jagd auf Asteroiden gemacht werden soll. Denn die Firma aus Bellevue im US-Bundesstaat Washington hat ein Ziel: die Knappheit bestimmter Rohstoffe auf der Erde beenden - und wertvolle Ressourcen künftig aus dem All zu holen.

Asteroiden fliegen millionenfach durchs All, vollgepackt mit wertvollen Dingen, die wir gut gebrauchen können: Platin, Gold, Edelmetalle und seltene Erden, die vor allem in der Halbleiterindustrie benötigt werden. Auf der Erde sind solche schweren Metalle im Laufe der Jahrmillionen Richtung Erdkern gewandert. Deshalb sind davon verhältnismäßig wenige in der Erdkuste zu finden, wo wir sie über den Bergbau erreichen könnten. Kurz: Wir haben die Rohstoffe irgendwie, aber wir kommen nicht ran.

Arkyd-3R kurz nach der Abkopplung von der ISS am 16. Juli 2015.
Arkyd-3R kurz nach der Abkopplung von der ISS am 16. Juli 2015.(Foto: Nasa)

Anders bei Asteroiden. Die der sogenannten M-Klasse enthalten viele solcher Metalle - und zwar nah an der Oberfläche. Genau das macht sie für findige Investoren so attraktiv. Würde es gelingen, zu einem solchen Himmelskörper zu fliegen, dort diese Rohstoffe abzubauen und zurück zur Erde zu bringen, wäre das nicht nur ein Milliarden-, sondern mindestens ein Billionengeschäft.

"Planetary Resources" hat genau dieses Geschäftsmodell. Und das Vorhaben ist ausgesprochen ehrgeizig: Schon in zehn Jahren will die Firma in der Lage sein, Ressourcen von Kleinplaneten zu holen, erklärt Unternehmenssprecherin Katelyn Mixer im Gespräch mit n-tv.de. Unter den Investoren sind prominente Namen wie etwa die Google-Gründer Larry Page und Eric Schmidt und der britische Milliardär Richard Branson. Für Raumfahrtagenturen wie die Nasa oder die Esa, die sich aus öffentlichen Geldern finanzieren, sind solche Pläne jedoch derzeit kein Thema. Zu gering sind die Aussichten, in absehbarer Zeit einen profitablen Bergbau im All zu betreiben.

Platin, Gold - und etwas Flüssiges

Asteroiden der M-Klasse enthalten viele Metalle, die auf der Erde nur schwer zu schürfen sind.
Asteroiden der M-Klasse enthalten viele Metalle, die auf der Erde nur schwer zu schürfen sind.(Foto: Screenshot planetaryresources.com)

Dabei geht es beim sogenannten "Asteroid Mining" nicht nur um wertvolle Metalle, sondern auch um ein Element, das uns Erdlingen zunächst ganz alltäglich vorkommt: Wasser. Wasser ist die Voraussetzung dafür, dass Menschen längere Zeit im All verbringen können. Es wäre ein riesiger Fortschritt, wenn dieser Rohstoff nicht von der Erde ins All gebracht werden müsste, sondern direkt dort abgebaut werden könnte. Der Transport von Wasser ins All ist teuer. Rund 20.000 Dollar koste es pro Liter, schreibt der US-Astronom Philipp Plait. Zum Vergleich: Ein Kilogramm Gold kostet derzeit rund 35.500 Dollar. Wasser hat noch einen weiteren entscheidenden Vorteil: Aus Wassermolekülen kann chemisch Sauerstoff gewonnen werden. Und - im Weltraum nicht zu verachten - Wasserstoffperoxid, ein optimaler Raketentreibstoff.

Doch funktioniert so etwas wie Bergbau auf Asteroiden wirklich - oder ist es bloße Fiktion? In der Wissenschaftswelt gehen die Meinungen auseinander. Einer, der dem Projekt verhalten optimistisch entgegensieht, ist Ekkehard Kührt vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). Der Planeten- und Asteroiden-Forscher sagt n-tv.de: "Natürlich ist das alles noch Science Fiction. Aber die Mondlandung war das irgendwann auch mal." Niemand wisse, was in 100 oder 200 Jahren sei. "Auch in den letzten 100 Jahren ist viel passiert, was niemand geglaubt hätte." Mit Blick auf das Schürfen von wertvollen Metallen auf Asteroiden glaubt Kührt, dass sich das in Zukunft sogar finanziell rechnen könnte. "Auf der Erde wird es immer teurer und Raumfahrt wird immer günstiger", so Kührt. Eine einfache Rechnung. Für einen möglichen Siegeszug des Asteroid Mining dürfte sie enorme Bedeutung haben.

