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"Dumm und ekelhaft" Oliver Pocher fetzt sich mit der AfD

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Nimmt kein Blatt vor den Mund: Oliver Pocher.

(Foto: imago images / Future Image)

Der mutmaßlich von dem aus Eritrea stammenden Habte A. begangene Mord an einem Achtjährigen auf dem Frankfurter Hauptbahnhof ruft auch die AfD auf den Plan. Sie bringt die Tat mit der Flüchtlingspolitik in Zusammenhang. Das wiederum bringt Oliver Pocher auf die Palme.

Allzu viel weiß man über den Mann, der in Frankfurt am Main mutmaßlich einen Achtjährigen vor einem einfahrenden ICE auf das Gleis stieß, bisher nicht. Nur so viel: Er stammte ursprünglich aus Eritrea, erhielt nach illegaler Einreise in die Schweiz 2008 dort Asyl und galt seither als gut integriert. Zuletzt soll er jedoch psychische Probleme gehabt haben. Er rastete gegenüber seiner Frau und seinen drei Kindern aus, wurde in der Schweiz zur Fahndung ausgeschrieben und machte sich aus dem Staub. Dann tauchte er am Hauptbahnhof der Mainmetropole wieder auf, wo er mutmaßlich nicht nur dem Achtjährigen den tödlichen Stoß versetzte, sondern auch versuchte, noch weitere Menschen zu ermorden.

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Dass die AfD die grausige Tat zum Anlass nehmen würde, sie mit der Flüchtlingspolitik in Verbindung zu bringen, war eigentlich kaum anders zu erwarten. Und so twitterte AfD-Fraktionschefin Alice Weidel nur kurz nach der Tat auch schon drauflos: "An Entsetzlichkeit ist diese Tat kaum mehr zu überbieten - was muss noch passieren? Schützt endlich die Bürger unseres Landes - statt der grenzenlosen Willkommenskultur!", schrieb sie, nachdem die Herkunft des mutmaßlichen Täters bekannt geworden war.

Einer, dem diese Verquickung des Verbrechens mit der Flüchtlingsfrage ordentlich gegen den Strich ging, ist Comedian Oliver Pocher. So nutzte er Weidels Tweet für eine gepfefferte Replik: "Die Herkunft des Täters mit dieser Straftat in Verbindung zu bringen, um hier rechtspopulistische Weisheiten zu verbreiten, ist einfach nur dumm und ekelhaft", erwiderte er in Richtung Weidel bei Twitter.

"Sehr christlich von Oliver Pocher"

Damit nahm die Fehde zwischen ihm und der AfD jedoch gerade erst ihren Anfang. Nun fühlte sich der Ableger der Partei in Berlin bemüßigt, Pocher auf seinem offiziellen Twitter-Account anzugehen. "Sehr christlich von Oliver Pocher, sich um den Leumund eines Kindermörders zu kümmern", ätzte der Landesverband in Richtung des TV-Stars.

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Klar, dass Pocher das nicht auf sich sitzen lassen wollte. "Inhaltlich komplett falsch! Aber in Tatsachen verdrehen, kennt Ihr euch ja aus. Ihr seid auch keine Alternative für Deutschland, sondern einfach nur ein gefühlskalter Abschaum", teilte er in seinem nächsten Tweet aus. Zugleich forderte er den Verfasser des Tweets auf, sich zu erkennen zu geben - "verstecke dich nicht hinter deinem AfD-Berlin-Account!"

Der Angesprochene ließ sich das nicht zweimal sagen und entpuppte sich als Karsten Woldeit, Landes- und Fraktionsvize sowie innenpolitischer Sprecher der AfD in der Hauptstadt. Aber natürlich blieb es nicht dabei. Woldeit legte noch einmal nach. Er stehe zu seiner Meinung, erklärte er und fügte süffisant an: "Ich bekomme als Innenpolitiker mit, was läuft, wie sieht es bei Ihnen aus?"

