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Exklusiver geht Roadster kaum Boldmen CR4 trifft auf Alpina Roadster Limited Edition

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Der Boldmen CR4 dürfte zu den interessantesten Manufaktur-Fahrzeugen gehören, die man auch kaufen kann.

(Foto: Patrick Broich)

Der Boldmen CR4 dürfte zu den interessantesten Manufaktur-Fahrzeugen gehören, die man auch wirklich kaufen kann. Zeit für einen Vergleich mit dem über 30 Jahre alten Alpina Roadster Limited Edition, der so manche Parallele zum Boldmen aufweist.

Friedhelm Wiesmann mag es nicht, wenn sein jüngstes Baby, der Boldmen CR4, BMW Z4 genannt wird. Zwar bildet dieser mit seiner so genannten BMW CLAR-Architektur die Grundlage für das exklusive automobile Manufaktur-Produkt - aber kein einziges Teil der CR4-Außenhaut ist identisch mit Blechteilen der Basis. Wiesmann möchte es nach dem Aus der legendären Sportwagenmarke (1988 bis 2013) noch einmal wissen und gründete zusammen mit den Unternehmern Harald und Michael Käs eine neue Automarke. Und dass dieses Unterfangen auch noch funktioniert im Zeitalter immer schwieriger werdender Zulassungsverfahren, ist schon fast sensationell.

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Optisch emanzipiert sich der Boldmen klar von seiner BMW-Basis.

(Foto: Patrick Broich)

Immerhin 13 Autos haben die Unternehmer Käs und Wiesmann bereits an Kunden ausgeliefert - der Boldmen CR4 ist also keineswegs nur ein angekündigtes Projekt im Hochglanzprospekt, wie das häufig bei Exoten der Fall ist, die als Prototypen allenfalls auf irgendwelchen Messen zu bestaunen sind. Nein, er steht auf der Straße, fährt und wird kontinuierlich produziert.

Carbon statt Blech

Grund genug, ihn einmal auszuleihen und neben einen Alpina Roadster Limited Edition zu stellen, für dessen Basis wiederum der BMW Z1 herhält. Auch wenn die Ansätze komplett anders sind - Parallelen weisen die beiden Modelle in jedem Fall auf. Auch Alpina hat wie Boldmen Herstellerstatus. Und dann ist da ja auch die Zusammenarbeit mit BMW.

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Auch Alpina versteht sich auf das Veredeln von BMWs.

(Foto: Patrick Broich)

Die bayerischen Schwaben allerdings haben vor allem maximale Eigenständigkeit im Sinn: Nicht nur, dass der CR4 optisch kein Z4 ist - auch technisch sind die Änderungen gewaltig. Statt schnödem Blech setzt Techniker Michael Käs (der übrigens bei Alois Ruf und später bei Alpina beschäftigt war) auf Carbon als Außenhaut, um rund 100 Kilogramm Gewicht gegenüber der Basis einzusparen.

Aufregung mit 408 PS

Langsam steigt die Aufregung. Es wird höchste Zeit für eine Runde mit dem CR4, dessen Dreiliter-Reihensechszylinder (der aus dem BMW-Regal entliehene B58) es auf 408 statt der bisherigen 340 Pferchen bringt. Und schon die ersten Meter in dem kompakten Roadster taugen als eindrucksvolle Demonstration, dass hier nicht einfach nur ein umgetaufter Z4 am Werk ist. Sowohl längs- als auch querdynamisch will der CR4 mehr, pfeilt biestiger um die Kehre als die Basis, geizt aber dennoch nicht mit Restkomfort.

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Der Sechszylinder kommt auf 408 PS.

(Foto: Patrick Broich)

Der CR4 funktioniert ebenso als Tourer und cruist mit seiner Besatzung mal eben ein paar hundert Kilometer am Stück, ohne Rückenschäden zu hinterlassen. Für kurze Dynamikeinlagen auf der Landstraße beim Stau-Hopping ist er zwischendurch immer zu haben, um die Mundwinkel der Passagiere wieder nach oben zu katapultieren.

Auch Schub nach vorn lässt sich mit dem rechten Pedal reichlich generieren, nur 3,9 Sekunden sollen bis Landstraßentempo vergehen. Und mit steigender Motordrehzahl wächst auch das Sounderlebnis mit dem kehlig trompetenden Sechsender trotz klangdämpfender Turbos. Letztere hindern den Dreiliter auch nicht daran, leichtfüßig gen Begrenzer zu drehen, während er untenherum trotzdem Punch wie ein Vorschlaghammer bietet.

Frischluft-Kick nach Adrenalin-Kick

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Das Triebwerk im Alpina.