Bilderserie

Aber warum auf Kleinplaneten landen - und nicht etwa auf dem Mond, der ebenfalls wertvolle Metalle bereit hält? Die Firma "Planetary Resources" antwortet: Asteroiden sind vor allem wegen der geringen Gravitation attraktiv. "Man braucht viel weniger Treibstoff, um auf dem Objekt zu landen und von dort auch wieder zu starten", sagt Sprecherin Mixer.

Doch genau diese Quasi-Schwerelosigkeit stellt die Forschung auch vor eine große Hürde - und es ist nur eine von vielen. Wie diverse Missionen staatlicher Raumfahrtagenturen in der Vergangenheit gezeigt haben, ist es zwar bereits heute möglich, zu einem Asteroiden zu fliegen, dort Proben zu entnehmen und diese wieder auf die Erde zu bringen. Problematisch wird es aber bei der Frage, wie der Bergbau auf dem Himmelskörper aussehen soll. Roboter müssten zum Beispiel in der Schwerelosigkeit komplett autonom agieren. Ekkehard Kührt vom DLR hält das zwar für möglich, "aber im Moment gibt es diese Technologie einfach noch nicht."

Wer hat's gefunden?

Neben den technischen gibt es aber auch rechtliche Fragen, die noch beantwortet werden müssen. Zum Beispiel, wer denn einen Anspruch auf die Ressourcen im All hat. Für die Vorreiter aus Bellevue ist klar: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. "Planetary-Resources"-Sprecherin Mixer verweist auf den "Space Resources Exploration Act", den der US-Kongress im Mai 2015 verabschiedet hat. Darin heißt es: "Jede Ressource, die von einem Asteroiden im Weltall gewonnen wird, ist Eigentum desjenigen, der sie entnommen hat." Nach US-Recht ist die Sache also klar.

Doch so einfach ist es nicht. Um genau zu sein: Es ist sogar ziemlich kompliziert. "Es gibt große Lücken, das ist eigentlich alles ein Graubereich", sagt Rada Popova, Weltraumrechtlerin an der Universität Köln, im Gespräch mit n-tv.de. "Was die USA beschlossen haben, ist nationales Recht." Völkerrechtlich sieht das ganz anders aus. Mit Blick auf den Ressourcenabbau auf Asteroiden gibt es bislang schlicht keine Gesetze. "Eine juristische Lücke, die die USA ausnutzen", konstatiert Popova. Doch eines ist zu erwarten: Sobald die erforderlichen Technologien verfügbar sind und der Ressourcen-Rausch im Weltall beginnt, werden auch die rechtlichen Aspekte diskutiert. Bis dahin gilt: Solange es kein Verbot gibt, gibt es auch keine Strafe.

Technologie, Weltraumrecht, Finanzierung: In jedem dieser Bereiche stehen dem Asteroid Mining noch erhebliche Probleme und Herausforderungen bevor. Angesichts dessen scheint es höchst unwahrscheinlich, dass "Planetary Resources" bereits in einem Jahrzehnt in der Lage sein will, Rohstoffe auf Kleinplaneten abzubauen.

Um die Forschung in dieser Hinsicht am Laufen zu halten, sind Investoren nötig, die eine Vorliebe für das Undenkbare haben. So wie Google-Gründer Larry Page. Der begründet seine Beteiligung an der Firma mit der Aussage: "Planetary Resources ist ein großartiges Beispiel dafür, was es heißt, eine gesunde Gleichgültigkeit gegenüber dem Unmöglichen zu haben." Und der Blick in die Vergangenheit zeigt: Es wäre nicht das erste Mal, dass das scheinbar Unmögliche Wirklichkeit wird.

Bilderserie

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen