Leben

Aus der Schmoll-Ecke Bald schicken wir Schneekanonen in die Ukraine

Eine Schneekanone beschneit den Skihang am Fichtelberg in Oberwiesenthal.

Auch Schneekanonen kann manch einer nur mit gemischten Gefühlen ansehen.

(Foto: Jan Woitas/dpa)

Die Schlacht um Neukölln ging verloren. Die Schlacht um Lützerath auch. Doch der Kampf gegen den Klimawandel und anderes Unheil geht weiter. Gut, dass Deutschland einen neuen Verteidigungsminister hat, findet jedenfalls unser Kolumnist.

Ich bin schwerverletzt - tief in der Seele tut es weh - nach der Niederlage aus Lützerath zurück, nachdem ich im Hambi ein Konzert von Igor Levit besuchte, der mit "Horch, was kommt von draußen rein" am Steinway-Flügel brillierte, den polnische Gastarbeitende extra für ihn in den Wald geschleppt haben, damit alle Menschen auf dem blauen Planeten wissen, dass er, der Klavierspieler, auf der richtigen Seite musiziert. Ein kleiner und hoffentlich von der Meinungsfreiheit gedeckter Scherz zu Beginn dieser galligen Kolumne zu Ihrer Erheiterung, damit Ihnen das Lachen nicht vergeht in der Welt des Wahnsinns, in der wir leben, ob es uns passt oder nicht.

Nein, ich bin die ganze Zeit in Böllerbü gewesen und habe den Kampf für das Gute und gegen das Böse in mir in meinem Homeoffice gekämpft. Böllerbü ist die Stadt nahe Frankfurt an der Oder, in der König Olaf der Vergessliche (früher "König Olaf der Unklare" genannt) regiert oder jedenfalls glaubt, es zu tun. Auch in Böllerbü ist die Welt nicht mehr in Ordnung, wie Silvester zeigte. Hier muss man immerzu wählen und mit der Polizei rechnen, weil sie selbst nicht so gut darin ist. Sie hat Schwierigkeiten, Staatsbürgerschaften zu zählen und korrigiert sich deshalb fortlaufend, was dazu führt, dass die einen Vorurteilsfreien sich freuen, dass ihre Urteile bestätigt werden, während die anderen Vorurteilsfreien sagen, dass das Vorurteile sind und sich erleichtert zeigen, wenn ein Aufmarsch von Nazis in Borna gemeldet wird, der alle Vorurteile der anderen Vorurteilsfreien geraderückt.

Nun waren es also nach "der polizeiintern überarbeiteten Statistik", wie es heißt, 37 Verdächtige in Berlin, die die deutsche, eine doppelte oder eine ausländische Staatsbürgerschaft haben. Toll, dass die Leute überhaupt eine Staatsbürgerschaft haben. Nur von Luft, Liebe und Hartz IV kann nämlich niemand leben. Wobei Staatsbürgerschaften meiner Meinung nach überbewertet sind. Wir haben doch nur diese eine Welt. Ich nenne meine Staatsbürgerschaft auch nicht immer und bitte die CDU darum, nicht von meinem Vornamen auf meine Herkunft und meinen Charakter zu schließen. Ich schwöre Ihnen, dass ich Silvester daheim und friedlich war. Ich bin definitiv weder ein kleiner noch ein großer Pascha und lehne zudem - im Gegensatz zu Privatflieger-Merz - das P-Wort strikt ab, weil es sich um kulturelle Aneignung handelt.

Vielleicht Männer verbieten?

Die Emin-Pascha-Straße in München sollte umbenannt werden. Wie immer sie dann heißen wird: Das Silvester-Problem - wenn es denn überhaupt eins gab, der Mensch vergisst je gerne und schnell - ist gelöst dank der famosen Frau Giffey, deren "Jugendgipfel" alles beschlossen hat, was zu beschließen war. Sonst noch Ideen? "Wenn zu viele Männer Silvesterböller und dergleichen als Waffen verwenden, dann sollten sie wahrscheinlich verboten werden", zitiert der ARD-Presseclub die Chefredakteurin einer bekannten Tageszeitung. Auch diese Verbotsidee packt endlich das Problem an der Wurzel.

Noch besser wäre natürlich, Männer zu verbieten, was ich begrüßen würde, weil es dann keine Kriege mehr gebe, viele Streitigkeiten schlagartig beendet wären und wir die Parität abschaffen könnten, bevor sie vollendet ist. Doch so weit ist es noch lange nicht, weshalb die Grünen auf König Olaf sauer sind, weil der bekanntlich versprochen hat, dass er genauso viele Frauen wie Männer zu MinisterSTERNCHENinnen macht, wenn sie kompetent genug sind wie seine Ministerin für Selbstverteidigung, die nicht wegen Unfähigkeit abgetreten ist, sondern weil die Medien fies zu ihr waren. Herr zu Guttenberg hat ebenfalls seinen Abgang mit dem Jagdtrieb von Pressefritzen und Presselotten begründet.