Ein "Tipp zum Feierabend"

Damit war die nächste Runde im Schlagabtausch eröffnet. "Sehr gut! Danke der Nachfrage. Sie können ja gerne zu Ihrer Meinung stehen ... aber es gibt einen feinen Unterschied zwischen Meinung und Hetze", las sich Pochers Antwort. Zugleich gab der 41-Jährige dem AfD-Politiker noch einen "Tipp zum Feierabend" mit auf den Weg: "Distanzieren Sie sich von rechter Gewalt, erkennen Sie den Klimawandel an und geben sie jede Parteispende an."

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Doch damit war noch immer nicht Schluss. Woldeit reagierte erneut. Er bekämpfe politischen Extremismus jeder Art, versicherte er. Auch Spenden nehme er persönlich nie an. "Beim Klimawandel gibt es differenzierte Meinungen, die ich als Innenpolitiker nicht im Schwerpunkt bearbeite, da nicht mein Ressort", ergänzte er.

Der bislang letzte Tweet in dieser Auseinandersetzung stammte wiederum von Pocher. "Dann sind sie definitiv der richtige Mann in der falschen Partei!", schrieb er Woldeit ins Stammbuch. Und: "Auch für Sie als Innenpolitiker sollte deutlich erkennbar sein, dass es einen vor allem von Ländern, die keine Flüchtlinge haben wollen, durch Umweltverschmutzung verursachten Klimawandel gibt."

AfD-Abgeordnete verflucht Tag von Merkels Geburt

Wenngleich dies der bisherige Schlusspunkt in dem Zank zwischen Pocher und Woldeit war - die Abrechnung des Comedians mit der AfD war auch damit noch nicht zu Ende. Schließlich meldete sich auch die AfD-Bundestagsabgeordnete Verena Hartmann mit einem Tweet zu Wort, in dem sie mal wieder indirekt Bundeskanzlerin Angela Merkel für den Mord in Frankfurt am Main verantwortlich machte. "Frau Merkel, was wollen Sie uns noch antun? Sie werden nie wissen, was es bedeutet, Mutter zu sein, weder für ein Kind, noch für dieses Land! Aber ich verfluche den Tag Ihrer Geburt!", posaunte sie in die Welt hinaus.

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Und Pocher? Der war auch in diesem Fall schnell mit einer Antwort parat: "Solange solche Abgeordneten, die 'den Tag der Geburt von Frau Merkel verfluchen', im Bundestag für die AfD sitzen, braucht man mit euch nicht diskutieren ... oder können Sie sich von so einer Beleidigung mal deutlich distanzieren!?"

Die wirklich "wichtigen Sachen"

Inzwischen ist Pocher auf seinem Twitter-Account dazu übergegangen, sich wieder über "wichtige Sachen" wie das "Sommerhaus der Stars" zu unterhalten. Davor gab es jedoch ebenfalls noch ein kurzes Hin und Her mit dem Berliner AfD-Abgeordneten Tommy Tabor, der sich offenbar genötigt sah, Pocher zu maßregeln. "Machen Sie lieber Ihre niveaulosen und flachen Witze, anstatt eine Politik in Schutz zu nehmen, die einfach nur verhängnisvoll für Deutschland ist und sein wird. Frau Weidel und die AfD ist weder dumm noch ekelhaft", schrieb er an die Adresse des Kritikers.

"Ach Tommy ... ich hätte auch von dir mehr Intelligenz erwartet, Fakten nicht zu verdrehen. Aber dass Ihr jetzt auch noch die Witzepolizei seid. Über was kannst du denn so lachen? Das würde jetzt mich mal wirklich interessieren", lautete Pochers lapidare Antwort darauf.

Man mag den Comedian gerne mal für die eine oder andere Aktion belächeln. Aber einen Mangel an Mut, aufzustehen und fragwürdigen politischen Äußerungen Paroli zu bieten, kann man ihm definitiv nicht unterstellen.

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Quelle: n-tv.de, vpr

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