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16 Monate auf Bewährung Rapper Fler in Abwesenheit verurteilt

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Fler im Februar 2022 - bei seiner jetzigen Verurteilung ließ er sich nicht blicken.

(Foto: imago images/Olaf Wagner)

Sich das Urteil selbst anhören, will Fler nicht. Nachdem er zuletzt wutentbrannt aus dem Saal gestürmt war, wird vor dem Amtsgericht in Berlin aber auch ohne ihn wegen diverser Delikte Recht gesprochen. Dabei kommt der Rapper mit einer Bewährungsstrafe davon.

Während der Berliner Rapper Fler selbst durch Abwesenheit glänzte, hat ihn das Amtsgericht Tiergarten zu einem Jahr und vier Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Der 40-Jährige wurde der Körperverletzung sowie der Beleidigung, Bedrohung, Sachbeschädigung und der öffentlichen Aufforderung zu Straftaten schuldig gesprochen. Außerdem muss der Musiker 10.000 Euro an eine gemeinnützige Einrichtung zahlen. In die Strafe einbezogen wurde eine inzwischen rechtskräftige Verurteilung zu zehn Monaten Haft auf Bewährung, die im März 2021 unter anderem wegen Beleidigung gegen den Rapper verhängt worden war.

Fler, mit bürgerlichem Namen Patrick Losensky, hatte am ersten Prozesstag vor einer Woche gestanden und war dann während der Befragung einer Zeugin schimpfend aus dem Saal gestürmt. Es würden Lügen vorgetragen, hatte er zuvor gerufen. Am nun zweiten Tag blieb der Platz neben dem Verteidiger leer. Das Gericht beschloss, die Verhandlung ohne den Angeklagten fortzusetzen.

Aufruf zum Kidnapping

Zwei Anklagen mit insgesamt sechs Straftaten wurden in dem Prozess verhandelt. Der Musiker hatte laut Urteil Anfang 2020 in den sozialen Medien zwei Frauen massiv beleidigt. In einem Fall habe er ein Bild der Betroffenen auf seinem Account veröffentlicht und 2000 Euro dafür geboten, dass sie "gebracht" werde. Das müsse als ein Aufruf verstanden werden, sie zu kidnappen, hieß es im Urteil. In einem anderen Fall habe er einen Comedian bedroht.

Einige Tage später habe Fler im März 2020 ein Fernsehteam, das ihn beim Verlassen eines Geschäfts interviewen wollte, attackiert und beleidigt, hieß es. Er habe den Kameramann mit der Faust geschlagen und die Kamera mutwillig auf den Boden geworfen.

Auslöser der Anfeindungen im Internet war laut Anklage ein Beitrag einer der beiden Frauen auf einer Plattform, in dem sie auf ihrer Ansicht nach frauenverachtende Äußerungen in Raptexten des Musikers hingewiesen hatte. Zwischen Rappern sei der von dem Angeklagten in dem Diskurs genutzte Umgangston möglicherweise üblich, doch das gelte nicht für eine Kommunikation mit Nicht-Rappern, sagte die Vorsitzende Richterin Franziska Bauersfeld. Er habe sich ehrverletzend geäußert.

"Desinteressierter Angeklagter"

Fler ist in der Vergangenheit immer wieder verurteilt worden - meistens ergingen gegen den Musiker Geldstrafen wegen Beleidigung, Bedrohung oder Körperverletzung. Im aktuellen Prozess hatte der für Provokationen bekannte Rapper erklärt, er habe sich bei den Vorfällen in den sozialen Medien einer Kampagne ausgesetzt gesehen, habe reagiert - und sei dabei übers Ziel hinausgeschossen. Er werde "in Zukunft Konfrontationen aus dem Weg gehen". Wenn er anfange, zu beleidigen, neige er dazu, das "ausgiebig" zu tun, erklärte Fler. Er habe aber inzwischen gelernt - "am besten gar nicht reagieren".

Dem aktuellen Urteil war eine Verständigung der Prozessbeteiligten vorausgegangen. Fler wurde im Fall eines Geständnisses eine Gesamtstrafe von maximal einem Jahr und sechs Monaten Haft auf Bewährung zugesagt. Ein Anwalt, der den Kameramann als Nebenkläger vertrat, sah in der Aussage von Fler "kaum ein von Reue getragenes Geständnis im Sinne der Anklage". Der Rapper habe sich als "desinteressierter Angeklagter" gezeigt.

Richterin Bauersfeld sagte, aus Sicht des Gerichtes sei es ein echtes Geständnis. Berücksichtigt worden sei auch, dass der Rapper ein Schmerzensgeld von 10.000 Euro an den Kameramann gezahlt habe. Die verhängte Strafe könne wegen einer positiven Sozialprognose zur Bewährung ausgesetzt werden. Gegen den Musiker gebe es auch keine neuen strafrechtlichen Vorwürfe.

Der Staatsanwalt hatte eineinhalb Jahre Haft auf Bewährung verlangt. Der Verteidiger sagte, sein Mandant habe sich mit überzogenen Stilmitteln gewehrt. Das bedauere er. Der Anwalt stellte keinen konkreten Antrag. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Quelle: ntv.de, vpr/dpa

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