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Mit dem neuen DCT schaltet der Mini deutlich schneller und wirkt noch eine Spur sportlicher.
Mit dem neuen DCT schaltet der Mini deutlich schneller und wirkt noch eine Spur sportlicher.(Foto: Günter Schmied)
Mittwoch, 20. Dezember 2017

Neues DSG für den kleinen Briten: Mini schaltet jetzt noch sportlicher

Von Holger Preiss

Mini rüstet auf! Nicht was die Leistung betrifft, nein, es gibt ein neues Doppelkupplungsgetriebe und damit einen Gang mehr. Das ist aber noch nicht alles, was das DCT vor der alten Wandlerautomatik auszeichnet.

Bei der Auffahrt zum Kühtai wurde ein Allradantrieb nicht vermisst.
Bei der Auffahrt zum Kühtai wurde ein Allradantrieb nicht vermisst.(Foto: Günter Schmied)

Was waren das doch für Zeiten, als der Mini knatternd wie Opas Rasenmäher durch die Straßen holperte und der Fahrer gefühlt an jeder dritten Ecke einen Ausfall der einen oder anderen Art zu verzeichnen hatte. Heute gleitet ein Mini, wenn es nicht gerade ein John Cooper Works ist, fast lautlos durch die Straßen, ja wird sogar in den kommenden Jahren als E-Mini an den Start gehen. Allerdings wird der dann auch kein Getriebe mehr haben. Auch nicht das neue 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe, das die seit 2006 im 3- und 5-Türer sowie im Cabrio verbaute 6-Gang-Wandlerautomatik ablöst.

Die war und ist nicht schlecht, wurde über die Jahre entsprechend angepasst, kann aber mit dem, was das neue 7-Gang-DCT bietet, nicht mehr mithalten. Da sind zum Beispiel eine per se sportliche Charakteristik und eine damit verbundene Schaltdynamik, die deutlich über der des Wandlers liegt. Selbst mit dem nicht übermäßig dynamischen Einstiegsdiesel mit 116 PS ließ sich auf einer ersten Testfahrt in Österreich der Aufgang zum verschneiten Kühtai sehr sportlich nehmen. Ohne spürbaren Verzug schiebt der Automat die Gänge durch die Gassen und lässt - selbst wenn der Sport-Modus nicht gewählt wird - ordentlich was vom viel gerühmten Go-Kart-Feeling zurück.

Keine Verluste beim Kraftschluss

Oben der neue Ganghebel des DCT, unten des alten Steptronic.
Oben der neue Ganghebel des DCT, unten des alten Steptronic.(Foto: Günter Schmied)

Wie bei einer Doppelkupplung üblich, vereinen sich auch im DCT des Mini zwei Teilgetriebe in einem Gehäuse. In einem werden die geraden Übersetzungsstufen 2, 4 und 6 eingelegt, im anderen logischerweise die ungeraden 1, 3, 5 und 7 sowie der Rückwärtsgang. Während der Fahrt ist jeweils eine Kupplung geschlossen, die andere offen. Bei den Schaltvorgängen werden sie wechselseitig aktiv. Das heißt, wenn die eine sich öffnet, schließt parallel dazu die andere.

Das ist die Theorie. In der Praxis kommt es darauf an, dass dieser Vorgang tatsächlich so nahtlos vonstatten geht, dass es für den Fahrer nicht spürbar ist und es keine Verluste beim Kraftschluss und entsprechenden Lastwechseln gibt. Ein Umstand, und es sei noch mal erwähnt, der den Ingenieuren hier ganz vorzüglich geglückt ist. Rein rechnerisch erfolgt der Übergang in den nächsten Gang in einer Geschwindigkeit, die beim Handschalter gerade mal ausreichen würde, um das Kupplungspedal zu treten. Eigentlich sind die Wechsel der Schaltstufen nur an der sprunghaften Bewegung der Nadel des Drehzahlmessers zu erkennen.

