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Donnerstag, 09. August 2018

Kommt es auf die Größe an?: "MEG" oder "Der weiße Hai XXL"

Von Volker Probst

Das kann ja hai-ter werden: Im Film "MEG" begibt sich Haudrauf-Experte Jason Statham auf die Jagd nach Killer-Haien. Ach was, Killer-Haien - Riesen-Mega-Monster-Haien. Fragt sich nur: Ist das Fisch? Fleisch? Oder keins von beidem?

Steven Spielberg hat das Kino viel zu verdanken. Nicht zuletzt, dass er mit "Der weiße Hai" seinerzeit einen Streifen inszenierte, der ein ganzes Genre begründen sollte: das der Haifisch-Filme.

Vorsicht, bissig!
Vorsicht, bissig!(Foto: Courtesy of Warner Bros. Pictures)

 Genau genommen sind es sogar zwei Genres: das der wirklich ernst gemeinten Hai-Thriller der Marke "Open Water" oder "The Reef" und das der eher lachhaften Trash-Verfilmungen, heißen sie nun "Supershark", "Snow Sharks" oder natürlich "Sharknado". Von einem deutschen Schwachsinnsfilm wie "Hai-Alarm am Müggelsee" mal ganz zu schweigen.

Genmanipuliert und groß

Doch weil ein Hai allein manchen Filmemachern längst nicht mehr furchteinflößend genug ist, erhielten die Raubfische in vielen Streifen mittlerweile noch diverse Zusatzqualifikationen verpasst: mehrere Köpfe (von "2-Headed Shark Attack" bis "5-Headed Shark Attack"), Genmanipulationen ("Deep Blue Sea") oder Kreuzungen mit einem Oktopus ("Sharktopus").

Und natürlich wurde auch an der Größe der Biester geschraubt. Von "Jurassic Shark" über "Sharkzilla" bis "Mega Shark" - sie alle nahmen dabei Bezug auf den sogenannten Megalodon, ein Urzeitvieh von bis zu über 20 Metern Länge, das vor mehr als zwei Millionen Jahren die Ozeane unsicher machte. Wirklich neu ist die Idee des Films "MEG" unter der Regie von Jon Turteltaub, der nun in die Kinos kommt, also nicht.

Monster-Haie mit Monster-Budget

Was neu ist, ist die Produktion eines solchen Streifens mit einem Budget von schätzungsweise 150 Millionen Dollar. Und mit einem Hauptdarsteller wie den durch Filme wie "Collateral", "Transporter" oder "The Expendables" zum Blockbuster-Star und Action-Schwergewicht aufgestiegenen Jason Statham.

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Der Brite schlüpft in "MEG" in die Rolle des Rettungstauchers Jonas Taylor. Während einer Bergungsmission entscheidet er sich, mehrere Menschen zum Sterben zurückzulassen, weil der Angriff eines Meeresungetüms ansonsten auch das Leben aller bereits Geretteten zu bedrohen scheint. Aber niemand glaubt Taylor im Nachhinein die Geschichte von seiner Begegnung der dritten Haifisch-Art in den Tiefen des Ozeans. Frustriert und gedemütigt fristet er sein Leben seither mit viel Alkohol irgendwo am Strand.

Doch mehrere Jahre später ist sein Typ wieder gefragt. Schließlich hat das Team um Meeresforscher Dr. Zhang (Winston Chao) und dessen Mäzen Jack Morris (Rainn Wilson) ein Problem. Eines ihrer Tauchboote ist auf dem Meeresboden gestrandet. Nicht irgendwo auf dem Meeresboden, sondern in einer bislang unentdeckten Tiefe, die sich unter einer gasförmigen Schicht verbarg. Das allein ist aber noch nicht das größte Problem. Vielmehr ist das Boot im Visier eines Feindes, der ganz und gar dem seinerzeit von Taylor beschriebenen Monster zu gleichen scheint. Wer, wenn nicht er käme da als Retter in der Not infrage? Also steigt er widerwillig noch einmal in die Bütt. Doch damit fängt das Mega-Hai-Drama erst an ...

Groß ja, Technik nein

Kommt es auf die Größe an? Wie in anderen Lebenssituationen auch, lautet die für manche womöglich erlösende Antwort: Größe mag ja vielleicht nicht schaden, aber viel wichtiger ist doch die Technik. Nur genau hier versagt "MEG", denn so richtig kann sich der Film nicht entscheiden, ob er gerne Hochglanz-Trash oder doch lieber eine Art XXL-Version von "Der weiße Hai" sein möchte. Manche Szenen muten - positiv betrachtet - wie eine Reminiszenz an die von Spielberg begründete Reihe an. Negativ gesehen sind sie dagegen nur ein einfallsloser Abklatsch mit Raubfisch in Überlänge. Andere Szenen wiederum stehen von ihrem Irrsinn her - allen voran Taylors finaler Kampf mit einer der Bestien - in allerbester Trash-Tradition. Von Dialogen und Handlungssträngen, in denen etwa über den Tod von Protagonisten hinweggegangen wird, als seien sie nur mal eben einen Happen Meeresfrüchte essen gegangen, ganz zu schweigen.

So ist "MEG" am Ende weder Fisch noch Fleisch, weder wirklich beängstigender Thriller noch wirklicher Trash zum Beeumeln. Dass man mit einem Budget jenseits der 100 Millionen Dollar natürlich ganz andere Spezialeffekte hinbekommt als in B-Movies, liegt dabei auf der Hand. Doch ob es sich dafür lohnt, eine Kinokarte für "MEG" zu lösen, muss jeder selbst entscheiden.

"MEG" läuft ab sofort in den deutschen Kinos.

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Quelle: n-tv.de