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Roadster unter sich Das Z bei BMW im Wandel der Zeiten

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BMW Z3 und Z4 stehen für Roadster-Fahrvergnügen in ihrer Zeit.

(Foto: Patrick Broich)

Vor 25 Jahren führte BMW den Z3 ein, um seinen Kunden reines Roadster-Vergnügen zu bieten. Der Nachfolger in vierter Generation, der Z4, ist noch frisch am Markt und führt die Tradition fort. Zwei luftige Legenden im Vergleich.

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BMW Z3 und Z4 setzen auf ein klassisches Stoffverdeck.

(Foto: Patrick Broich)

Auch wenn die Ursprünge der Z-Reihe in den Achtzigern beim Z1 zu suchen sind, legte BMW doch erst mit dem Z3 im Jahr 1995 richtig los. Bereits kurz nach Markteinführung erreichte der knackige Roadster schon deutliche Sichtbarkeit im Straßenbild. Und die Bayern halten treu zu ihrer, man kann schon sagen, Legende – obwohl die Zeiten härter geworden sind. Das aktuelle Modell entstand in Kooperation mit Toyota, wobei die Entwicklungshoheit des neuen Z4 ganz klar auf BMW-Seite lag, insbesondere was den Antriebsstrang angeht.

Aber die Aufmerksamkeit gilt zunächst einmal dem Z3 Roadster – der nach 25 Jahren zum Alltagsklassiker gereift ist. Das mit lediglich 4,05 Längenmetern kompakte Spaßmobil hat Magnetwirkung auf die Köpfe der Passanten, so viel ist sicher. Wobei der Gaudi-Zenit erst mit der etwas später nachgelieferten M-Version erreicht wurde. Denn dort arbeitet unter der betont langen Motorhaube ein 3,2 Liter großer Reihensechszylinder mit 321 PS. Viel Leistung für ein gerade einmal 1,4 Tonnen schweres Gefährt.

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Der 3,2-Liter-Reihensechszylinder in der Z3-M-Version leistet 321 PS.

(Foto: Patrick Broich)

Doch gar nicht lange herumphilosophieren: einsteigen, Stoffkapuze mit einem Handgriff fallen lassen, Motor starten und ab dafür! Der Schalthebel des Fünfganggetriebes liegt griffig in der Hand, die ersten Kilometer wird jedoch früh und sachte hochgeschaltet, um das Öl behutsam auf Betriebstemperatur zu bringen. Schnell merken die Insassen, dass der kleine Sportler in offenem Zustand eine kräftige Brise in den Fahrgastraum befördert – an Cabriofeeling mangelt es nicht. Den wohlkomponierten, jedoch nicht aufdringlichen Sechszylinder-Sound übertönt der Wind dennoch nicht so einfach, denn hier steht ein waschechter M.

So langsam ist der Sechsender dann warm, und das volle Drehzahlband darf ohne Reue genutzt werden. Und es will auch genutzt werden, um Druck auf die Rücken der beiden Passagiere auszuüben. Etliche Jahre Gewöhnung an längst üblichen Turbopunch lassen in Vergessenheit geraten, dass Saugmotoren rotieren möchten, um Schub zu entfalten. Der betagte M kann es noch, lässt sich auch von den Hochperformance-Dieseln in Vertreterhand nicht ärgern und begeistert in seiner Längsdynamik.

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Das Z3-Interieur ist derart charmant gemacht, dass es auch 25 Jahre später einfach nur berührt.

(Foto: Patrick Broich)

Dass er nur 5,4 Sekunden bis 100 km/h brauchen soll, will man ihm indes erst abnehmen, nachdem man den Drehzahlbegrenzer ausgetestet hat. Dann geht es mit Druck auf den Pin und einem Grinsen im Gesicht auch mal Quer um die Kurve. Aber Vorsicht! Das ESP kennt ein Z3 noch nicht, und der Grenzbereich oder eben jener Punkt, an dem die Rotation um die Hochachse startet, lauert quasi in jeder Fahrbahnwindung.

Der Z4 M40i bewegt sich in dieser Disziplin insbesondere für ungeübte Fahrer sicherer. Übrigens ist das aktuelle Modell kein reinrassiges M-Pendant, aber ohnehin die einzige Wahl, wenn man einen Reihensechszylinder möchte. Mit 340 PS ist er dem M-Klassiker in den Leistungskennzahlen überlegen, zumal er dem Triebwerk zur Kraftübertragung auch noch acht statt fünf Schaltstufen offeriert. Erwachsener geworden ist der Z4, obwohl er noch immer (4,32 Meter) kurz ist. Und man sitzt irgendwie von der Straße entkoppelt, obwohl er als klassischer Roadster ja gerade das Gefühl vermitteln sollte, an die Straße angebunden zu sein. Es ist also nicht das unvergleichliche, knackige Mazda MX-5-Gefühl, aber immer noch hinreichend direkt.

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Der Z4 M40i kommt mit seinem Reihensechszylinder auf 340 PS.

(Foto: Patrick Broich)

Doch die Bedenken, dass die Sportlichkeit auf der Strecke bleiben könnte, sind nach den ersten eindringlichen Gaspedalbefehlen weg. Der aufgeladene Dreiliter ist schon aus dem Drehzahlkeller derart bissig, dass man sich auf die Fahrbahn und vor allem auf das Lenken konzentrieren muss. Kein Wunder, laut Werk schnalzt der BMW mit Hinterradantrieb binnen viereinhalb Sekunden auf Landstraßentempo. Er marschiert wesentlich ungestümer nach vorn als der Z3 M, schiebt so mühelos wie nachdrücklich und schnaubt intensiv in der Tonalität – da haben sich die Akustiker nicht lumpen lassen.

In puncto Sturmerlebnis lässt es das neue Modell dafür ruhiger angehen als der werdende Oldtimer – hält sich zumindest bei moderaten Fahrtempo eher zurück. Hartgesottene Frischluftenthusiasten müssen unbedingt das integrierte Mini-Windschott entfernen, um glücklich zu werden. Dann jedoch sind komplexe Frisuren nicht sicher vor dem rasanten Z4.

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Der Z4 punktet mit seiner akkuraten Verarbeitung.

(Foto: Patrick Broich)

Und da sind wir auch schon beim Thema Innenraum: Auch ein Kapitel, das den Zeitenlauf eindrucksvoll bekundet. Der Z4 holt die Generation Spielkonsole ab, deckt die Bedürfnisse der Computer-Jahrgänge mit einem Kombiinstrument, aus dem die mechanischen Anzeigen längst verbannt wurden. Hier regieren Sprachbedienung und Touchscreen, während dort beim Z3 noch der Kartenatlas in der Türtasche steckt.

Fast ein bisschen schade ist, dass BMW beim aktuellen Frischluft-Kandidaten Liebhaber klassischer Innenraum-Architektur außen vorlässt. Man muss kein Retro-Fan sein, aber das Z3-Interieur ist derart charmant gemacht, dass es einfach berührt: Schon alleine das im Farbton passend auf die Ledersitze abgestimmte, blaue Kunststoffdekor erfreut die Sinne ästhetisch interessierter Passagiere. Immerhin punktet der Z4 mit seiner breiten, zum Fahrer hingewandten Mittelkonsole auf ergonomischer Ebene und wohltuend akkurater Verarbeitungsqualität. Cool sind jedenfalls beide und im Konvoi gleich doppelt.

Quelle: ntv.de, Patrick Broich, sp-x