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Eher was fürs Herz BMW Alpina B8 - inszenierte Zurückhaltung

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Mit dem Grundpreis von 161.200 Euro wildert der 621 PS starke B8 im M8-Revier.

(Foto: Alpina)

Abseits der sonst für den luxuriösen und schnellen Alltagsritt gebauten Fahrzeuge von Alpina ist der B8 etwas fürs Herz, nicht aber für den Verstand. Denn das Alpina B8 Gran Coupé ist in der 600 PS-Klasse und für 161.000 Euro kein klassischer Gran Turismo.

Der BMW-Veredler Alpina besitzt nicht nur Hersteller-, sondern längst auch Kultstatus. Wo das BMW-Programm eine Lücke lässt, setzt das Ingenieur-Team aus Buchloe im Ostallgäu an und bietet eine Lösung. Sei es ein leistungsstarker V8-Kombi der Businessklasse auf M5-Level oder eben eine Alternative für den entfallenen BMW M550d der 400 PS-Klasse - hier hilft Alpina mit B5 Touring sowie D5 S aus. Dabei ist die Zusammenarbeit mit BMW eng. Alpina modifiziert die Antriebsstränge, liefert sie an BMW, und die Münchener bauen die Fahrzeuge am Band in Auftragsfertigung. Das ist höchstes Niveau und hat nichts mehr mit Tuning zu tun.

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Für Renneinsätze ist das Alpina B8 Gran Coupé nicht gedacht.

(Foto: Alpina)

Das nun präsentierte B8 Gran Coupé Allrad ist seit dem Entfall der Mittelklasse-Coupés B4 auf BMW 4er-Basis das erste Alpina-Modell jenseits der rein funktionalen Klasse. Die viertürige Sportlimousine mit den schicken rahmenlosen Scheiben und dem nischigen Fond spricht mehr die Herzen als den Verstand an. Mit dem Grundpreis von 161.200 Euro wildert der 621 PS starke B8 im M8-Revier (167.400 Euro), setzt dabei aber andere Schwerpunkte.

Zusätzlich mit "Comfort Plus"

Auf eine Keramikbremse für harte Renneinsätze beispielsweise verzichtet der Alpina gänzlich, dafür gibt es unter den Fahrmodi die Stellung "Comfort Plus", um gediegenen Federungskomfort zu ermöglichen, der bei BMW in diesem Segment nicht vorgesehen ist. Das Alpina B8 Gran Coupé ist in der 600 PS-Klasse der bessere Gran Turismo, während der M8 das Tracktool darstellt. Fahrdynamiker Sebastian Rinke erklärt, dass mit der alpinaspezifischen Dämpferauslegung der Druck- und Zugstufe eine größere Bandbreite zwischen kommoder und sportlicher Abstimmung möglich sei. Wer mit seinem B8 regelmäßig die Rennstrecken unsicher macht, sollte indes zu den 1780 Euro teuren gelochten Bremsscheiben mit speziellen, besser gegen Hitze gewappneten Belägen greifen.

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Der Innenraum ist dann aber doch mehr BMW, lediglich bei den Polsterbezügen kann man auf Alpina setzen.

(Foto: Alpina)

Ein kurzer Tipper auf den Startknopf, und der 4,4-Liter große Achtzylinder erwacht zum Leben. Im Stand schnarrt der Benzin-Direkteinspritzer typisch; andererseits lassen die Alpinisten den V8 trotz eigens entwickelter Edelstahl-Sportauspuffanlage nicht wirklich böllern, obwohl er könnte, wie man ja bei einem BMW M850i hört.

Die akustische Zurückhaltung ist Teil der Alpina-Inszenierung. Der dezente Spoiler sowie ein markanter Diffusor sind die notwendigen Werkzeuge, um den schweren Allradler unter hochdynamischen Manövern auf Kurs zu halten. Bleiben die sauber in den Heckstoßfänger integrierte Vierrohr-Auspuffanlage als Zeichen der Sportlichkeit und die bis heute geklebten Dekorstreifen als schrulliges Markenzeichen aus den wilden Siebzigern. Wer möchte, darf selbstverständlich auf die kultigen Streifen verzichten.

Der unerbittliche Vortrieb bleibt

Doch ob man seinen persönlichen Alpina B8 nun extrovertiert oder unauffällig gestalten mag, am unerbittlichen Vortrieb ändert das nichts. Selbst im großen Gang schiebt der Biturbo urgewaltig an. Lässt der Fahrer den Achtgang-Wandlerautomaten per Kickdown auch noch zurückschalten, schnalzen die Köpfe an die Kopfstützen, und der Magen meldet "freien Fall". Im Zweifel erreicht der B8 die 100 km/h-Marke binnen 3,4 Sekunden, während der Vortrieb erst bei 324 km/h endet – das schafft ein M8 selbst nach einer kostenpflichtigen Aufhebung der 250 km/h-Begrenzung nicht. Ingenieur Rinke verweist auf die eigens mit Alpina zusammen entwickelten Pneus, die die ALP-Kennung tragen.

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Ein 4,4 Liter großer Achtzylinder treibt den B8 an.

(Foto: Alpina)

Im Gegensatz zu den M-Modellen sind die Alpina keine hektischen Racer auf Dauer-Adrenalin. Souverän cruisen lautet das Motto, gerne im "Comfort Plus"-Modus. Dann gleitet ein ultraschneller B8 lässig über die Fahrbahn, bügelt Bodenwellen weg, als seien sie gar nicht existent und gibt den unbeeindruckten Kilometerfresser. Goodies wie Hinterradlenkung, Sperrdifferenzial und Wankausgleich lassen den über fünf Meter langen Luxusliner bei Bedarf ambitioniert um die Ecken fegen oder entspannt in die enge Parklücke gleiten.

Exklusivität garantiert

Da die Alpina-Varianten auf dem BMW-Baukasten basieren, gibt es auch den vollen Infotainment- und Technik-Umfang der Basis. Dazu gehören heutzutage fast schon banale Dinge wie das aus TFT-Fläche bestehende Cockpit und ein zentraler Touchscreen mit der Möglichkeit, das Smartphone zu integrieren. Features wie das leistungsstarke Laserlicht oder eine Nachtsichtkamera sind gegen etwas mehr als 4000 Euro Aufpreis ebenfalls zu haben analog zu den Optionen bei BMW.

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Vielleicht wird er Alpina B8 ja später zum begehrten Sammlerstück.

(Foto: Alpina)

Doch Alpina, der "Hersteller exclusiver Automobile", wie es auf der Website heißt, wäre kaum Alpina, würde er nicht fast jeden individuellen Wunsch hinsichtlich Dekor und Polster erfüllen. Bei Letzteren hilft die hauseigene Sattlerei weiter, berühmt ist die hier verarbeitete Lavalina-Rindshaut und die handgenähten Leder-Lenkräder.

Vollständig ist ein Alpina freilich nur mit der nummerierten Metallplakette, die auch im B8 nicht fehlt und den Viertürer womöglich einmal zum begehrten Sammler-Objekt macht. Wer das anstrebt, sollte unbedingt zu den 3400 Euro teuren Lacktönen Alpina Blau oder Alpina Grün greifen. Vom letzten Alpina, der auf einer BMW 8er-Reihe (E31) basierte, liefen übrigens keine 60 Exemplare vom Band. Diesen Wert wird das auf die interne Modellbezeichnung G16 hörende Gran Coupé ziemlich locker überschreiten.

Quelle: ntv.de, Patrick Broich, sp-x

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