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68er-Ikone feiert 80. Geburtstag Rainer Langhans: "Bester Sex war mit Uschi"

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Mittlerweile 80 Jahre alt: Rainer Langhans.

(Foto: dpa)

Er war Teil der Studentenbewegung und Bewohner der Polit-Wohngemeinschaft Kommune I, wo neue Wege des Zusammenlebens und der Liebe im Vordergrund standen. Zum 80. Geburtstag der 68er-Ikone erinnert sich Rainer Langhans und bereut nichts.

ntv: Wie fühlt es sich an, 80 Jahre alt zu sein?

Langhans: Irreal. Ich fühle mich immer jünger werdend. So 12, 13, 14 Jahre alt. Und gleichzeitig sagen alle immer 'ah, 80!' Der Körper ist auch noch nicht so runtergekommen, dass mir das dauernd meinem inneren Gefühl widerspricht, sodass ich mich eigentlich bestens damit fühle.

Sie haben so ein bewegtes Leben hinter sich, wie halten Sie sich fit? Sie sehen ja höchstens aus wie 65!

Meine Vermutung ist natürlich, dadurch dass ich innerlich jünger werde, also mehr und mehr wieder zum Kind werde, dass das Äußere dann mitzieht. Ich übe aber auch das Sterben. Also, dieses aus dem Körper herausgehen, was jetzt schon mal durch das Alter allmählich an mich herantritt. Ich habe auch eine Möglichkeit entdeckt, wie das geht.

Haben Sie Angst vorm Sterben? Beunruhigt Sie das?

Ich würde schon sagen, dass ich diese Angst habe, ja. Ich kann noch nicht einfach aus dem Körper herausgehen und dann wieder zurückkehren, was ja der Inhalt meines inneren Weges letztendlich ist.

Bereuen Sie etwas?

Nee, eigentlich nicht. Ich habe alle Dinge, die schrecklich waren und die ich falsch gemacht habe, letztendlich zu einem Lernprozess nutzen können. Insofern sind all die Fehler, wenn man so will, eben doch Schritte geworden. Ein Vorwärtskommen. Ich sage immer, eigentlich ist der Mensch so, dass er sich nur scheiternd nach vorne bewegt. Jedes Scheitern ist ein Schritt nach vorne, wenn du es richtig verstehst und dich damit entsprechend auch verbindest. Diese Erfahrung, die ich auch mühselig gelernt habe, durch dieses Nach-Innen-gehen, die ist sehr gut.

Sie sind ein Sexgott. Wie finden Sie diesen Beinamen, den Sie da bekommen haben?

Am 30. September 1967 versammelten sich mehrere Hundert Jugendliche und Studenten auf dem Kurfürstendamm, um für den in Untersuchungshaft sitzenden FU-Studenten Fritz Teufel zu demonstrieren - unter ihnen Rainer Langhans.

Am 30. September 1967 demonstrierten auf dem Kurfürstendamm in Berlin viele Menschen für den in Untersuchungshaft sitzenden FU-Studenten Fritz Teufel - unter ihnen Rainer Langhans.

(Foto: dpa)

Wir haben damals so ein bisschen sexuelle Revolution versucht, da stehe ich auch dazu. Aber ich stehe auch dazu, dass ich mit dieser sexuellen Revolution nicht erreicht habe, was ich wollte, nämlich wieder zu den 68ern zurückzukehren. Wenn du einmal im Paradies warst und wieder rausmusst, dann wirst du immer wieder versuchen, dort hinzukommen. Du hältst es hier, was sich dann als Hölle entpuppt, nicht mehr richtig aus. Das haben wir dann mit verschiedenen Mitteln versucht. Drogen auch. Wir haben es nicht geschafft.

Was war der beste Sex Ihres Lebens?

Mit Uschi (Obermaier, Red.), klar - das war wirklich eine große Liebe, keine Frage. Nur diese Liebe endete eben an dem Punkt, wo ich merkte, dass ich immer unglücklicher werde, wenn ich immer weiter mache.

Was hat diesen Sex so besonders gemacht?

Uschi ist ein sehr sinnliches Wesen, erfreut sich ihrer Sinnlichkeit. Und liebt Sex über alles. Das ist für sie wirklich das Wichtigste und Größte. Und als ich dann eben sagte, für mich leider so nicht, da war sie und ist sie bis heute beleidigt. Auch als Frau.