(Foto: Patrick Broich)

Auf den Adrenalin-Kick folgt der Frischluft-Kick. Mit dem Alpina funktioniert das mit dem Thema "Wind um die Nase wehen lassen" natürlich eine Ecke besser als beim CR4. Der kleine, exzentrische BMW Z1 mit seinen schon zur Legende gereiften elektrischen Schiebetüren, ähm, in diesem Fall Alpina Roadster, ist aus der Perspektive des Cabrio-Erlebnisses ein ganz großer Wurf. Dass hier ein Alpina zur Verfügung steht, ist natürlich von zentraler Bedeutung gerade im Kontext zusammen mit dem Boldmen CR4. BMW-Alpina RLE haben die Bovensiepens den Z1 getauft, was für "Roadster Limited Edition" steht.

Nur 66 Exemplare sind entstanden, dieser Roadster ist also wirklich ein rares Vergnügen. Damit das Vergnügen auch antriebsseitig sichergestellt ist, haben die Ingenieure aus Buchloe freilich ein bisschen am Treibsatz gefeilt. Statt 2,5 schenkt der ebenfalls sechszylindrige Alpina-Motor 2,7 ein und liefert 200 PS Motorleistung. Damit ist der 1,3-Tonner alles andere als langsam, aber verlangt nach ordentlich Drehzahl, wenn es hurtig nach vorn gehen soll. Problem ist auch der Umstieg aus dem CR4: Danach ist sowieso alles andere eher gemächlich.

Spaß ohne Ende

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Der CR4 hat den Vorteil, als Neuwagen so konfigurierbar zu sein, wie der Kunde es gerne hätte.

(Foto: Patrick Broich)

Aber das Cruisen insbesondere mit offenen Türen (ist übrigens erlaubt) im Alpina Roadster ist schon ein ziemlich einmaliges Erlebnis und die Frisur ist nach einer zügigen Autobahnfahrt garantiert hinüber - oder perfekt gerichtet, je nach Sichtweise. Spaßfaktor bieten beide maximal exklusiven Autos jedenfalls in rauen Mengen - nur auf unterschiedliche Arten. Schön ist, dass der CR4 ja als Neuwagen so konfigurierbar ist, wie der Kunde es gerne hätte. Da gehören feine Innenraum-Materialien natürlich zum guten Ton. Diverse Arten edler Rindshaut, sogar mehrere gleichzeitig, realisiert das Team aus Welden bei Augsburg genauso wie eine quasi unbegrenzte Farbwahl.

Ab 184.900 Euro startet der CR4 und ist zwar exklusiv, aber dennoch ein vollwertiger Alltagswagen. Dazu gehört natürlich auch ein Infotainment, das State of the Art ist. Von der tollen Musikanlage über die Bildschirm-Navigation bis hin zur Smartphone-Integration ist alles dabei. Da gestaltet sich die suche nach dem passenden Alpina Roadster schon schwieriger, denn die meisten Besitzer geben ihr Exemplar gar nicht mehr her. Häufig taucht monatelang kein einziger in den einschlägigen Börsen auf. Und dann dürfte es für Preisverhandlungen kaum noch Spielraum geben. Kleiner Tipp: CR4 bestellen und Spaß haben, während man detektivisch auf die Suche nach einem Alpina Roadster Limited Edition gehen kann. Schön, wenn das Budget diese Gaudi hergibt.

Alpina Roadster Limited Edition - technische Daten:

Roadster, Bauzeit: 1990 bis 1991, Länge: 3,92 Meter, Breite: 1,69 Meter, Höhe: 1,28 Meter, Radstand: 2,45 Meter

2,7-l-Sechszylinder-Otto-Reihenmotor, 147 kW/200 PS, maximales Drehmoment: 261 Nm bei 4900 U/Min., 0-100 km/h: 7,1 s, Vmax: 231 km/h, Fünfgang-Schaltgetriebe

Ehemaliger Neupreis: 116.000 D-Mark

Heutiger Marktpreis nach Classic Data:
Note 2: 99.000 Euro
Note 3: 63.000 Euro
Note 4: 34.000 Euro

Boldmen CR4 - technische Daten:

Roadster, Länge: 4,42 Meter, Breite: 1,93 Meter, Höhe: 1,28 Meter, Radstand: 2,47 Meter

3,0-l-Sechszylinder-Otto-Reihenmotor mit zwei Turboladern, 300 kW/408 PS, maximales Drehmoment: 610 Nm, 0-100 km/h: 3,9 s, Vmax: 250 km/h, Achtgang-Automatikgetriebe (Wandler), Durchschnittsverbrauch: 7,9 l/100 km (WLTP), CO2-Ausstoß: 181 g/km, Grundpreis: ab 184.900 Euro

Quelle: ntv.de

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