Kino

Kein Film, sie zu knechten "Der Hobbit" sticht endlich zu

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Er ist zurück - in Farbe, 3D und mit 48 Frames die Sekunde: Martin Freeman als "Der Hobbit".

(Foto: dpa)

"Smaugs Einöde" lautet der Untertitel des zweiten Teils der von Regisseur Peter Jackson zur Trilogie aufgeblasenen "Hobbit"-Saga. Doch siehe da: Anders als nach dem schleppenden Auftakt der Reihe zu befürchten war, entpuppt sich die Fortsetzung als gar nicht so öde.

Finanziell gesehen war nach "Der Hobbit - Eine unerwartete Reise" bereits alles im grünen Bereich. Mehr als eine Milliarde Dollar spülte Teil 1 der Geschichte um Bilbo Beutlin weltweit in die Kinokassen. Die Inflation nicht berücksichtigt, steht der Streifen damit aktuell auf Platz 15 der erfolgreichsten Kinofilme aller Zeiten - nur einige Ränge hinter dem Finale "Die Rückkehr des Königs" der viel umjubelten "Herr der Ringe"-Adaption (Platz 7).

Weniger zufrieden dürften Regisseur Peter Jackson, sein Ensemble und die beteiligten Produktionsfirmen indes mit der Resonanz auf den Film gewesen sein. Viel zu schleppend, zu eintönig, zu redundant, zu langatmig und damit auch zu langweilig, urteilten viele Kritiker. Auch n-tv.de kam zu dem Ergebnis, dass einem hier vor allem "eine unerwartet lange Reise" präsentiert wurde. Andere wiederum störten sich massiv an der Anmutung der Kameratechnik mit 48 Frames pro Sekunde, die Jackson bei dem Film erstmals zum Einsatz brachte. Als revolutionäre Innovation gedacht, geriet der Hyperrealismus auch und gerade in der sagenumwobenen Fantasy-Welt von Mittelerde zum Rohrkrepierer.

Somit stand die Fortsetzung, die nun mit dem Untertitel "Smaugs Einöde" in die Kinos kommt, unter keinem guten Stern. Vielmehr war zu befürchten, dass der Film abermals geeignet sein würde, einen mit einer auf 160 Minuten ausgewalzten dürren Handlung zu knechten und gefühlt ewig in den Kinosessel zu binden. Inhaltlich setzt der Streifen natürlich da an, wo der andere aufgehört hat - bei der Reise Bilbos (Martin Freeman) und der 13 Zwerge unter Führung Thorin Eichenschilds (Richard Armitage) zum einstigen Zwergenreich Erebor. Immer noch trägt der Hobbit den mysteriösen Ring bei sich, den er im ersten Teil dem nicht minder mysteriösen Geschöpf namens Gollum abgeluchst hat. Auf ein Wiedersehen mit der von Andy Serkis so genial verkörperten Kreatur müssen die Fans übrigens erst einmal verzichten - sie kommt in "Smaugs Einöde" nicht vor.

Eine Frau - zum Glück

Mehr und mehr wird sich Bilbo der verstörenden Macht des Ringes gewahr, der seinem Träger zunächst doch nur Unsichtbarkeit zu verleihen schien. Gleichwohl erweist sich das Schmuckstück in mancher Gefahr als äußerst nützlich. Und Gefahren gibt es auf dem Weg nach Erebor natürlich nach wie vor jede Menge - von den Riesenspinnen im Düsterwald über die ganz und gar nicht zwergenfreundlichen Elben bis hin zu den schaurigen Orks, die weiterhin unerbittlich Jagd auf die kleinwüchsige Reisegruppe machen. Ganz zu schweigen von dem fürchterlichen Drachen Smaug (gesprochen von Benedict Cumberbatch), der die Zwerge einst aus ihrer Heimat vertrieben hatte und seither über deren riesigem Schatz thront. Am einsamen Berg von Erebor angekommen, muss sich Bilbo ihm stellen. Schließlich war er ja angeheuert worden, um als Meisterdieb den Zwergen wieder zu ihren alten Besitztümern zu verhelfen …

Das "Hobbit"-Grundproblem kann freilich auch "Smaugs Einöde" nicht wirklich zufriedenstellend in den Griff bekommen: das Problem, dass die literarische Grundlage von J.R.R. Tolkien eigentlich ein dünnes Kinderbüchlein war, das nun in drei überlangen Filmen zu einem dem "Herrn der Ringe" ebenbürtigen Fantasy-Spektakel aufgeblasen werden soll. Gleichwohl gelingt es Jackson im zweiten Teil deutlich besser, mit dem Problem umzugehen, als noch bei der "unerwarteten Reise". Allerdings nicht ohne Kniff, sondern nur, indem er Tolkiens Geschichte kräftig mit neu hinzugedichteten Handlungssträngen und Charakteren anfüttert.

Klar, bei Mittelerde-Puristen stößt das auf Ablehnung. Evangeline Lilly, Darstellerin der von Jackson eingeführten Elben-Schönheit Tauriel, bekam das etwa durch allerlei Hass-Postings im Web auch kräftig zu spüren. Dabei sollte wirklich jedermann für die nicht ohne Bedacht vorgenommenen Erweiterungen des Tolkien-Universums dankbar sein. Zum einen, weil die frauenlose Welt, die der Autor im Schatten der 30er Jahre des vorigen Jahrhunderts ersonnen hat, doch wohl nun wirklich niemand so auf der Leinwand sehen will. Zum anderen, weil eben nur so eine Verfilmung des "Hobbits" in dieser Dimension funktionieren kann. Und schließlich, weil Jackson mit dem Handlungsausbau Lücken im Tolkien-Werk schließt und Brücken zwischen den einzelnen Romanen schlägt. Etwa dann, wenn sich Gandalf (Ian McKellen), das heraufziehende Unheil für Mittelerde ahnend, auf die Suche nach dem rätselhaften Nekromanten macht, der bereits im ersten "Hobbit"-Streifen aufgetaucht ist. Die wahre, grauenvolle Macht, die sich hinter der Gestalt verbirgt, führt direkt zum "Herrn der Ringe". Wetten, Tolkien hätte das gefallen?!

Detailfülle und Perfektion

Drohten einen die Zwerge beim Aufbruch zu ihrer "unerwarteten Reise" noch in den Schlaf zu singen, nimmt ihr Trip in "Smaugs Einöde" so endlich Fahrt auf - auch wenn es immer noch einige wirklich unnötige Längen gibt. Die Schlacht, die sich Zwerge, Elben und Orks liefern, während Bilbos Truppe in ein paar Weinfässern einen reißenden Fluss hinabtreibt, ist ein wirklich atemberaubendes Kinoerlebnis. Dass einen die unglaubliche Detailfülle und Perfektion der computergenerierten Landschaften und Wesen - allen voran Smaug - in Mittelerde in den Bann zieht, ist beinahe schon keiner Rede mehr wert. Das war auch schon beim ersten "Hobbit"-Streifen und natürlich "Der Herr der Ringe" der Fall.

Die ganz und gar gute Nachricht dabei lautet, dass Jackson den Film zwar abermals mit 48 Frames pro Sekunde abliefert, aber an der Wirkung seiner Bildgewalt gefeilt hat. Jetzt wirken die 3D-Welten zwar immer noch ultrascharf und realistisch, aber längst nicht mehr so überstrahlt wie in Teil 1. Kein Grund also mehr, den Machern die Nazgûl an den Hals zu wünschen. In "Smaugs Einöde" ist richtig was los.

"Der Hobbit - Smaugs Einöde" läuft ab sofort in den deutschen Kinos.

Quelle: ntv.de