Wann haben Sie zum letzten Mal mit ihr geredet?

Ich schätze, das ist anderthalb, zwei Jahre her.

Wie war das damals eigentlich mit Mick Jagger?

Mick Jagger war einfach ein Musiker. Ich hielt übrigens damals nichts von Musikern. Die waren noch nicht so berühmt, nicht dieses riesige Star-Getue. Für mich war das ein netter Mittelschicht-Typ. Der sehr gut mit Geld umgehen konnte und das alles relativ geschäftsmäßig betrieb.

Waren Sie damals sauer auf Mick Jagger, weil er Ihnen die Uschi ausgespannt hat?

Nee, überhaupt nicht. Ich liebte Uschi und ich wusste, dass sie die Stars mochte und mit ihnen schlafen wollte, denn sie wollte engen Kontakt mit den Göttern und den schönsten Menschen der Welt. Und als sie das dann gemacht hat - übrigens erst aus Rache, weil ich das vor ihr, also vor ihren Augen gemacht habe - da hat sie das dann mehrfach gemacht. Mit Jimi Hendrix erstmal.

Sie leben ja mit ihren drei Frauen Brigitte Streubel, Gisela Getty und Christa Ritter unter einem Dach - haben Sie noch Sex?

Nein, wir haben keinen. Wenn man so will: Ihn zu verlassen, das ist nicht ganz einfach. Ich denke aber, dass wir da ein ganzes Stück vorangekommen sind. Und auch die Frauen, die meiner Ansicht nach weitaus mehr an Sex interessiert sind als es die Männer letztendlich sind. Ich hab das selbst erlebt, ich wollte ja nicht mehr, aber die wollten ja auf jeden Fall. Denn nur wenn du Sex hast, bist du eine Frau.

Thema: Sex im Alter - wird's schwieriger, auch mit Erektionen?

Natürlich baut man auch in der Richtung ab. Jetzt könnte man sagen, wir kommen dem zuvor. Also, bevor wir nicht mehr können, wollen wir nicht mehr können. Wir versuchen das immer weniger werden zu lassen.

Rainer Langhans nahm 2011 am Dschungelcamp teil. Zu seinen Mitstreitern gehörten Eva Jacob, Jay Khan, Peer Kusmagk, Sarah Knappik, Katy Karrenbauer, Franck Matthée, Gitta Saxx, Thomas Rupprath, Mathieu Carrière und Indira Weis.

Rainer Langhans nahm 2011 am Dschungelcamp teil.

(Foto: picture alliance / dpa)

Bereuen Sie das Dschungelcamp?

Überhaupt nicht, im Gegenteil. Ich habe es genossen. Denn es war das, was ich vorher schon gesagt und gesehen hatte, tatsächlich auch in der Realität, nämlich eine Kommunen-Erfahrung. Und dass es das im Fernsehen, noch dazu als Erfolgsformat gibt, das fand ich bemerkenswert. Hat mich aber nicht daran gehindert, trotzdem reinzugehen. Zwar werden auf RTL nur Lästereien und Zickereien gezeigt, aber dass das eine gute Erfahrung für die Beteiligten war, das habe ich hinterher und währenddessen erlebt, und deswegen bereue ich das nicht. Und das viele Geld, das ich dadurch verdient habe, habe ich dann wieder weggegeben

Wie gestalten Sie Ihren Lebensunterhalt?

Ich habe ja immer nach einem Beruf gesucht, nach etwas, das ich in dieser komischen Gesellschaft machen kann. Es fiel mir sehr, sehr schwer. Genauer gesagt, es ist mir nicht gelungen. Weil ich, wie ich vor einigen Jahren entdeckt habe, ein typischer Asperger Autist bin. Die kommen nie wirklich in diese Welt. Aber ich habe mich wirklich bemüht und alles Mögliche probiert und nichts hat getaugt. Das Einzige, was heute noch übrig ist und was jetzt mein Beruf oder meine Berufung als Autist ist, ist: Obwohl ich das nicht kann, immer wieder mit jedem zu reden, der das möchte. Ein Vortrag. Das reicht mir zum Überleben. Zumal ich kein großer Konsument bin. Ich brauche nicht viel.

Was wünschen Sie sich beim Kerzenausblasen?

Immer der gleiche Wunsch, ich will zu meinem Meister, ich will weiter nach innen gehen, das ist mein größter Wunsch.

Quelle: ntv.de