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Stieß zu Beginn seiner Karriere auf Vorurteile und ist heute einer der weltbesten Geiger: Itzhak Perlman.
Stieß zu Beginn seiner Karriere auf Vorurteile und ist heute einer der weltbesten Geiger: Itzhak Perlman.(Foto: Arsenal Filmverleih)
Mittwoch, 08. August 2018

Charmanter Doku-Film: Itzhak Perlman betet mit der Geige

Von Katja Sembritzki

Es ist ein Film, der Zuschauern ein Lächeln ins Gesicht zaubern kann: Ein Jahr lang begleitet eine US-Regisseurin Itzhak Perlman mit der Kamera und zeigt einen verschmitzten, vor Lebensfreude strotzenden und für die Musik brennenden Stargeiger.

Virtuos streicht er auf seiner Stradivari alles von Bach bis Strauss, stimmt vor einem Baseball-Spiel im Trikot der New York Mets die US-Hymne an und tritt gemeinsam mit Rocksänger Billy Joel auf: Itzhak Perlman zählt zu den besten Geigern der Gegenwart und schert sich nicht um Genregrenzen. Auch Filmfans werden eine von ihm interpretierte Melodie im Ohr haben: das Geigensolo im Soundtrack von "Schindlers Liste".

Ein Jahr lang folgte Regisseurin Chernick dem Geiger mit der Kamera.
Ein Jahr lang folgte Regisseurin Chernick dem Geiger mit der Kamera.

Mit der Dokumentation "Itzhak Perlman - Ein Leben für die Musik" kommt nun ein charmantes Porträt des in Tel Aviv als Sohn polnischer Einwanderer geborenen und heute in New York lebenden Geigers in die Kinos. Alison Chernick hat ihn dafür 2015 ein Jahr lang begleitet. Es sei "ein toller Zeitpunkt" gewesen, so die US-Regisseurin: "Es war Perlmans 70. Lebensjahr und natürlich war da viel los."

Chernick und ihr Team filmen einen sympathischen Mann zwischen Ernsthaftigkeit und Verschmitztheit. Sie sind dabei, wenn Perlman mit dem Cellisten Mischa Maisky und dem Pianisten Jewgeni Kissin das Klaviertrio von Tschaikowsky probt und seine Kollegen in der Mittagspause mit einem Witz unterhält. Wenn er während eines Besuchs in Israel bei einem Instrumentenbauer auf einer Violine spielt, die ihr jüdischer Besitzer mit nach Auschwitz nahm. Wenn er mit seiner Familie das Pessachfest feiert, für einen Freund eine "Garbage pail soupe" aus Gemüseresten kocht oder sich mit seinem Scooter durch den New Yorker Schneematsch kämpft.

Alle sahen nur die Krücken

Auf den Scooter ist Perlman aufgrund seiner Behinderung angewiesen. Als Junge erkrankte er an Kinderlähmung, seitdem braucht er bei der Fortbewegung Hilfsmittel und spielt seine Konzerte im Sitzen. Als er mit 13 Jahren in die USA kam und an der berühmten Juilliard School angenommen wurde, begegnete er vielen Vorurteilen. Denn die meisten Menschen hörten nicht seine außergewöhnliche Begabung, sondern sahen nur seine Krücken.

Ehefrau Toby ist Itzhak Perlmans größter Fan.
Ehefrau Toby ist Itzhak Perlmans größter Fan.(Foto: Arsenal Filmverleih)

Doch das hielt Perlman nicht davon ab, eine große Karriere zu starten. Bis heute begeistert er Millionen Zuhörer in aller Welt mit seinem satten und zugleich empfindsamen Violinenton. Perlman mache nicht einfach nur Musik, meint der israelische Instrumentenbauer: "Es ist ein Beten mit der Geige." Seine Leidenschaft für die Musik merkt man Perlman in jedem Moment des Films an - egal ob er Klassik oder Klezmer spielt, Nachwuchsstreicher unterrichtet oder mit seiner Frau Toby musikalische Momente teilt.

Die Szenen mit Toby, ebenfalls Geigerin, bilden die eigentlichen Herzstücke der Dokumentation. Als sie Itzhak in einem Sommercamp für Musikstudenten kennenlernte, machte Toby ihm sofort einen Heiratsantrag. Auf ein "Ja" musste sie allerdings noch ein paar Jahre warten. Inzwischen sind die Perlmans seit über 50 Jahren verheiratet und haben fünf Kinder.

Momentaufnahme statt Überblick

Der Film zeigt die beiden als ein in Zuneigung und gegenseitigem Respekt verbundenes Paar. Toby ist die größte Kritikerin ihres Mannes - aber vor allem sein größter Fan. Höre sie ihn spielen, "ist es wie Atmen. Es ist, wie am Leben sein", schwärmt sie.

Wer sich die Dokumentation ansieht, um einen Überblick über die Karriere Perlmans zu bekommen, wird eine Enttäuschung erleben. Rückschauen finden zwar statt (in Gesprächen und anhand ausgesuchter Archivmaterialien wie dem umjubelten Auftritt des 13-Jährigen bei der "Ed Sullivan Show"), allerdings ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

Chernick rückt voll und ganz die Persönlichkeit Perlmans in den Mittelpunkt, seine Fröhlichkeit, unbändige Lebensfreude und inspirierende Begeisterung für Musik. Als Zuschauer kann man nicht anders, als den Kinosaal am Ende des Films mit einem Lächeln im Gesicht zu verlassen.

Die Dokumentation kommt am 9. August in die Kinos.

Quelle: n-tv.de