Ich vermute, dass König Olaf der Vergessliche nicht in böser Absicht handelte, als er einen Mann zum Minister machte, sondern dass er sich nur nicht mehr erinnern konnte, was er mit seinen Partnern in der Fortschrittskoalition zu Beginn seiner Amtszeit vereinbart hatte. Ungeachtet dessen ist unserem Anführer ein geschickter Bierzug gelungen: Er hat gleichermaßen Führungsstärke und Volksnähe gezeigt, als er während eines Besuchs der Brauerei Gold Ochsen in Ulm das arme Schwein auserkoren hat, das Nachfolger der Selbstverteidigungsministerin werden muss.

Es ist dieses geschwinde, kluge und konsequente Handeln, das uns, das Fußvolk, in tiefer Dankbarkeit vor unserem König auf die Knie sinken lässt. Und wer weiß, vielleicht wacht Herr Pistorius noch vor der nächsten Bundestagswahl auf und erklärt das ihm bei Geburt zugewiesene Geschlecht für beendet und bekennt sich dazu, eine Frau oder jemand anderes, aber kein Mann mehr zu sein. Denn es gibt ja bekanntlich mehr als nur zwei Geschlechter, nämlich ganz ganz viele, für die in Böllerbü jeweils eine öffentliche Toilette gebaut wird, damit die beschissene Ungerechtigkeit ein Ende hat.

Klare Ansagen braucht das Volk

Herr (Frau?) Pistorius hat gleich mal gesagt: "Das Verteidigungsministerium ist schon in Friedenszeiten eine Herausforderung, und in Zeiten, in denen man als Bundesrepublik Deutschland an einem Krieg beteiligt ist, - indirekt -, nochmal besonders." Schlimm, schlimm, schlimm, wenn jemand das Offensichtliche ausspricht. Kalle Lauterbach war das noch verboten worden, "Wir sind im Krieg mit Putin", hatte er verkündet. Dann kam die Ex-Ministerin für Selbstverteidigung und erklärte nach der Rückkehr von einem Fronturlaub auf Sylt: "Wir werden keine Kriegspartei." Danach sagte Kalle Lauterbach RTL/ntv: "Natürlich sind wir keine Kriegspartei, da hat Frau Lambrecht völlig recht."

Verlässlichkeit schafft Vertrauen. Sagen, was ist - solange es keinen Bundestagspoeten gibt, müssen die Fortschrittskoalitionäre die Lage der Nation selbiger noch selbst erklären. Klare Ansagen braucht das Volk, damit es nicht durchdreht, gerade jetzt, wo es die Niederlage bei Lützen zu verdauen hat und Himpelchen und Pimpelchen ihren Tunnel verlassen mussten. Quatsch, ich meine natürlich die Schlacht bei Lützerath, deren historische Bedeutung allerdings dem Gemetzel von Lützen nahekommt. Mein Verschreiber kam nicht von ungefähr. Dort ging es um den Wandel der Religionen, hier ging es um den Wandel des Klimas.

Beides ist von größter Bedeutung für die Menschheit. Aber ohne Strom geht auch nichts. Deshalb sind die Grünen für Religionsfreiheit, Energiegewinnung und Klimaschutz. Und deshalb haben sie in NRW und im Bundestag für das Abbaggern von Lützerath gestimmt, aber vor Ort dagegen protestiert. Kathrin Henneberger, die für die Grünen im Bundestag nur das Gute will, erklärt das sehr schlüssig: "Wir haben ein Problem der Gesetzeslage. Wir haben ein Problem des Kohlekonzerns. Wir haben ein Problem der Koalitionspartner." Und: "Unser gemeinsamer Gegner ist der Kohlekonzern RWE." Greta Thunberg, bekannte Kämpferin gegen Vorurteile, meint: "Dass die Grünen mit solchen Unternehmen Kompromisse schließen, zeigt, wo ihre Prioritäten liegen."

Frau Thunberg empört sich auch darüber, "wie die Polizeigewalt ist". Ich mach' hier mal das Hufeisen auf. Migranten- und Flüchtlingsgewalt - oh Gott, Pauschalurteile. Ganz schlimm. Bei der Polizei ist das okay, alle Beamten über einen Kamm zu scheren, denn die kann (siehe oben) nicht mal rechnen. Aber ich wäre vorsichtig, die Polizei zu sehr zu ärgern. Die soll ja bald das Böllerverbot und das Tempolimit auf Autobahnen kontrollieren. Damit wir den Klimawandel in den Griff kriegen und keine Schneekanonen mehr brauchen. Die schickt König Olaf der Vergessliche dann in die Ukraine. Natürlich "immer eng abgestimmt und koordiniert mit unseren Freunden und Verbündeten". Lang lebe König Olaf!

Quelle: ntv.de

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