Zum Fahrspaß gehört mehr

Letztlich ist der Fahrspaß aber nicht nur dem neuen Automaten geschuldet, sondern auch dem Zusammenspiel mit einem erstklassigen Fahrwerk und einer absolut präzisen Lenkung. Auf den eisigen Kurven in Tirol greift das ESP verhalten, aber sichernd ein, sodass auch bei den widrigen Bedingungen der Auflauf zu einer kleinen persönlichen Pike-Peaks-Rallye wird. Das geht natürlich noch besser, wenn der Ganghebel nach links gedrückt wird, um den Sport-Modus zu aktivieren. Hier verkürzen die Schaltzeiten spürbar und die Gaskennlinie wird spitzer. Selbstredend kann der Pilot an dieser Stelle auch entscheiden, wann der nächste Gang eingelegt werden soll. Not tut das nicht, denn die Elektronik wählt die Punkte mit großer Sorgfalt und Präzision.

Ohne Allrad zum Kühtai aufsteigen? Der Autor zweifelt und hat am Ende Spaß dabei.
Ohne Allrad zum Kühtai aufsteigen? Der Autor zweifelt und hat am Ende Spaß dabei.(Foto: Günter Schmied)

Das funktioniert übrigens auch im lästigen Stop-and-Go-Verkehr und beim Rangieren. Wie bei der Wandlerautomatik hat auch das Doppelkupplungsgetriebe eine Kriechfunktion, die ein sanftes Anfahren ohne Betätigung des Gaspedals gestattet. Einfach Fuß von der Bremse und los geht’s. Dank eines Zweimassenschwungrads mit integriertem Fliehkraftpendel werden die plötzlichen Lastanforderungen im niedrigen Drehzahlbereich sanft ausgeglichen, Schwingungen unterbunden und eine unnötige Geräuschkulisse beim Beschleunigen vermieden. Ja, das alles haben andere Hersteller auch, aber im Mini scheint es nochmal einen Tick besser zu funktionieren.

Das Navi schaltet mit

Datenschutz

Noch ein Vorzug gegenüber der alten Wandlerautomatik ist, dass sich der Wahlhebel jetzt nach dem Einlegen der Fahrposition Drive wieder in die Ausgangsstellung zurück bewegt. Gleiches macht er, wenn der Leerlauf über N oder der Rückwärtsgang über R gewählt wird. Die Parksperre wird durch das Drücken der P-Taste betätigt. An dieser Stelle soll nicht unerwähnt bleiben, dass auch der Ganghebel neu gestaltet wurde. Aus dem runden Knubbel wurde ein handschmeichelndes Rechteck mit Chrome-Applikationen.

Das ist schick, und die Rückführung in die Ausgangsstellung erspart einen Handgriff. Aber richtig stark ist die Einbindung der Navigationsdaten beim Schalten. Ein Feature, das man bisher nur aus hochpreisigen Premium-Autos kennt. Wird anhand der Daten vom Navi oder über die Kamerabilder ein Bremsbedarf an einer nahenden Kreuzung erkannt oder weil der Wagen sich einem vorausfahrenden Fahrzeug nähert, unterbleibt das Segeln, damit die Motorbremse - oder wie der Fachmann sagt, das Motorschleppmoment - zur Verzögerung genutzt werden kann.

Ach, richtig, weil es gerade erwähnt wurde: Um der Effizienz noch einen draufzusetzen, kann der Mini mit seinem Doppelkupplungsgetriebe im Green Mode - was nichts anderes als der Eco-Modus ist - auch segeln. Sobald der Pilot den Fuß vom Gas nimmt, wird der Antriebsstrang abgekoppelt. Je nach Ausstattung mit Navi und entsprechenden Assistenten, erhöht sich nicht nur der Preis des Wagens, sondern auch die Präzision. Der Test-Mini war auf dem ersten Ausritt natürlich mit adaptivem Abstandstempomat, Verkehrszeichenerkennung und Spurhalteassistenten bestückt und brachte es - abseits der kleinen Rallye-Einlage - über 100 Kilometer auf einen Verbrauch von 5,2 Liter Diesel. Welchen Preis Mini für das Doppelkupplungsgetriebe am Ende aufruft, steht noch nicht fest. Allerdings ist damit zu rechnen, dass es sich - wie bei der Wandlerautomatik - um etwa 2000 Euro handeln dürfte.  

Quelle: n-tv.de